03.11.2021 Sparten/Produkte

Morgen & Morgen: Lebensversicherer mit Tops und Flops

Trotz schwieriger Bedingungen stehen Deutschlands Lebensversicherer solide da. So urteilt zumindest die Ratingagentur M&M in ihrem aktuellen „Marktblick“. Die Ratingergebnisse sind fast unverändert zum Vorjahr. Den Belastungstest in Sachen Krisenvorsorge nach Solvency II bestehen alle Unternehmen.

Das Rating von Morgen & Morgen soll Transparenz und Orientierung für Vermittler und Verbraucher schaffen. (Foto: © DOC RABE Media - stock.adobe.com)
Das Rating von Morgen & Morgen soll Transparenz und Orientierung für Vermittler und Verbraucher schaffen.
(Foto: © DOC RABE Media - stock.adobe.com)

Laut einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M) stehen die deutschen Lebensversicherer trotz immenser Herausforderungen unter anderem wegen der weltweiten Covid-19-Pandemie gut da. Die Branche zeige sich trotz der Verwerfungen an den Kapitalmärkten und einem historischen Zinstief gefestigt. Wie gut sich die einzelnen Lebensversicherer in dieser angespannten Marktsituation behaupten konnten, untersucht M&M im Rahmen des „M&M Rating LV-Unternehmen“. Der „M&M Belastungstest“ wiederum bewertet, wie es um die finanzielle Stabilität sowie die Eigenkapitalunterlegung eines Versicherers im Hinblick auf eine mögliche Krise bestellt ist.

Rating: Acht Unternehmen top, fünf sehr schwach

 

Der Ratingjahrgang 2021 zeigt die gleiche Anzahl an top bewerteten Gesellschaften. Erneut erhalten acht Gesellschaften die Bestbewertung von fünf Sternen (Allianz, DEVK, Europa, Hannoversche, LV 1871, Ideal, R+V und WGV), gefolgt von 14 Unternehmen, die vier Sterne erreichen. Das Mittelfeld ist leicht ausgedünnt. Hier erhalten nur noch 18 Gesellschaften drei Sterne, im Vorjahr waren es noch 21. 14 Unternehmen wurden mit zwei Sternen schwach eingestuft und fünf sogar sehr schwach. Das sind: Cosmos Direkt, Credit Life, Provinzial Nordwest, Targo und VPV. „Die Tendenz zur Konsolidierung im Markt wurde weiter verstärkt. Fusionen und Run-Offs sowie die Einstellung des Neugeschäfts sind die Reaktionen der Gesellschaften auf die stark angespannte Kapitalmarktsituation“, beschreibt Thorsten Saal, Bereichsleiter Mathematik die aktuelle Marktsituation. Die im M&M Rating gut bewerteten Versicherer seien davon tendenziell nicht betroffen.

Kosten stabil, Stornoquote steigt leicht, Eigenmittelquote fällt

 

Der detaillierte Blick auf die Entwicklung der Kennzahlen belegt die solide Entwicklung. So sinkt die Nettoverzinsung im Geschäftsberichtsjahr 2020 leicht von 3,7 auf 3,6 Prozent. Nach einem etwas höheren Niveau von über sieben und acht Prozent in den beiden Vorjahren sinkt die Überschussquote auf sieben Prozent. Die Abschlusskosten bleiben mit 4,6 Prozent und die Verwaltungskosten mit 2,7 Prozent konstant. Die Wachstumsquote zeigt sich auf einem weiterhin guten Niveau, sinkt aber aufgrund des stellenweise pandemiebedingt zurückhaltenden Neugeschäfts auf vier Prozent. Die Stornoquote ist nur leicht von 3,7 auf 4,0 Prozent gestiegen. Die Kennzahlen zur Sicherheit und Finanzierbarkeit zeigen eine weiterhin fallende Eigenmittelquote (zuletzt 4,8 Prozent). Die Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB) befinden sich auf weiterhin niedrigem Niveau, die RfB-Quote liegt bei 3,1 Prozent. Extrem volatil sind die Bewertungsreserven und zeigen aktuell mit einer Reservequote von 18,6 Prozent die Auswirkungen des primär coronabedingten Zinsrückgangs am Kapitalmarkt.

Alle Versicherer bestehen modifizierten Belastungstest

 

Da die Solvency II-Quoten im Marktschnitt 2021 deutlich nach unten gegangen sind, sah sich Morgen & Morgen veranlasst, im Belastungstest die angesetzten Benchmarks leicht anzupassen und auszubalancieren, um das aktuelle Marktergebnis entsprechend zu spiegeln. Ergebnis: Alle 49 teilnehmenden Versicherer haben den Test bestanden, 33 davon mit der Bewertung „ausgezeichnet“. Die Verteilung ist somit ähnlich wie im Vorjahr. „Das ist ein gutes Bild und man kann davon ausgehen, dass diese Gesellschaften in naher Zukunft nicht unter Beobachtung der BaFin stehen werden“, prognostiziert Saal.

M&M lobt Maßnahmen der Branche

 

„Unter dem Strich sind die Lebensversicherer bislang vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen und sind zum Großteil krisenfest aufgestellt, wie unsere Analysen im Rating und Belastungstest zeigen. Trotz der insgesamt schwierigen Lage haben sie sogar weiterhin Wachstum verzeichnet“, bilanziert Saal. Positiv zu bewerten sei die Beschleunigung der Digitalisierung des Vertriebs durch Corona. Viele Unternehmen ergänzten ihre Services um digitale Beratungsangebote. Auch zeigten sich die Versicherer mit Überbrückungsangeboten flexibel und konnten somit einen Großteil des Stornoverhaltens aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit auffangen. Signifikante Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf eine veränderte Sterblichkeit konnten bisher nicht verzeichnet werden. Veränderungen bei biometrischen Risiken können jedoch mit zeitlicher Verzögerung auftreten, beispielsweise durch Spätfolgen einer Corona-Erkrankung oder pandemiebedingte psychische Erkrankungen.

MORGEN & MORGEN Rating LV-Unternehmen

Das aktuelle „MORGEN & MORGEN Rating LV-Unternehmen“ betrachtet neun Bilanzkennzahlen der Lebensversicherer über den Fünfjahreszeitraum von 2016 bis 2020. Insgesamt werden 59 Unternehmen bewertet, vier weniger als im Vorjahr. Das Rating erhebt den Anspruch, belastbare Aussagen über die Erfolgs- und Leistungsgrößen, Wachstums- und Bestandsgrößen sowie über die Kennzahlen zu Sicherheit und Finanzierbarkeit zu liefern.

Bei der Auswertung der Unternehmensdaten werden Faktoren wie Wechselwirkungen der Bilanzkennzahlen berücksichtigt. Jede bewertete Gesellschaft wird im Vergleich zu den anderen Marktteilnehmern beurteilt und damit einem Benchmarking unterzogen. Dieses Verfahren stellt laut Morgen & Morgen sicher, dass man nicht mit pauschal angesetzten Hürden in den Markt eingreift, sondern die aktuelle Marktstellung der einzelnen Gesellschaften im Vergleich zu den anderen Unternehmen darstellt.


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