24.08.2021 Branche

Nach dem Sturm: Versicherer drücken beim Regulieren aufs Tempo

Vorauszahlungen, Kfz-Sammelstellen, Regulierungsapp –  Versicherer lassen betroffene Flutopfer nicht im Regen stehen und ermöglichen schnelle Entschädigungen.

Beschädigte Autos auf dem Sammelbesichtigungsplatz der HUK-Coburg in Hagen. (Foto: HUK-Coburg)
Beschädigte Autos auf dem Sammelbesichtigungsplatz der HUK-Coburg in Hagen.
(Foto: HUK-Coburg)

Der Sturm ist längst abgeflaut, doch was bleibt, ist die Not. Nachdem das Tief „Bernd” in den betroffenen Regionen so zerstörerisch gewütet hat, stehen Tausende Betroffene vor den Trümmern ihrer Existenz. All diese Menschen sind jetzt auf schnelle unbürokratische Hilfe angewiesen. Erfreulich: Die Versicherungen geben sich dabei offenbar keine Blöße. Laut des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wurden bereits 700 Millionen Euro als Vorableistung gezahlt. Jetzt setzen die Unternehmen auf eine zügige Schadensermittlung vor Ort, damit die Betroffenen so schnell wie möglich entschädigt werden können. Die Gothaer etwa hat innerhalb kürzester Zeit 3444 der bislang rund 7200 gemeldeten Schäden besichtigt. Das Unternehmen geht gegenwärtig von einem Gesamtvolumen zwischen 400 und 450 Millionen Euro aus. „Mehr als 28 Prozent der Schäden konnten bereits vollständig bewertet und reguliert werden”, erklärt Oliver Schoeller, Vorstandsvorsitzender des Gothaer Konzerns.

HUK-Coburg mit Sammelstellen für beschädigte PKW

 

Schnell und pragmatisch handelt auch die HUK-Coburg: Um die insgesamt 7500 Kfz-Kaskoschäden schnell zu regulieren, hat Deutschlands größter Autoversicherer Anfang August neun Sammelbesichtigungsplätze für eine wohnortsnahe Begutachtung eingerichtet, darunter in Neuanahr-Ahrweiler, Euskirchen und Bad Müstereiffel. Besonderer Service: Ein vom Versicherer beauftragter Dienstleister transportiert fahruntüchtige Fahrzeuge zu den entsprechenden Sammelstellen. Auf Kundenwunsch veranlasst der Kfz-Versicherer nach der Begutachtung die Auszahlung des Wiederbeschaffungswertes und den Aufkauf des Autos durch die Firma Copart, die sich auch um Abmeldung, Entsorgung bzw. Restwertvermarktung der Fahrzeuge kümmert. „Mehr als 90 Prozent der Kunden nutzen diesen Service”, vermeldet das Unternehmen. Laut HUK-Coburg sind 95 Prozent der bisher erledigten Kfz-Schäden Totalschäden. 

LVM: Mobile Schadenabwicklung per Handy

 

Die LVM setzt dagegen auf digitale Lösungen: Betroffene Kunden können die „mobile Schadenabwicklung”, eine Smartphone-Anwendung nutzen, um Bilder von ihren beschädigten Fahrzeugen an ihren Versicherer übermitteln. „Anhand dieser Aufnahmen lässt sich oft schon einschätzen, ob beispielsweise ein Totalschaden vorliegt, ein Sachverständiger tätig werden muss oder sofort reguliert werden kann”, sagt Matthias Baumeister, Schadenexperte der LVM-Autoversicherung. Insgesamt kalkuliert das Unternehmen im Segment Autoversicherung mit etwa 2500 Schäden bei einem Gesamtaufwand von rund 18 Millionen Euro.


Weitere Artikel

Listing

02.05.2024 Branche

GDV: Schäden durch Betrug kosten Versicherer wohl sechs Milliarden Euro

Mit den gestiegenen Regulierungskosten wachsen auch die Verluste durch Betrügereien. Das haben Berechnungen der Versicherer ergeben. Die Zeche zahlen am Ende die ehrlichen Kunden.

> weiterlesen
Listing

23.04.2024 Branche

GDV: Solvency II hui, Zahlungsverzugsverordnung pfui

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist zufrieden mit den aufsichtlichen Anforderungen, die im Rahmen von Solvency II an den Versicherungssektor gestellt werden – das gilt ausdrücklich auch für das Thema Nachhaltigkeit. Scharfe Kritik übt der GDV hingegen an der geplanten Zahlungsverzugsverordnung.

> weiterlesen
Listing

16.04.2024 Branche

BaFin-Bericht: Finanz- und Versicherungsbranche hat mehr Ärger mit ihren Kunden

Die Finanzaufsicht BaFin verzeichnet gut 60 Prozent mehr Beschwerden aus den Reihen der Kundinnen und Kunden von Banken, Versicherungen und Wertpapierdienstleistern. Wie die BaFin für mehr Bekanntheit sorgt und worüber der Unmut besonders groß ist, erläutert Christian Bock, Leiter der BaFin-Verbraucherschutzabteilung.

> weiterlesen