28.03.2022 Sparten/Produkte

Thesen zur Altersvorsorge: Ein Blick in die Zukunft?

Wenig revolutionär: Das Beratungsunternehmen ifa leitet aus einer eigenen Untersuchung zur Zukunft der Altersvorsorge Forderungen ab, die ganz im Sinne der Versicherungswirtschaft ausfallen: Die doppele Haltelinie soll aufgegeben und existierende kapitalgedeckte Systeme wie Riester durch Reformen gestärkt werden.

Neustart in die Altersvorsorge: Das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften fordert u.a. eine flexiblere Riester-Rente. (Foto: © lassedesignen - stock.adobe.com)
Neustart in die Altersvorsorge: Das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften fordert u.a. eine flexiblere Riester-Rente.
(Foto: © lassedesignen - stock.adobe.com)

„Es ist unabdingbar, dass in der aktuellen Legislaturperiode wichtige Weichen für die Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland gestellt werden.“ Mit diesen Worten beginnt eine Zusammenfassung des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) zu einer Studie mit dem Titel „Thesen zur Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland“. Abgesehen von dem einführenden Satz, dem wohl jeder zustimmen kann, dürften die Erläuterungen und Schlussfolgerungen des Beratungsunternehmen aus Ulm geeignet sein, um kontrovers diskutiert zu werden. Die Autoren sprechen immerhin von „Anforderungen an Reformen, die sich aus fachlicher Sicht nahezu zwingend ergeben, wenn man die Faktenlage rational betrachtet.“ Soll wohl heißen: Echte Alternativen gibt es nicht.

Doppelte Haltelinie und Renteneintrittsalter dürften keine Tabus sein

 

Doch der Reihe nach: Die ifa-Analyse nimmt zunächst eine Entscheidung der Ampel-Parteien aus ihrem Koalitionsvertrag ins Visier. So heißt es in Sachen gesetzliche Rentenversicherung, dass es weder zielführend noch generationengerecht sei, an der sogenannten doppelten Haltelinie mit einem Mindestrenten­niveau von 48 Prozent und einem der Höchstbeitragssatz von 20 Prozent festzuhalten. Auch das Versprechen, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht steigen kann, sei nicht haltbar. Darüber hinaus müsse die Politik festlegen, ob das Ziel der Vermeidung von Altersarmut künftig ein höheres Gewicht erhalten soll, da hiervon abhängt, ob auch Maßnahmen infrage kommen, die dezidiert auf eine Erhöhung niedriger Renten abzielen.

Um die Herausforderungen der 2030er Jahre ohne eine Überforderung der öffentlichen Finanzen zu bewältigen, sei eine Abkehr von der doppelten Haltelinie sowie eine weitere Erhöhung der Regelaltersgrenze (idealerweise automatisiert gekoppelt an die Entwicklung der Lebenserwartung) erforderlich. Da dies bereits heute offenkundig sei, sollte es den Bürgern auch transparent kommuniziert werden, verlangen die Studienautoren. Andernfalls müssten noch weit größere Summen direkt aus Steuermitteln fließen, das dann zum Beispiel für Investitionen fehle.

Einstieg in Kapitaldeckung verspricht keine Lösung für das nächste Jahrzehnt

 

Ein kleines Lob bekommt zumindest der im Koalitionsvertrag vorgesehene Kapitalstock für die gesetzliche Rentenversicherung, als ein erster sinnvoller Schritt, dem aber weitere folgen müssten. „Man muss sich außerdem bewusst sein, dass Kapitaldeckung Zeit braucht, um Wirkung zu entfalten. Entsprechend werden auch bei uns erst spätere Generationen von einem heutigen Einstieg profitieren. Die Herausforderungen der 2030er Jahre können hiermit nicht gelöst werden“, so die drei Studienautoren Jochen Ruß, Alexander Kling und Andreas Seyboth. Fragen, wie die teilweise Kapitaldeckung konkret ausgestaltet werden sollte, welche Volumina im weiteren Zeitverlauf aufgebaut werden und wie man deren Finanzierung plant, müssten zeitnah beantwortet werden.

Loblied auf kapitalgedeckte Systeme

 

So oder so sollte sich der Staat aber außerhalb der ersten Säule der Altersvorsorge auf eine Rolle als „Schiedsrichter“ beschränken. Jedes Engagement jenseits der ersten Säule sei mit erheblichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Dabei sollten existierende privat­wirtschaftlich organisierte kapitalgedeckte Systeme gestärkt werden, da hier bereits signifikante Beträge angespart wurden. Um diesen Zustand zu erreichen, würde ein neues System sehr viel Zeit benötigen, die wir inzwischen nicht mehr haben, so die ifa-Experten.

Ein System, dass die Studie dabei besonders im Blick hat, ist die Rieste-Rente. Das überrascht nicht, schließlich ist mit der Union Investment Privatfonds GmbH, einer der größten Riester-Fondsanbieter des Landes Auftraggeber der Studie. Zu dem Thema heißt es: „Weil Kapitaldeckung Zeit benötigt, ist ein kapitalgedecktes System wie beispielsweise die Riester-Rente (...) ein wertvolles Gut. Die staatliche Förderung bei Riester-Verträgen sei sehr gut dazu geeignet, die Schere zwischen Arm und Reich zu verringern. Die aktuelle Diskussion führe allerdings bei vielen Menschen zu einem Verlust des Vertrauens in diese Form der Altersvorsorge, welches laut ifa dringend wiederhergestellt werden muss.

Riester soll gestärkt werden, aller Kritik zum Trotz

 

Eine Mitverantwortung bei den Produktgebern sehen die Studienautoren offenbar nicht. Anders als die BaFin, die zuletzt die Lebensversicherer wegen teils hoher Kosten speziell bei Rentenversicherungen gerügt hatte. Dieser bekannte Kritikpunkt, intransparente Verträge oder das Rechnen mit einer überzogenen Lebenserwartung für die Rente werden in der ifa-Untersuchung nicht genannt. Hingegen sei eine Stärkung von Riester schon mit wenigen, einfachen Maßnahmen möglich. Die Anforderung einer Garantie von 100 Prozent der eingezahlten Beiträge müsse reduziert und das Zulagenverfahren vereinfacht werden. Ähnliches gelte auch auf für die betriebliche Altersvorsorge, auch wenn sie keinen ähnlich dringenden Reformbedarf aufweise.


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