28.04.2021 Sparten/Produkte

Corona pusht Zweitmarkt für Lebens­versicherungen

Im Schatten der Corona-Krise hat der Zweitmarkt für Kapitallebens- und Rentenversicherungen 2020 fast um ein Fünftel zugelegt. Das zeigen Zahlen des Bundesverbands Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen. Sinkende Renditen und wirtschaftliche Not spielten vermehrt eine Rolle.

Im Zweitmarkt für Lebensversicherungen werden die Ansprüche aus bestehenden Verträgen während der Vertragslaufzeit gehandelt. Das Geschäft wurde ab 1998 in Deutschland etabliert. (Foto: © thodonal - stock.adobe.com)
Im Zweitmarkt für Lebensversicherungen werden die Ansprüche aus bestehenden Verträgen während der Vertragslaufzeit gehandelt. Das Geschäft wurde ab 1998 in Deutschland etabliert.
(Foto: © thodonal - stock.adobe.com)

290 Millionen Euro: So hoch ist nach Angaben des Bundesverbands Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e.V. (BVZL) der Wert der 2020 von Mitgliedern angekauften Kapitallebens- und Rentenversicherungen. Die Steigerung um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht einem Anstieg von fast 20 Prozent. „Der Zweitmarkt für Lebensversicherungen ist im Aufwind. Im Verhältnis zu vergangenen Jahren gibt es jetzt deutlich mehr Bewegung am Markt“, sagt Ingo Wichelhaus, BVZL Vorstand National. Die Corona-Krise trage dazu bei, dass sich mehr Menschen von ihren Policen trennen wollen. Allerdings zeigten die aktuellen Zahlen auch, dass die Policenverkäufer sich offenbar genauer informieren. Wichelhaus: „Sie wählen statt der Vertragskündigung den lukrativeren Verkauf, wo sie immerhin drei bis fünf Prozent mehr Geld erhalten“.

Hohe Ankaufswahrscheinlichkeit, stabile Preise

 

Eine Umfrage unter den BVZL-Mitgliedern ergab, dass Policeninhaber noch nie mit so hoher Wahrscheinlichkeit einen Vertrag am Zweitmarkt verkaufen konnten wie jetzt. Hinzu komme, dass die Ankaufspreise stabil geblieben und trotz des deutlich größeren Marktangebots nicht gesunken seien. „Zudem können wir feststellen, dass der Verkaufsprozess im Allgemeinen reibungslos und effizient abläuft“, so Wichelhaus weiter. „Hier hat sich einiges auf Seiten aller Beteiligten getan.“ Bei den Verkaufsmotiven zeige sich, dass viele Selbständige ihre Altersvorsorge aufgrund wirtschaftlicher Not auflösen müssen. Es gebe aber auch viele Policeninhaber, die ihre Lebensversicherung wegen sinkender Renditen verkaufen.

Verein will Aufklärungsarbeit fortsetzen

 

Der BVZL kündigte an, weiterhin daran arbeiten zu wollen, Verbraucher über die Vorteile des Verkaufs gegenüber der Vertragskündigung aufzuklären. Versicherte erhielten mehr Geld als bei der Versicherungsgesellschaft und dies in einem sicheren Verfahren mit nur geringem Aufwand. Zudem bliebe ein bedingter Rest-Todesfallschutz erhalten, der bei einem Storno komplett entfallen würde.

BVZL

Die im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL) e.V. zusammengeschlossenen Unternehmen und Dienstleister sind weltweit in Lebensversicherungszweitmärkten tätig. Der Verband mit seinen derzeit 16 Mitgliedern fungiert seit seiner Gründung im Mai 2004 als Interessenvertretung in wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Fragen. Ein wichtiges Anliegen ist es nach eigenen Angaben, Branchenstandards im Hinblick auf Transparenz und Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Anlagesegmente (britische, deutsche und US-amerikanische Lebensversicherungen) zu installieren und somit die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Investment in diese Asset-Klassen stetig zu verbessern.


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