24.10.2022 Sparten/Produkte

Lebensversicherer: 47 von 63 überzeugen im Morgen & Morgen-Rating

Das Analysehaus hat in der Leben-Sparte die Anbieter anhand ihrer Bilanzkennzahlen der vergangenen fünf Jahre untersucht. Im Gesamtergebnis schneidet die Branche deutlich besser ab. Morgen & Morgen hält die Zahlen aufgrund einer völlig neuen Untersuchungsmethodik jedoch für nicht vergleichbar.

Morgen & Morgen hat sein unternehmensbezogenes Rating im Bereich der Lebensversicherung stark überarbeitet. (Foto: geralt/Pixabay)
Morgen & Morgen hat sein unternehmensbezogenes Rating im Bereich der Lebensversicherung stark überarbeitet.
(Foto: geralt/Pixabay)

Das Beratungsunternehmen Morgen & Morgen (M&M) hat seine Lebensversicherungsratings vereint. Mit dem aktuellen Jahrgang gibt es nur noch eine Bewertung der Lebensversicherer. Der bisher separat geführte Belastungstest wurde ins „M&M Rating LV-Unternehmen“ integriert. Zudem wurden drei neue Teilratings geschaffen, um dem Markt laut Anbieter einen aggregierten Einblick zu den Kennzahlen der Unternehmenskenngrößen Erfolg, Bestand und Sicherheit zu geben.

13 Bilanzkennzahlen über fünf Jahre untersucht

 

Insgesamt werden 63 Lebensversicherer bewertet, vier mehr als im Jahr zuvor. Im Zuge der neuen Systematik, die auch im Austausch mit der Branche entstanden sei, konnten laut M&M nun ebenfalls Versicherer bewerten werden, die aufgrund ihrer besonderen Bestandsstruktur in der alten Bewertungssystematik noch fehlten. Das aktuelle „M&M Rating LV-Unternehmen“ betrachtet 13 Bilanzkennzahlen der Lebensversicherer über den vergangenen Fünfjahreszeitraum von 2017 bis 2021. Diese werden in die drei Kategorien Erfolgs-, Bestands- und Sicherheitsgrößen aufgeteilt. Unter anderem werden die Abschluss- und Verwaltungskosten eines Versicherers, RFB-Quote, Normalstornoquote und die Nettoverzinsung der Verträge betrachtet. Bei der Auswertung der Unternehmensdaten werden laut der Autoren vielschichtige Faktoren wie Wechselwirkungen der Bilanzkennzahlen berücksichtigt. Anstelle der bisher verwendeten relativen Punktevergabe anhand der Normalverteilung wurde auf ein Benchmark-Verfahren umgestellt. Dadurch sollen Besonderheiten bei den einzelnen Kennzahlen flexibler berücksichtigt werden können.

Solvency II-Entwicklung trägt die Branche in Sachen Sicherheit

 

Im Teilrating "Erfolg" (Gewichtung: 45 Prozent) werden der Geschäftserfolg und Anlageerfolg beleuchtet. Hierbei werden wesentliche Indikatoren bewertet, die die Ertragssituation des Unternehmens zeigen, wie Kennzahlen zur Garantiebelastung, der Zins-Überschussquote und der Zins-Risiko-Überschussquote. „Insgesamt zeigen sehr viele Gesellschaften eine stabile Kostensituation auf. Zudem können wir eine positive Tendenz bei den leicht angestiegenen Überschussquoten feststellen“, sagt Thorsten Saal, Bereichsleiter Mathematik bei Morgen & Morgen. Im Teilrating "Bestand" (Gewichtung: zehn Prozent) beschreibt Saal die Entwicklung so: „Noch können wir ein Wachstum in den Beständen verzeichnen, interessant wird sicher, was die Zukunft bringt. Wenn überall das Geld knapper wird, kann sich der Storno erhöhen und das Wachstum geringer ausfallen“. Hier liefert die Branche auch die deutlich schwächsten Teilergebnisse. Das Teilrating "Sicherheit" (Gewichtung: 45 Prozent) bewertet die finanzielle Stabilität und die Eigenkapitalunterlegung eines Versicherers im Hinblick auf eine mögliche Krise. In diesem Jahr sind die Solvency II-Quoten im Marktschnitt gestiegen. Das Ergebnis zeigt daher ein sehr gutes Bild, mit 47 Fünf-Sterne-Auszeichnungen. Laut M&M ist davon auszugehen, dass die top bewerteten Gesellschaften in naher Zukunft nicht unter Beobachtung der BaFin stehen werden.

Starkes Gesamtergebnis, kaum schwache Anbieter

 

Im Gesamtrating sind es 15 Gesellschaften, die mit der Bestnote von fünf Sternen ausgezeichnet werden konnten, gefolgt von 32 Unternehmen, die eine sehr gute Bewertung von vier Sternen erhalten. Elf Versicherer sind durchschnittlich bewertet und erhalten drei Sterne. Nur fünf Versicherer sind schwach eingestuft (Concordia Oeco, Credit Life, PB, Provinzial Nordwest und VRK), während kein Versicherer sehr schwach bewertet ist. „Auch wenn das Päckchen, das die Versicherer zu tragen haben, jedes Jahr größer wird, sind sie weiterhin gut aufgestellt“, bestätigt Saal dem Markt einen sehr guten Stand. Folgende Gesellschaften erhalten in diesem Jahr die Höchstwertung von Morgen & Morgen: Allianz, Basler, Delta Direkt, Deutsche Ärzteversicherung, Europa, Hannoversche, Ideal, Inter Risk,  LV 1871, My Life, Öfftl. Braunschweig, Swiss Life, WGV, Württembergische und WWK.

M&M hält Ratings für nicht vergleichbar

 

„Aufgrund der Neuerungen ist die diesjährige Verteilung im Ratingergebnis nicht mit dem Vorjahresergebnis vergleichbar. Daher möchten wir aus unseren Analysen heraus betonen, dass sich der Markt insgesamt im Vergleich zum Vorjahr weiterhin sehr stabil zeigt und keiner großen Veränderung unterliegt“, sagt Saal. Auch wenn die Lage am Lebensversicherungsmarkt mit dem Andauern der Kapitalmarktkrise, des Krieges in der Ukraine und der Pandemie weiterhin herausfordernd ist, seien die Versicherer gut aufgestellt: Gerade die finanzielle Stabilität sei weiterhin sehr gut. Insgesamt zeige der Kapitalmarkt aktuell eine leichte Erholung. Dies sorge schon in diesem Jahr für Entlastungen beim Thema Zinszusatzreserve. Trotz der betonten Unvergleichbarkeit der Ratingergebnisse fällt allerdings auf, dass die Bewertungsergebnisse insgesamt deutlich besser ausfallen als im Vorjahr. 2021 bekamen noch 19 Unternehmen eine schwache oder sehr schwache Bewertung. M&M äußert sich dazu explizit nicht. Die naheliegende Begründung dürfte in den verbesserten Ergebnissen im Teilbereich "Sicherheit" liegen.


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