22.07.2021 Branche

Hochwasser: GDV beziffert Schäden

Die jüngste Schätzung der ver­si­cherten Hoch­was­ser­schä­den in NRW und Rhein­land-Pfalz durch den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beläuft sich auf vier bis fünf Mil­li­ar­den Euro: Tief „Bernd” gehört damit zu den verheerendsten Unwettern der jüngeren Vergangenheit.

Der rheinland-pfälzische Ort Altenahr wurde von den Fluten nahezu komplett zerstört. Im Landkreis Ahrweiler starben mindestens 117 Menschen. Hunderte werden noch vermisst. (Foto: Martin Seifert)
Der rheinland-pfälzische Ort Altenahr wurde von den Fluten nahezu komplett zerstört. Im Landkreis Ahrweiler starben mindestens 117 Menschen. Hunderte werden noch vermisst.
(Foto: Martin Seifert)

Die vom Tiefdruckgebiet „Bernd” ausgelöste Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat nach vorläufigen Schätzungen Milliardenschäden verursacht. „Wir rechnen momentan mit versicherten Schäden in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro”, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Die Schäden dürften sogar noch über denen des August-Hochwassers im Jahr 2002 von 4,65 Milliarden Euro liegen”, so Asmussen. Tief „Bernd” gehöre damit zu den verheerendsten Unwettern der jüngeren Vergangenheit. Die Schäden in Sachsen und Bayern sind in der Schätzung noch nicht enthalten. Die zerstörte Infrastruktur erschwert Kommunikation und Besichtigung der Schäden vor Ort, kommende Woche soll es eine aktualisierte Schadenschätzung geben.

So viele Schäden zuletzt vor 20 Jahren



Insgesamt dürfte dieses Jahr laut Asmussen mit Stürmen, Überschwemmung, Starkregen und Hagel zum schadenträchtigsten Jahr seit 2002 werden. Damals lag der versicherte Unwetterschaden bei 10,9 Milliarden Euro. Bereits im Juni hatten Starkregen und Hagel einen geschätzten versicherten Schaden von 1,7 Milliarden Euro verursacht. Die Versicherer arbeiteten mit Hockdruck an der Schadenbegutachtung und -regulierung in den betroffenen Gebieten: „Wir tun alles, um pragmatisch und effizient zu helfen, damit die Schäden schnell und unkompliziert bearbeitet werden können”, so der GDV-Hauptgeschäftsführer.


Versicherer geben Geld für Hilfsmaßnahmen

 

Einzelne Unternehmen zeigen darüber hinaus besonderes Engagement: So unterstützt der Lebensversicherer Canada Life die Opfer der Katastrophe mit einem Hilfspaket von einer Million Euro. Das Geld geht an mehrere bundesweit tätige Hilfsorganisationen sowie an die Stadt Erftstadt und den Kreis Ahrweiler, die besonders betroffen sind. Konkrete Hilfe leistet auch die Allianz: „Als Unterstützung der unermüdlichen Hochwasserhelfer spendet die Allianz eine Million Euro an die beteiligten Rettungsorganisationen”, sagt Vorstandsmitglied Klaus-Peter Röhler. Das Geld geht an THW, DRK und die Freiwilligen Feuerwehren. Damit sollen technisches Gerät oder Ausrüstung, zum Beispiel wasserdichte Schutzkleidung, aber auch Pumpen und Boote ersetzt werden, die durch den Hochwasser-Einsatz verloren gingen oder beschädigt wurden.

Pflichtversicherung als Teil eines Gesamtkonzepts?

 

Unterdessen geht die Diskussion um eine Elementarschadenpflichtversicherung weiter. GDV-Mann Asmussen äußerte sich dazu zurückhaltend: „Als einzelnes Instrument lehnen wir sie ab.“ Eine Pflichtversicherung könne nicht die Kosten der fehlenden Klimafolgenanpassung schultern. „Sie wäre allenfalls dann sinnvoll, wenn sie in ein neues Gesamtkonzept für Flächen- und Bauplanung sowie den Katastrophenschutz eingebunden wäre.”

Die Allianz zeigte sich dagegen gegenüber der „Wirtschaftswoche” offen für eine Pflichtlösung: „Für eine sinnvolle Absicherung bedarf es gemeinsamer Anstrengungen des Staates, der Wirtschaft, aber auch des Einzelnen. Die Lösungsvorschläge müssen Elemente enthalten wie ein umfangreicher Hochwasserschutz, Warn- und Rettungssysteme, Versicherungslösungen für die Breite der Bevölkerung und deren Bezahlbarkeit, sowie die Möglichkeit, gegebenenfalls durch Selbstbehalte eine individuelle Prävention sicherzustellen.”

Lücken im Schutz checken

 

Bundesweit sind fast alle Wohngebäude gegen Sturm und Hagel abgesichert. Allerdings besitzen nur 46 Prozent der Hausbesitzer den Schutz vor weiteren Naturgefahren wie Starkregen und Hochwasser. „Es ist zwar erfreulich, dass inzwischen fast die Hälfte der Gebäudebesitzer Schutz vor weiteren Naturgefahren hat. Aber für die anderen gilt, dass sie ihren Versicherungsschutz überprüfen und anpassen sollten”, sagte Asmussen. Der GDV bietet dafür den „Naturgefahren-Check“ an. Immobilienbesitzer und Mieter erfahren auf der Onlineplattform, welche Schäden Unwetter in der Vergangenheit an ihrem Wohnort verursacht haben und können so ihr individuelles Risiko besser einschätzen.


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