03.12.2021 Sparten/Produkte

Zinsbelastung der Lebensversicherer: Assekurata sieht starke Streuung

Die extremen Zinsbedingungen belasten die Lebensversicherer unterschiedlich stark. Bei der Ertragskraft gibt es im Verhältnis zu den Rechnungszinsanforderungen gewaltige Unterschiede. Positiv ist, dass ein Großteil der Zinszusatzreserve von der Branche bereits gestemmt wurde.

Die Zinszusatzreserve ist Teil der Deckungsrückstellung, die Lebensversicherer dafür rüsten soll, in Zeiten anhaltend niedriger Zinsen, ihre Garantieverpflichtungen tragen zu können. (Foto: © Eisenhans - stock.adobe.com)
Die Zinszusatzreserve ist Teil der Deckungsrückstellung, die Lebensversicherer dafür rüsten soll, in Zeiten anhaltend niedriger Zinsen, ihre Garantieverpflichtungen tragen zu können.
(Foto: © Eisenhans - stock.adobe.com)

Zum sechsten Mal hat die Rating-Agentur Assekurata die Ertragskraft der deutschen Lebensversicherer im angespannten Zinsumfeld unter die Lupe genommen. Zentrales Ergebnis: Die extremen Zinsbedingungen belasten die Lebensversicherer unterschiedlich stark. Unter gleichbleibenden Zinsbedingungen ist aber davon auszugehen, dass auf Branchenebene ein Großteil der Zinszusatzreserve bereits gestemmt wurde. Die Kölner Analysten werteten in der Studie „ErtragsKraft-Garantie-Check in der Lebensversicherung“ mehrere Kennzahlen zu Ertrag, Sicherheit und Beständen von 71 Lebensversicherern aus.

Keine Zinserholung in Sicht

 

Assekurata geht trotz der leichten Erholung der Zinsmärkte 2021 davon aus, dass eine nennenswerte Zinserholung weiter auf sich warten lassen wird. Grund: Die Europäische Zentralbank hält trotz der kurzfristig angestiegenen Inflation weiterhin an ihrer lockeren Geldpolitik fest. „Historisch niedrige Zinsen treffen Lebensversicherer in mehrfacher Hinsicht, denn sie können immer weniger laufende Erträge aus der Kapitalanlage vereinnahmen und müssen oft noch hohe Altgarantien in ihren Beständen erfüllen“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH, zu den neuen Studienergebnissen.

Großteil der Zinsvorsorge ist geschafft

 

Bereits seit 2011 müssen die Lebensversicherer hierfür eine Zinszusatzreserve (ZZR) bilden, die bis Ende 2020 marktweit bereits auf rund 86 Milliarden Euro angewachsen ist. Trotz der leichten Zinserholung ist der für die ZZR-Berechnung geltende Referenzzins 2021 weiter gefallen, was aus Sicht der Studienautoren in diesem Jahr zu einem neuerlichen Zuführungsbedarf von elf Milliarden Euro führen wird. Um die Anforderungen der ZZR auch für die Zukunft abschätzen zu können, haben die Analysten die ZZR-Entwicklung für verschiedene Szenarien hochgerechnet. Demnach erreicht die ZZR bei einem konstant niedrigen Zinsniveau ihren Höchststand im Jahr 2028 mit 130 Milliarden Euro (siehe Abbildung 1). „Mit dem Ende 2021 aufgebauten ZZR-Bestand von rund 97 Milliarden Euro hätten die Lebensversicherer in diesem Szenario also bereits drei Viertel des Weges geschafft“, so Heermann. Gleichwohl gibt er noch keine Entwarnung: „Je nach Bestandszusammensetzung und Einnahmenstruktur kann bei einzelnen Unternehmen der bisherige Ausfinanzierungsgrad deutlich geringer liegen und ein ZZR-Aufbau noch bis in die 2030er Jahre erforderlich sein.“

ZZR bestimmt Rechnungszins in großem Maße

 

Wie stark die Altgarantien und ZZR-Zuführungen die Ertragslage der Lebensversicherer im Niedrigzinsumfeld belasten, lässt sich durch einen Abgleich der vereinnahmten Kapitalanlageerträge mit den Rechnungszinsanforderungen abschätzen. Durchschnittlich konnte die Branche 2020 hier lediglich noch einen Ertragspuffer in Höhe von 0,37 Prozent der Deckungsrückstellung aufweisen. Die ZZR-Zuführung erweist sich als ein wesentlicher Treiber der Rechnungszinsanforderungen, wodurch letztlich der zu verteilende Rohüberschuss limitiert wird.

Deutliche Streuung der Ertragskraft im Markt

 

Um den Zusammenhang zwischen Ertragskraft und Garantie zu verdeutlichen, hat Assekurata in der Studie ein Ertragskraft-Garantie-Profil (EKG-Profil) ermittelt. Die garantiebedingten Rechnungszinsanforderungen wurden hierbei der vorhandenen Ertragskraft gegenübergestellt, wobei neben der Kapitalanlage auch weitere Ergebnisquellen und die anteiligen Bewertungsreserven berücksichtigt wurden. Die Position der einzelnen Lebensversicherer wurde in einem Koordinatensystem abgetragen (siehe Abbildung 2). Von Vorteil ist dabei eine Position möglichst weit rechts oben, da diese aus Anbietersicht auf einen geringen Rechnungszins und eine insgesamt hohe Ertragskraft hindeutet. Dargestellt wurden die nach Prämieneinnahmen zehn größten Lebensversicherer. „Der Abstand der Punkte im EKG-Profil offenbart große Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen“, erläutert Heermann die Ergebnisse. „Mit Blick auf die vorhandene Ertragskraft ist damit eine deutliche Streuung im Markt erkennbar.“


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