26.09.2022 Sparten/Produkte

BaFin-Chefaufseher Grund mahnt Versicherer

Auf dem „Zukunftsforum Assekuranz“ hat BaFin-Exekutivdirektor Dr. Frank Grund die Branche gemahnt, „ihr Geschäft sturmfest zu machen“. Er warnte zugleich vor einer Aufweichung der Solvency-II-Regeln und kündigte ein Einschreiten bei unangemessen hohen Kosten im Lebensversicherungsgeschäft an.

Die BaFin beobachtet die Entwicklung bei den Versicherungsunternehmen sehr genau. (Foto: © Bernd Roselieb / BaFin )
Die BaFin beobachtet die Entwicklung bei den Versicherungsunternehmen sehr genau.
(Foto: © Bernd Roselieb / BaFin )

„Die Wolken am Horizont sind düster. Es kann sehr ungemütlich werden“: Dr Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der BaFin, hat beim „Zukunftsforum Assekuranz“ in Köln die Auswirkungen aktueller wirtschaftlicher und geopolitischer Entwicklungen auf die Versicherer thematisiert. Neben dem Krieg in der Ukraine zählen auch die Lieferkettenproblematik und der starke Preisdruck dazu. „Als Aufseher steht für mich fest: Jetzt müssen Versicherer ihr Geschäft sturmfest machen”, sagte Grund bei der Veranstaltung.

Inflation bedingt steigende Prämien

So steigen laut Grund durch die hohe Inflation die Schadenaufwendungen signifikant, was zu höheren versicherungstechnischen Rückstellungen führe. Gegebenenfalls seinen daher Nachreservierungen vorzunehmen. Grund unterstrich, dass Versicherer die Schadenentwicklung auch im Hinblick auf künftige Schadenerwartungen bei ihrer Tarifierung berücksichtigen müssten. „Es ist daher im Grunde zwingend, dass die gestiegene Inflation höhere Beiträge in der Schaden-/Unfallversicherung nach sich zieht“, betonte der Chefaufseher der BaFin.


Zinsanstieg: zwei Seiten einer Medaille

 

Mit Blick auf das wieder steigende Zinsniveau sagte Grund, dass dies die Ertragskraft der Versicherer stärken könne. Gleichzeitig steige jedoch die Gefahr stiller Lasten durch fallende Kurse festverzinslicher Wertpapiere. Zudem, so Grund, rücke das Thema Storno durch die anziehenden Zinsen in den Fokus, vor allem im Lebensversicherungsgeschäft, da alternative Anlageformen wieder attraktiver würden. Angesichts der hohen Inflation, der Zinswende und der aktuellen geopolitischen Risiken unterstrich der BaFin-Exekutivdirektor, dass es jetzt auf umsichtiges Handeln ankomme. „Wir brauchen in den Unternehmen ausreichende Puffer bei Kapital und Liquidität. Versicherer müssen in den kommenden Monaten auch stärkeren Stürmen standhalten können“, forderte er.

Gegen Aufweichung der Solvency-II-Standards



Auch angesichts der hohen Unsicherheit warnte Grund davor, im Zuge des derzeit laufenden Solvency-II-Reviews die Kapitalanforderungen für die Unternehmen zu senken. Entsprechenden politischen Druck gebe es in Europa. „Der Solvency-II-Review darf das Regelwerk nicht verwässern“, unterstrich der Exekutivdirektor. Risiken müssten im Solvenzsystem angemessen reflektiert werden – und die würden in Zukunft eher noch zunehmen. Grund rechnet mit einer Umsetzung der Solvency-II-Reform „frühestens 2024, wobei mir 2025 realistischer erscheint”.


Lebensversicherer sollen Kosten im Blick haben



Die Lebensversicherer ermahnte Grund, den Kundennutzen ihrer Produkte nicht aus den Augen zu verlieren: „Nutzen schafft, wer die Kosten auf einem angemessenen Niveau hält.“ Das gelte umso mehr, wenn man den Kaufkraftverlust, sprich: die Inflation, über die gesamte Laufzeit berücksichtigt. Die BaFin führe zwar keine Preiskontrollen durch, schaue sich aber sehr genau an, ob die Versicherer den angemessenen Kundennutzen nachvollziehbar geprüft haben. Grund warnte vor „unangemessen hohe Kosten“ im Zusammenhang mit Kickbacks von Fondsgesellschaften an der Vertriebspartner der Versicherer. 

Zum Thema „Kostenbelastungen und Vertriebsvergütungen für kapitalbildende Lebensversicherungen“ kündigte er eine Konsultation „möglichst kurzfristig innerhalb der nächsten Wochen“ an. Die finale Fassung der Veröffentlichung sei für die zweite Dezemberhälfte geplant. Außerdem rief Grund die Unternehmen auf, Nachhaltigkeitsrisiken konsequent in ihre Risikomanagementsysteme zu integrieren und ihre digitale Resilienz zu stärken.


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