22.07.2021 Sparten/Produkte

BdV-Kritik wegen Stornoqoute: „Warnsignal nicht gehört“

2,55 Prozent Kündigungen bei Lebensversicherungen: Von den Versicherern wird diese Zahl positiv bewertet. Der Bund der Versicherten rechnet indes in die Zukunft – und schlägt Alarm.

Dynamik der Prozentrechnung: Auch vermeintlich kleine Stornoquoten verursachen eine raschen Rückgang der Gesamtzahl an LV-Policen. (Foto:  Peggy und Marco Lachmann-Anke/Pixabay)
Dynamik der Prozentrechnung: Auch vermeintlich kleine Stornoquoten verursachen eine raschen Rückgang der Gesamtzahl an LV-Policen.
(Foto: Peggy und Marco Lachmann-Anke/Pixabay)

Eine Frage der Perspektive? Zumindest beim Blick auf die Stornoquote bei Lebensversicherungen gibt es zwei stark konträre Sichtweisen. Der Kündigungsquotient lag 2021 bei historisch niedrigen 2,55 Prozent. Im Vorjahr betrug sie noch 2,70 Prozent. Entsprechend positiv bewertete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Zahl: „Der Rückgang der Stornoquote ist vor dem Hintergrund der angespannten wirtschaftlichen Lage vieler Versicherter während der Pandemie besonders bemerkenswert“, sagt GDV-Chef Jörg Asmussen. Kunden hätten trotz Krisen ihre Verträge behalten und die Möglichkeit der befristeten Beitragsfreistellung oder -stundung genutzt. „Das ist besonders wichtig bei Lebensversicherungen, die einen Schutz vor existenziellen Risiken wie beispielsweise einer Berufsunfähigkeit beinhalten“, so Asmussen.

Halbierung der Verträge in weniger als drei Dekaden

 

Ganz anders interpretiert der Bund der Versicherten (BdV) die Quote. Der Verband hat den Rückgangsquotienten von 2,55 in einem Langzeitrechenmodell über mehrere Jahre aufsummiert. Das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft für die Branche: Demnach hätten nach 27 Jahren bereits die Hälfte aller Kunden gekündigt und nach 43 Jahren sogar zwei Drittel ihren Vertrag vorzeitig beendet. „Gerade Altersvorsorgeverträge sind oft auf mehrere Jahrzehnte ausgelegt und werden daher von den hohen Stornozahlen erschüttert“, sagt BdV Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Sein Vorwurf: „Die Versicherer hören angesichts dieser stetig hohen Stornoquoten das Warnsignal nicht, stattdessen reden sie sich die Statistiken schön.“


Weitere Artikel

Listing

28.02.2023 Sparten/Produkte

Assekurata: Erste Rückflüsse aus Zinszusatzreserve

Eine aktuelle Studie der Kölner Rating-Agentur zeigt: Das Ende des Niedrigzinsumfelds kommt den Lebensversicherern zugute, da der hohe Zuführungsbedarf zur Zinszusatzreserve (ZZR) entfallen ist. Stattdessen verzeichnete die Branche 2022 bereits erste Rückflüsse aus dem Reservetopf in Höhe von vier Milliarden Euro.

> weiterlesen
Listing

24.02.2023 Sparten/Produkte

Lebensversicherung: Es profitieren vor allem die Anbieter

Das Kölner Ratinghaus Assekurata hat zum 21. Mal eine Studie zur Überschussbeteiligung der Lebensversicherer herausgebracht. Trotz leichter Verbesserung für die Kunden dürfte der Trend zu abgesenkten Garantien bestehen bleiben.

> weiterlesen
Listing

23.02.2023 Sparten/Produkte

GDV: „Generation Mitte” sieht Lücke bei eigener Altersvorsorge

Jede/r Zweite der 30- bis 59-Jährigen hält die eigene Altersvorsorge für unzureichend – aber nur jede/r Fünfte sieht finanziellen Spielraum, dagegen etwa zu tun. Das ist das Ergebnis einer aktuellen GDV-Umfrage.

> weiterlesen