08.04.2021 Branche

Lebensversicherung: geplante Zinssenkung erhitzt die Gemüter

Das Finanzministerium will den sogenannten Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung absenken. Der Bund der Versicherten wittert eine Rentenkürzung für künftige Riestersparer, der Versicherungsmakler Aon prognostiziert ein Ende der Beitragsgarantie.

Kapitalmarkt. Statt einen Garantiezins zu versprechen, setzen viele Unternehmen auf Produkte mit höheren Renditechancen. (Foto: Markus Spiske/Unsplash)
Kapitalmarkt. Statt einen Garantiezins zu versprechen, setzen viele Unternehmen auf Produkte mit höheren Renditechancen.
(Foto: Markus Spiske/Unsplash)

Die Bundesregierung will den Garantiezins für Lebensversicherungsprodukte weiter senken. Ab Januar 2022 dürfen Versicherer dann nur noch Neuverträge mit höchstens 0,25 Prozent Verzinsung auf den Markt bringen. Die Senkung wirke sich jedoch auch auf schon bestehende Rentenversicherungsverträge aus, bei denen die Auszahlung noch nicht begonnen hat, kritisiert der Bund der Versicherten (BdV): „Die Konsequenzen der neuen Regelung sind fatal. Sie bedeuten niedrigere Renten, höhere Provisionen und höhere Kosten”, so BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Bei vielen Riester-, Rürup- und betrieblichen Rentenversicherungsverträgen werden die zukünftigen Renten auf Grundlage des neuen Rechnungszinses festgelegt. „Wir rechnen mit Rentenkürzungen im zweistelligen Prozentbereich“, so Kleinlein. Nur eine längst überfällige Aufhebung des Verrentungszwangs und ein Provisionsdeckel könnten diese Schieflage noch abwenden.

Die weitere Senkung des Höchstrechnungszinses zwinge die Lebensversicherer, die von ihnen angebotenen Verträge in einer Vielzahl von Zweigen der Lebensversicherungssparte zu verteuern, so der BdV. Damit verschlechtere sich das Prämien-Leistungsverhältnis, da die versicherten Leistungen (Garantieleistungen) reduziert werden. „Für die gleiche garantierte Rente müssen jüngere Menschen zukünftig etwa 30 Prozent mehr zahlen”, kalkuliert Kleinlein.

Riester mit Reform, Zukunft ohne Garantie

 

In diesem Zusammenhang hatte der Vorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), Dr. Guido Bader, in einem Gastbeitrag für den Versicherungsprofi dringend eine Reform der Riesterrente angemahnt. Andernfalls müssten sich „die meisten Unternehmen aus aktuariellen Gründen aus der Riesterrente zurückziehen.” 

Unterdessen rechnet der international tätige Versicherungsmakler Aon mit einem branchenweiten Abschied von klassischen Garantieprodukten auch in der betrieblichen Altersversorgung. „Wir erwarten, dass es künftig so gut wie keine Tarifangebote mehr geben wird, in denen eine hundertprozentige Beitragsgarantie enthalten ist”, sagt Aon-Geschäftsführungsmitglied Thorsten Teichmann. Die Politik müsse mehr Flexibilität und niedrigere Garantien erlauben. 


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