28.06.2021 Sparten/Produkte

Allianz: Nächster Schritt beim Abschied von der vollständigen Beitrags­garantie

Die Allianz Lebensversicherung schränkt ihr Riester-Renten-Angebot ab 2022 stark ein. Im bAV-Neugeschäft soll es zudem nach einer Übergangszeit keine volle Beitragsgarantie mehr geben. Auf politische Reformen wollte der Marktführer nicht länger warten.

Die Diskussion über die Zukunft der staatlich geförderten Riester-Rente ist voll entbrannt, nur die Politik hält sich auffallend zurück. (Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)
Die Diskussion über die Zukunft der staatlich geförderten Riester-Rente ist voll entbrannt, nur die Politik hält sich auffallend zurück.
(Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)

Wann kommt sie, die große Reform der Riester-Rente? Sicherlich nicht mehr vor der Bundestagswahl – die letzte Sitzungswoche des Bundestags ist schließlich schon durch. Deutschlands Marktführer in Sachen Altersvorsorge glaubt auch nicht mehr an eine schnelle Lösung. Die Allianz Lebensversicherungs AG macht deshalb bereits jetzt Nägel mit Köpfen. Das Unternehmen streicht ab kommendem Jahr auch in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) die volle Beitragsgarantie im Neugeschäft und stampft sein Angebot für Riester ein. Schon im Herbst 2020 hatte die Allianz erstmalig eine Absenkung der Garantien bei Direktversicherungen für beitragsorientierte Leistungszusagen auf 90 Prozent zum Jahresbeginn 2021 angekündigt. Wie im Zuge der damaligen Ankündigung ist damit zu rechnen, dass viele Mitbewerber nun nachziehen werden.

Publik wurden die Pläne, nachdem die Allianz begonnen hatte, Vertriebspartner über das neue Produktportfolio zu informieren. Entsprechende Medienberichte bestätigte ein Unternehmenssprecher auf VP-Nachfrage. Den veröffentlichten Aussagen, bei der Beitragszusage mit Mindestleistung handele es sich um ein „Auslaufmodell“, widersprach er jedoch.

Senkung des Höchstrechnungszinses zwingt zum Handeln

 

Hintergrund der jetzigen Entscheidung ist neben der fehlenden Reform die Senkung des Höchstrechnungszinses von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent zum 1. Januar 2022. Das gesetzlich weiterhin geforderte Garantieniveau von 100 Prozent sei somit im bisherigen Rahmen für das Neugeschäft auf Sicht nicht mehr darstellbar und mit Blick auf eine zeitgemäße Balance zwischen Renditechancen und Sicherheit auch nicht mehr sinnvoll, so die Allianz-Darstellung. Gruppenverträge nach dem Modell „Beitragszusage mit Mindestleistung“ sind bereits ab dem 1. Juli nicht mehr möglich, Einzelverträge werden noch bis Ende Juli angenommen. Für Nachmeldungen in bestehende Gruppenverträge gilt eine Übergangsfrist bis Ende 2022.

bAV und Riester: Mehr Risiko, weniger Sicherheit

 

Der nächste Schritt beim langsamen Abschied von der 100-Prozent-Garantie sieht in den Tarifen „KomfortDynamik“ und „InvestFlex“ eine Absenkung vor. Kunden können hier in Zukunft zwischen 60, 80 und 90 Prozent Garantieniveau wählen. Die Allianz will dadurch nach eigenen Angaben die Freiheitsgrade in der Kapitalanlage und damit die Renditechancen erhöhen. Bei den anderen Tarifen „IndexSelect“ und „Perspektive“ bleibt es bei einem Garantieniveau von 90 Prozent. Das Riester-Angebot will die Allianz Leben ab dem kommenden Jahr nur noch im Rahmen eben jenes Vorsorgekonzepts „Perspektive“ aufrechterhalten. 


Weitere Artikel

Listing

06.01.2026 Sparten/Produkte

Altersvorsorge: Eifer sinkt

Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge zeigt: Obwohl die Sorge um Lebensstandard im Alter hoch bleibt, nimmt die Vorsorgebereitschaft ab. Politische Reformen sind nötiger denn je.

> weiterlesen
Listing

11.12.2025 Sparten/Produkte

K.O.-Urteil gegen umstrittene Riester-Klausel

Klartext aus Karlsruhe: Eine von der Allianz Leben verwendete Klausel, die es dem Versicherer erlaubte, den Rentenfaktor bei Riester-Renten in zinsschwachen Zeiten einseitig zu kürzen, ist ungültig. Ein wegweisendes Urteil, das vermutlich auch Kunden anderer Unternehmen betrifft.

> weiterlesen
Listing

13.11.2025 Sparten/Produkte

Arbeitskraft kaum geschützt

Berufsunfähigkeit kann jeden treffen. Psychische Leiden sind weiter der häufigste Grund dafür. Doch an der richtigen Absicherung fehlt es meist. Studien der Debeka und der Swiss Life Deutschland beleuchten das Dilemma.

> weiterlesen