30.12.2021 Branche

Natur­ge­fah­ren­bi­lanz: Versicherer zahlen 2021 so viel wie noch nie

12,5 Milliarden Euro betrugen laut GDV-Statistik die versicherten Schäden im zu Ende gegangenen Jahr. Ein trauriger Rekord in Deutschland. Da ein Großteil der Schäden der Juli-Flut gar nicht versichert war, geht die Diskussion um das Bauen in gefährdeten Lagen und eine Reform der Absicherung von Elementarschäden weiter.

Zerstörte Fachwerkhäuser, unterbrochene Straßen und Bahnverbindungen: Das Ahrtal in der Eifel war besonders schwer von der Flutkatastrophe betroffen. (Foto: © Dwi - stock.adobe.com)
Zerstörte Fachwerkhäuser, unterbrochene Straßen und Bahnverbindungen: Das Ahrtal in der Eifel war besonders schwer von der Flutkatastrophe betroffen.
(Foto: © Dwi - stock.adobe.com)

Noch nie haben Naturgefahren in Deutschland so hohe Schäden verursacht wie im gerade zu Ende gegangenen Jahr. Das vermeldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Mit versicherten Schäden an Häusern, Hausrat, Betrieben und Kraftfahrzeugen von rund 12,5 Milliarden Euro ist 2021 das teuerste Naturgefahrenjahr seit Beginn der Statistik Anfang der 1970er-Jahre“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. 

Schadenjahr 2021 toppt den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2002

 

Von der Gesamtschadensumme entfielen rund neun Milliarden Euro auf Schäden an Wohngebäuden, Hausrat und Betrieben durch Überschwemmung und Starkregen sowie zwei Milliarden Euro auf Sturm- und Hagelschäden. Die restlichen 1,5 Milliarden Euro seien auf Naturgefahrenschäden an Kraftfahrzeugen zurückzuführen, so der Verband.

Insgesamt liegen die Schäden damit noch über denen im Jahr 2002 mit dem August-Hochwasser und verheerenden Stürmen (11,3 Milliarden Euro) und 1990 mit der Orkanserie „Daria“, „Vivian“ und „Wiebke“ (11,5 Milliarden Euro). Zum besseren Vergleich sind die Werte laut GDV jeweils hochgerechnet auf aktuelle Versicherungsdichte und Preise. Der langjährige Mittelwert pro Jahr beträgt demnach 3,8 Milliarden Euro.

Flutkatastrophe im Sommer sprengt alle Dimensionen

 

Mit 8,2 Milliarden Euro verursachte die Flutkatastrophe im Sommer die höchsten Versicherungsschäden. Davon entfallen etwa 7,7 Milliarden Euro auf Wohngebäude, Hausrat und Betriebe und rund 450 Millionen Euro auf Schäden an Kraftfahrzeugen. Die Unwetterfront „Bernd“ hatte durch Starkregen vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, aber auch in Bayern und Sachsen, schwere Schäden angerichtet. „An unsere Kunden haben wir bereits innerhalb kurzer Zeit über drei Milliarden Euro ausgezahlt“, sagt Asmussen. Der Verband verschweigt hier, dass es im vergangenen halben Jahr auch viel Kritik in Richtung der Versicherungswirtschaft wegen abgelehnter Ansprüche bzw. zu langsamer Regulierung gab.

Bereits im Juni hatte eine Unwetterserie versicherte Schäden in Höhe von 1,7 Milliarden Euro verursacht. „Im Juni waren vor allem Kraftfahrzeuge durch schwere Hagelschäden mit einem Schadenaufwand von rund 700 Millionen Euro betroffen“, sagt Asmussen. Für die Kraftfahrtversicherer gab es damit 2021 ebenfalls überdurchschnittlich viele Schäden. Insgesamt ist es für die die Branche der viertgrößte Hagelschaden seit Beginn der Statistik. Allerdings waren im Zusammenhang mit der geringeren Mobilität infolge der Coronapandemie weniger Unfallschäden zu verzeichnen.

GDV lehnt Pflichtversicherung ab und fordert staatliches Umsteuern

 

Eine Pflichtversicherung für Elementarschäden, die seit der Juli-Flut vielfach gefordert wird, lehnt der GDV weiterhin ab. Stattdessen verweist der Verband erneuet auf eigene Vorschläge für ein Gesamtkonzept zur Klimafolgenanpassung seitens der Versicherer. Damit einher gehe ein neues System für den Elementarversicherungs­schutz. „Im Kern sehen die GDV-Vorschläge vor, dass es künftig nur noch Wohngebäudeversicherungen geben soll, die auch sogenannte Elementargefahren wie Hochwasser und Starkregen abdecken“, so Asmussen. Zugleich fordert die Versicherungswirtschaft ein nachhaltiges Umsteuern der öffentlichen Hand, etwa durch strikte Bauverbote in hochwassergefährdeten Gebieten und eine verpflichtende Klima-Gefährdungsbeurteilung bei Baugenehmigungen.


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