08.07.2022 Sparten/Produkte

Inflation verschärft Vorsorgeproblem der Geringverdiener

Eine aktuelle GDV-Studie zeigt, dass die Inflation untere Einkommensgruppen relativ am stärksten trifft und das Problem in Sachen mangelnder Altersvorsorge verschärft. Ideen wie höhere Zulagen bei Riester oder die Abschaffung der 100-Prozent-Garantie als Reaktion sind allerdings altbekannte Verbandsforderungen.

Die Versicherungswirtschaft hofft, dass der Staat Geringverdienern finanziell unter die Arme greift – etwa mit höheren Zulagen bei Riester-Verträgen. (Foto: © Nattapol_Sritongcom - stock.adobe.com)
Die Versicherungswirtschaft hofft, dass der Staat Geringverdienern finanziell unter die Arme greift – etwa mit höheren Zulagen bei Riester-Verträgen.
(Foto: © Nattapol_Sritongcom - stock.adobe.com)

Die derzeit enorm hohe Inflation trifft laut der Untersuchung „Altersvorsorgebedarf und -potenzial“ die unteren Einkommensgruppen am stärksten. Der Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hatte die Studie beim Beratungsunternehmen Prognos in Auftrag gegeben.

Alleinstehende und Alleinerziehende am stärksten betroffen

 

Während die Konsumausgaben aller Haushalte seit April 2021 um durchschnittlich 5,7 Prozent gestiegen sind, kletterten sie im untersten Einkommensviertel der Haushalte sogar um 7,8 Prozent. Die Inflation verschärfe die Altersvorsorgesituation breiter Bevölkerungsteile. Personen mit geringen Einkommen könnten die Teuerung kaum auffangen, da bei ihnen der Anteil an nicht notwendigen Ausgaben relativ klein sei. Besonders Alleinstehende und Alleinerziehende seien betroffen. Die Mehrausgaben gingen zulasten des Sparpotenzials und damit der Altersvorsorge. „Die Inflation erhöht einerseits den Vorsorgebedarf für die Zukunft, engt aber zugleich den Spielraum zum Sparen heute ein“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Weite Teile der Bevölkerung können keine Vorsorge betreiben

 

Laut der Untersuchung können knapp elf Millionen Haushalte in Deutschland ihre Rentenlücke im Alter nicht aus eigener Kraft schließen. „In vier von zehn Haushalten mit Personen im Erwerbsalter ist der finanzielle Spielraum selbst dann zu klein, wenn sie ihr monatlich frei verfügbares Geld vollständig für die Altersvorsorge einsetzen würden“, sagt Studienleiter Dr. Oliver Ehrentraut von der Prognos AG. Aufgrund des geringen Sparpotenzials bestehe in diesen Gruppen Nachhol- und teilweise Unterstützungsbedarf. Mögliche Zulagen, beispielsweise die staatliche Riesterförderung oder auch Arbeitgeberzuschüsse zur betrieblichen Altersversorgung, flossen in die Berechnung nicht mit ein.

GDV fordert höhere Zulagen

 

Der GDV nutzt diese im Kern sicher wenig überraschenden Zahlen, um bekannte verbandspolitische Forderungen zu stellen. So wird eine bessere, staatliche Förderung insbesondere von Geringverdienern angemahnt. Um vor allem dieser Gruppe das Sparen zu erleichtern, plädiert der Interessenverein nach eigener Aussage für ein attraktiveres und einfacheres Fördersystem. „Eine Erhöhung der Zulagen ist nötig“, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Zugleich müssten die Ertragschancen in der geförderten Altersvorsorge verbessert werden, um der Inflation zu begegnen. „Eine Lockerung der 100-prozentigen Beitragsgarantie würde es den Anbietern erlauben, das Geld der Kunden chancenreicher anzulegen“, so der GDV-Hauptgeschäftsführer. Auch die Kosten der Produkte könnten sinken, wenn gesetzliche Vorgaben vereinfacht und komplizierte Wahlmöglichkeiten wegfallen würden.

Studie: „Altersvorsorgebedarf und -potenzial“

Grundlage der Studie ist eine Auswertung der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) für das Jahr 2018.  Im Fokus der Analyse stehen Haushalte mit Personen im Erwerbsalter. Haushalte im Ruhestand sowie u. a. Wohngemeinschaften sind nicht berücksichtigt. Insgesamt werden 25 Millionen Haushalte bzw. 61 Prozent aller Haushalte in Deutschland einbezogen. Dabei wird zwischen vier Haushaltstypen unterschieden: Alleinlebende, Alleinerziehende, Paare ohne Kinder sowie Paare mit Kindern. Neben dem Sparpotenzial der Haushalte auf Basis der EVS, wird in der Studie der Sparbedarf für die Altersvorsorge modelliert.

In den Berechnungen von Prognos ist ein angestrebtes „Rentenniveau von 55 Prozent unterstellt. Hierfür sind folgende Annahmen getroffen: Betrachtet werden Personen des Jahrgangs 1975, die im Jahr 2042 in den Ruhestand gehen. Das gesetzliche Rentenniveau von dann etwa 44 Prozent wird durch zusätzliche Altersvorsorge um gut zehn Prozentpunkte aufgestockt. Der hierfür notwendige Sparbedarf liegt bei rund 6,6 Prozent des personenbezogenen Nettoeinkommens. Für den Sparbedarf werden eine produktunabhängige Verzinsung und Kosten angesetzt. Formen der staatlichen Förderung in der Riester-Rente oder der betrieblichen Altersvorsorge sind dabei nicht berücksichtigt.


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