27.10.2022 Sparten/Produkte

Diva: Altersvorsorge-Index rutscht weiter ab

Der vom DVAG-nahen Forschungsunternehmen Diva gemessene „Deutsche Altersvorsorge-Index“ rutscht weiter in den Keller. Vor allem die Inflation drückt die Stimmung. Erstaunlich: Einfluss auf das aktuelle Verhalten von Vorsorgesparern scheint das Ganze nicht zu haben.

Die Stimmung sackt weiter ab in Sachen Altersvorsorge. Dabei sind die Unterschiede zwischen Bundesländern, Geschlechtern und Altersgruppen jedoch enorm. (Foto: @ amnarj2006 - stock.adobe.com)
Die Stimmung sackt weiter ab in Sachen Altersvorsorge. Dabei sind die Unterschiede zwischen Bundesländern, Geschlechtern und Altersgruppen jedoch enorm.
(Foto: @ amnarj2006 - stock.adobe.com)

Der „Deutsche Altersvorsorge-Index“ (DIVAX-AV) ist eine halbjährlich erhobene Kennzahl, die das Stimmungsbild der Bevölkerung zur Altersvorsorge messen soll. Nun hat der Wert im Herbst 2022 mit -5,4 einen neuen Tiefstand erreicht. Damit ist der Index seit Beginn der Erhebung vor zwei Jahren um neun Indexpunkte und zum vierten Mal in Folge gefallen. Für die Berechnung wurden 2000 Personen in Deutschland vom Marktforschungsunternehmen Insa-Consulere im Auftrag des Deutschen Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (Diva) befragt, das dem Allfinanzvertrieb DVAG nahesteht.

Bewertung der aktuellen Lage auf Tiefststand

 

Besonders negativ fällt in der aktuellen Erhebung mit -10,9 die Bewertung der aktuellen Situation (Teilindex „Aktuelle Lage“) aus. „Das ist nicht verwunderlich“, sagt Prof. Dr. Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor der Diva GmbH, „die Zeitungen sind voll von Negativmeldungen mit düsterem Ausblick. Dieses Stimmungsbild fließt natürlich auch in die Bewertung der Altersvorsorge ein.“ Inzwischen geben 27 Prozent der Befragten an, dass sich die finanzielle Absicherung für den Ruhestand in den letzten drei Jahren verschlechtert hat. Vor einem halben Jahr waren es noch knapp 19 Prozent. Als Grund dafür sieht Heuser an vorderster Stelle die Inflation, da die aktuellen Renten- und Zinserhöhungen können mit der Preissteigerung nicht mithalten könnten.

Negative Erwartungen an die Rente, Absicht mehr zu tun wächst

 

Geht es um längerfristige Erwartungen an die Rente (Teilindex „Künftige Erwartungen“), rutscht auch hier der Stimmungswert von 0,6 im Frühjahr 2022 weiter ab (aktuell 0,0). Besonders ins Gewicht fallen dabei die Einschätzungen zur gesetzlichen Rente: 61 Prozent der Befragten gehen für die nächsten 20 bis 30 Jahre von einer Verschlechterung aus. 2021 waren es noch 58,5 Prozent. 41,3 Prozent der Befragten wollen gegensteuern und in den nächsten drei Jahren mehr Mittel in die private Altersvorsorge investieren. Dieser Wert lag vor eine, Jahr noch bei 39 Prozent. Die Entwicklung bei der Frage nach der betrieblichen Altersvorsorge ist ähnlich.

Hohe Skepsis bei Frauen und bei Älteren

 

Auffällig: Bei Frauen fällt der Wert des DIVAX-AV mit -10,5 weit pessimistischer aus als bei Männern (-0,6). Heuser: „Frauen erhalten wegen unterschiedlicher Erwerbsbiografien im Schnitt rund 30 Prozent weniger Rente als Männer.“ Noch größer ist die Divergenz beim Altersvergleich. In der Gruppe der 50- bis 65-Jährigen ist die Skepsis mit einem Wert von -18,8 am größten (18- bis 29-Jährige: 15,2). „Eine nachvollziehbare Sorge der Älteren, wenn sich das Vermögen inflationsbedingt noch kurz vor dem Renteneintritt verringert.“ Bei der Auswertung nach Bundesländern ist Thüringen mit -20,3 Schlusslicht, während in Berlin mit 6,8 die Stimmungslage zur Altersvorsorge am besten ist. Auch das ist laut Heuser plausibel: „Die deutsche Hauptstadt belegt mit einem Beamtenanteil von knapp zwei Prozent einen Spitzenplatz.“

Umfrage soll Praxisbeobachtung in Sachen Kundenverhalten bestätigen

 

In welchem Umfang die Stimmungslage und Erwartungen konkreten Einfluss auf das aktuelle Verhalten von Altersvorsorgesparern haben, thematisiert die Untersuchung nicht. Deshalb bleibt unklar, inwieweit die Umfrageergebnisse Einschätzungen aus der derzeitigen Praxis der Vermittler der Finanzbranche bestätigt, wie das Diva behauptet. Das Unternehmen zitiert hier Norman Wirth, Vorstand des Bundesverbands Finanzdienstleistung AfW, eines der neuen Trägerverbände des Diva: „Unsere Mitglieder berichten, dass die Bürger trotz hoher Inflation an ihrer privaten Altersvorsorge festhalten. Es ist bisher wohl lediglich eine Minderheit, die die monatlichen Sparbeiträge reduzieren muss. Offensichtlich sparen die Menschen zunächst in anderen Bereichen. Die Nachfrage nach Altersvorsorgeberatung ist hingegen weiter hoch. Dabei spielen aktienbasierte Vorsorgeformen eine immer größere Rolle.“


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