28.12.2021 Sparten/Produkte

Experte: Riester in der bestehenden Form hat ausgedient.

Die staatliche geförderte Altersvorsorge ist schon länger im Gerede. Das Beratungsunternehmen Zielke Research rechnet vor, warum das Modell keine Zukunft hat und erklärt, welcher Reformen es nun bedarf.

Für einen finanziell komfortabel ausgestatteten Ruhestand empfiehlt sich eine private Vorsorge – die Riester-Rente ist hier meistens nicht mehr erste Wahl. (Foto: pasja1000/Pixabay)
Für einen finanziell komfortabel ausgestatteten Ruhestand empfiehlt sich eine private Vorsorge – die Riester-Rente ist hier meistens nicht mehr erste Wahl.
(Foto: pasja1000/Pixabay)

Die Riester-Rente startete einst als Erfolgsgeschichte, die sie heute in der öffentlichen Wahrnehmung längst nicht mehr ist. Das 20 Jahre alte Modell sieht vor, das Kapital zu erhalten und zu verrenten. Versicherer müssen somit das Geld in festverzinsliche Papiere investieren. Das führt zu Verlusten beim Versicherungsnehmer, behauptet Dr. Carsten Zielke, Geschäftsführer der Zielke Research Consult GmbH. Sein Urteil ist eindeutig: „In Zeiten der Niedrig- oder gar Negativzinsen hat die Riester-Rente ausgedient.“

Neue Berechnung zeigt: Modell Riester geht nicht auf

 

Zielke rechnet vor: Für 100 eingezahlte Euro bekommt der Versicherte nur 110,30 Euro zurück. Bei jährlich 100 eingezahlten Euro ergibt sich nach 35 Jahren ein Kapital von 4820,63 Euro. Tatsächlich bleibt bei zwei Prozent Inflation ein Realwert von 2410,45 Euro übrig. Hinzu kommt, dass die Versicherungen trotz einer tatsächlichen Lebenserwartung von 76,6 Jahren bei Jungen und 83,4 Jahren bei Mädchen von einer Lebenserwartung von 93 Jahren bei Riester-Rentenbeziehern ausgehen. Kein Wunder, dass die Rechnung nicht aufgeht, meint der Analyst. Tatsächlich haben sich zahlreiche Versicherer bereits zurückgezogen und bieten das Produkt im Neugeschäft nicht mehr an.

Von der Aufhebung des Verrentungszwangs profitieren viele

 

Die Ampel-Parteien haben versprochen, das bisherige System der privaten Altersvorsorge grundlegend zu reformieren. Wie das gehen kann – auch darüber haben sich die Analysten von Zielke Research Gedanken gemacht. Um eine angemessene Rendite zu erzielen, sollte die Regierung den Verrentungszwang aufheben und den Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr festlegen. Für eine längere Lebenszeit des Einzelnen müsste die Gemeinschaft aus Steuergeldern aufkommen. Das wäre effizienter.

Von einer Abschaffung des Verrentungszwangs würde nicht nur der Kunde, sondern auch der Versicherer profitieren. Die Solvenz der deutschen Lebensversicherer würde sich um den Faktor 1,6 bis 2,0 verbessern. Der Altersvorsorgemarkt würde so für die Bürger attraktiver, das Risiko für den Staat geringer. Hinzu kommt, dass durch das erhöhte Vertrauen auch Kapitalströme gezielt für den Klimaschutz eingesetzt werden können, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Rechnungslegung modernen internationalen Normen angleichen

 

Zusätzlich sei es dringend geboten, dass die aus Sicht von Zielke Research verstaubte HGB-Rechnungslegung wie in den meisten EU-Ländern durch die ökonomischere IFRS-Rechnungslegung ersetzt wird. Dies würde es den Versicherern ermöglichen, im Sinne der Rendite mehr in Realwerte wie Aktien zu investieren.

Das Fazit der Experten: Nur ein Mix aus Garantie- und Verrentungszwangsabschaffung sowie eine Änderung der Rechnungslegung an moderne internationale Normen können die Attraktivität für die private Altersvorsorge erhöhen, um den demographischen Herausforderungen standzuhalten. Gleichzeitig würde sich die Eigenkapitalsituation der deutschen Lebensversicherer erheblich verbessern, was die Finanzstabilität fördern würde. Jetzt sei die neue Bundesregierung gefordert.

Zielke Research

Die Zielke Research Consult GmbH aus Aachen analysiert und berät Versicherungsgesellschaften und Banken in Solvenz- und Nachhaltigkeitsfragen. Die Gesellschaft wurde 2013 gegründet. Ihr Geschäftsführer Dr. Carsten Zielke hat verschiedene Mandate bei der EFRAG (beratendes Organ in Berichtsfragen der Europäischen Kommission) inne. In den vergangenen Jahren stand das Unternehmen wiederholt wegen der Methodik einer jährlichen Studie über die Solvenzberichte deutscher Lebensversicherer im Auftrag des Verbraucherschutzvereins Bund der Versicherten in der Kritik aus den Reihen der Versicherungsbranche.


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