12.02.2021 Branche

Insolvenzabsicherung: R+V bleibt, Swiss Re steigt aus

Die Bundesregierung möchte Verbraucher vor der Insolvenz von Reiseveranstaltern schützen. Dafür sollen diese in einen Sicherungsfonds einzahlen. Inwieweit die Versicherer mitspielen, ist allerdings fraglich. Während die R+V ankündigte, weiterhin Absicherungslösungen anzubieten, steigt die Swiss Re aus dem Geschäft aus.

Bereits vor der Corona-Pandemie waren Reiseveranstalter und Fluggesellschaften, und dementsprechend die Kunden, von Pleiten und Insolvenzverfahren geplagt. (Foto: © Fabio - stock.adobe.com)
Bereits vor der Corona-Pandemie waren Reiseveranstalter und Fluggesellschaften, und dementsprechend die Kunden, von Pleiten und Insolvenzverfahren geplagt.
(Foto: © Fabio - stock.adobe.com)

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch (10.2.) ein neues Gesetz verabschiedet, das die Absicherung von Urlaubern bei der Insolvenz von Reiseveranstaltern neu regelt. Wer eine Pauschalreise bucht, soll künftig über einen millionenschweren Fonds besser gegen eine Pleite des Reiseveranstalters abgesichert sein, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet. Die Veranstalter selbst sollen in diesen Sicherungsfonds einzahlen. Damit soll die bisherige Absicherung durch Versicherungen oder Bank-Bürgschaften grundsätzlich abgelöst werden. Ausnahmen soll es für kleinere Unternehmen mit einem Jahresumsatz von maximal drei Millionen Euro geben.

Neuer Fonds nimmt Reiseveranstalter in die Pflicht

 

Das Gesetz soll am 1. Juli 2021 in Kraft treten, sofern der Bundestag zustimmt. Bis Ende 2026 soll der geplante Fonds mit rund 750 Millionen Euro gefüllt werden. Das Geld kommt von den teilnehmenden Reiseveranstaltern, die ein Prozent ihres Umsatzes einzahlen müssen. Zusätzlich bringen sie in den Reisesicherungsfonds sieben Prozent ihres Umsatzes in Form von Bürgschaften oder Versicherungen als Sicherheit ein. Der Fonds soll Vorauszahlungen der Kunden, den Rücktransport gestrandeter Urlauber und deren Unterbringung bis zum Rücktransport garantieren.

Swiss Re zieht sich aus dem Geschäft zurück

 

Hintergrund ist die Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook im September 2019. Die Versicherung des Touristikunternehmens hatte damals nur einen Bruchteil der Kosten ersetzt, weil die Haftung insgesamt auf 110 Millionen Euro im Jahr begrenzt war. Der Staat musste einspringen und zahlte bis Mitte November fast 40 Millionen Euro an Thomas-Cook-Kunden aus, deren Reisen geplatzt waren. In der Folge waren mehrere Versicherer aus der Insolvenzsicherung ausgestiegen. Übrig blieben zuletzt nur die HanseMerkur, R+V, Swiss Re und Zurich Versicherung. Nun ist auch die Swiss Re ausgestiegen, offenbar als direkte Folge auf den Kabinettsbeschluss. Auf VP-Nachfrage sagte eine Sprecherin: „In der Tat wird die Swiss Re Corporate Solutions kein neues Travel-Bonding-Geschäft mehr zeichnen. Wir haben die Produktsparte im Rahmen unseres Portfoliomanagements einer Prüfung unterzogen und festgestellt, dass das Geschäft nicht mehr unserer strategischen Ausrichtung entspricht.“

R+V hält an Insolvenzabsicherung fest

 

Die R+V-Versicherung teilte dagegen mit, Pauschalreisen weiter absichern zu wollen. „Die Corona-Pandemie hat die Reisebranche hart getroffen. Damit sie wieder auf die Füße kommt, braucht sie dringend starke Partner. Wir werden auch in Zukunft kleine und große Veranstalter absichern“, sagt Achim Scheib, Prokurist bei der R+V Versicherung AG. Der Systemwechsel sei eine tragbare Lösung, deshalb werde die R+V Lösungen für beide Varianten des neuen Absicherungsmodells anbieten. „Bei dem Fonds wissen wir auf den Cent genau, für welche Summe wir bürgen. Aber auch in Zukunft gilt: Das Risiko muss kalkulierbar bleiben. Deshalb prüfen wir jeden Einzelfall, für uns zählt immer die individuelle Bonität“, so Scheib.


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