14.09.2022 Branche

Aon-Marktreport sieht veränderte Risikolandschaft

Laut des aktuellen Reports des globalen Beratungsunternehmens lassen sich anspruchsvolle Risiken nur noch unzureichend versichern. Besonders betroffen sei der Markt für Cyberversicherungen. Die Aon-Experten äußern dabei Kritik am uneinheitlichen und wenig kreativen Vorgehen der Branche in Deutschland.

Der Aon-Marktreport geht davon aus, dass die Versicherer im Bereich Risikoprüfung künftig konsequenter vorgehen werden, um in der Kernsparte ihres Geschäfts profitabel zu bleiben. (Foto: © BillionPhotos.com - stock.adobe.com)
Der Aon-Marktreport geht davon aus, dass die Versicherer im Bereich Risikoprüfung künftig konsequenter vorgehen werden, um in der Kernsparte ihres Geschäfts profitabel zu bleiben.
(Foto: © BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

Brexit, Corona-Pandemie, Naturkatastrophen, Ukraine-Konflikt oder Inflation sind schwer kalkulierbare Unsicherheiten für Unternehmen: Nach Auffassung des weltweit tätigen Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Aon nehmen diese schon seit Jahren stetig zu. Der vergangene Woche veröffentlichte „Aon Marktreport 2022“ gibt Einblicke in eine Risikolandschaft, die zunehmend komplexer, dynamischer und vernetzter werde. Fast alle Risiken brächten weitere mit sich. So komme es zu Dominoeffekten wie Lieferkettenunterbrechungen und eine zunehmende Cyber-Kriminalität.

Prämienerhöhungen und Verringerung der Deckungskapazitäten 

 

Eine Kernbotschaft des Reports lautet daher: „Traditionelle Versicherungslösungen werden diesen neuen Risiken nicht mehr gerecht. Um Unternehmenswerte zu erhalten und auszubauen, müssen Risiken und Resilienz deshalb neu priorisiert werden.“ Laut des Berichts reagiert die Versicherungswirtschaft auf die geschilderten Szenarien bisher vor allem mit einem reduzierten Risikoappetit. Eine Tendenz, die bereits in den Vorjahren begonnen habe und sich auch in diesem Jahr weiter fortsetzen werde. Das zeige sich insbesondere in Form von Erhöhungen auf der Prämienseite und Verringerung der Deckungskapazitäten auf Einzelrisiken oder sogar mit Ausschlüssen von Risiken. Festzustellen sei allerdings auch, dass es vonseiten der Versicherungswirtschaft kein wirklich einheitliches Vorgehen gibt, sodass es zunehmend herausfordernder werde, den bisher gewohnten und bewährten Versicherungsschutz sicherzustellen.

Kritik am inhomogenen Vorgehen der Cyberversicherer 

 

Diese Entwicklung zeige sich vor allem im Bereich Cyber. Neben dem Sachversicherungsmarkt verhärtet sich laut Marktreport vor allem diese Produktsparte in einem rasanten Tempo. „Es gibt deutliche Prämienanpassungen und zahlreiche Auflagen“, sagt Kai Büchter, CEO Dach von Aon in Deutschland. Dabei sei das Vorgehen der Versicherer aber keineswegs einheitlich. So bewerteten die Anbieter schon die Anforderungen an die IT-Sicherheit der Unternehmen als Voraussetzung der Versicherbarkeit des Risikos sehr unterschiedlich. „Dieses inhomogene Vorgehen der Versicherer macht es für Unternehmen schwer, sich einen Überblick über Umfang und Inhalt ihres Versicherungsportfolios zu verschaffen. Der Bedarf an aussagekräftigen Informationen und Erkenntnissen zur Gestaltung besserer Risikomanagement-Entscheidungen wächst damit ständig weiter.“ so Büchter weiter.

Naturkatastrophen prägen Sachversicherung immer stärker

 

In der Sachversicherung seien vor allem Brände und klimabedingte Katastrophen bedeutende Schadenszenarien. 2021 erreichte die Schadenkostenquote 177 Prozent und damit den höchsten Wert seit den 2000er Jahren. Die Schäden, die Sturmtief „Bernd“ im Juli 2021 verursachte, haben Spuren im Erst- und Rückversicherungsmarkt hinterlassen, so Aon. Die diesjährige Dürreperiode mit mehreren Waldbränden zeige, dass sich dieser Trend wohl fortsetzen wird. Aber nicht nur die Häufigkeit von Schäden habe stark zugenommen, auch die Kosten für die Schadenregulierung seien sprunghaft angestiegen. Sowohl die Rohstoffknappheit als auch die Inflation machten die Regulierung eines Einzelschadens teuer. 

Intelligente und individuelle Absicherungslösungen gefragt

 

„In Zukunft müssen Risiken verstärkt in ihrer Komplexität wahrgenommen werden“, fasst Hartmuth Kremer-Jensen, Chief Broking Officer Dach und Deputy CEO bei Aon in Deutschland, die Ergebnisse des Reports zusammen. Nur so könne es in einem volatilen Umfeld gelingen, intelligente und individuelle Absicherungslösungen für Unternehmen zu entwickeln. „Denn es gibt nichts Teureres für Kunden, als ohne Kenntnis des wirklichen Bedarfs an einer vorgeblich billigen Lösung festzuhalten“, sagt Kremer-Jensen. Fraglich bleibt nach der Lektüre des Berichts nur, wie diese intelligenten und individuellen Absicherungen konkret aussehen sollen.


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