14.04.2021 Branche

PKV: Nach Rückzahlung droht Bumerang-Effekt

Die Versicherungsmathematiker der Deutschen Aktuarvereinigung warnen vor den mittel- bis langfristigen Folgen von Beitragsrückforderungen. Fazit: Versicherte und Versichertenkollektive zahlen langfristig drauf.

Geht die Rechnung auf? Wer Geld wegen einer zurückgenommenen PKV-Beitragsanpassung kassiert, hat sich womöglich zu früh gefreut. Später drohen die Beiträge umso stärker zu steigen. (Foto: Bruno Glätsch/Pixabay)
Geht die Rechnung auf? Wer Geld wegen einer zurückgenommenen PKV-Beitragsanpassung kassiert, hat sich womöglich zu früh gefreut. Später drohen die Beiträge umso stärker zu steigen.
(Foto: Bruno Glätsch/Pixabay)

Keine Frage: Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung sind ärgerlich. In vielen Fällen haben die Kunden gute Chancen, die Erhöhungsbeträge wegen formaler Fehler des Versicherers zurückzufordern – etwa mangels Begründung im Mitteilungsschreiben. Erst kürzlich hat der BGH zwei solcher Fälle zugunsten von Versicherten entschieden (Az.: IV ZR 294/19 und IV ZR 314/19).

Heute gespart, morgen draufgezahlt

 

Doch lohnt es sich wirklich, auf dieser Basis eine Rückzahlung durchzusetzen? Immerhin sind die erhöhten Beiträge eine Folge gestiegener Kosten des Versicherers. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) jedenfalls warnt vor den Folgen zurückgenommener Beitragsanpassungen in der PKV. Ohne Beitragsanpassungen würden Kunden zwar über einen gewissen Zeitraum weniger Prämien zahlen. Gleichzeitig stiegen aber die Ausgaben, etwa  infolge der medizinischen Inflation. In der Folge werde die vermeintliche Ersparnis später zum Bumerang. „Die doppelte Lücke muss dann durch überproportional hohe Beitragssteigerungen mit der nächsten rechtswirksamen Prämienanpassung geschlossen werden“, so Wiltrud Pekarek, Vorsitzende des Ausschusses Krankenversicherung der DAV. Musterrechnungen der DAV zeigen, dass Kunden auf lange Sicht insgesamt sogar höhere Beiträge zu zahlen hätten. Hinzu kämen außerdem noch Steuernachforderungen und Rückforderungen von bereits gezahlten Beitragsrückerstattungen.

Auch Versicherungskollektiv leidet

 

Langfristig belasten solche versicherungsmathematisch nicht begründbaren Beitragsrückabwicklungen die Überschüsse der Krankenversicherungsunternehmen und damit das gesamte Versichertenkollektiv. Denn die Versicherer müssen ihre Gewinne aus der Überschussbeteiligung fast komplett an ihre Kunden weiterreichen. „Aus der Überschussbeteiligung werden beispielsweise Beitragserhöhungen insbesondere bei älteren Versicherten teilweise begrenzt. Dieser gesellschaftsrelevante Aspekt kommt leider in den öffentlichen und primär juristisch geprägten Diskussionen viel zu kurz“, bemängelt Expertin Pekarek.


Weitere Artikel

Listing

23.07.2021 Branche

Studie: Versicherer investieren verstärkt in Immobilien

Die Immobilienquote der deutschen Versicherer hat ein historisches Hoch erreicht. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens EY.

> weiterlesen
Listing

19.07.2021 Branche

Kommt jetzt die Versicherungs­pflicht gegen Elementar­schäden?

Lange war es ein Tabu-Thema. Angesichts der verheerenden finanziellen Folgen der aktuellen Unwetterkatastrophe werden Forderungen nach einer obligatorischen Elementar­schaden­versicherung nun aber wieder laut. Doch auch wegen der hohen Kosten für Verbraucher findet die Idee nicht nur Zustimmung.

> weiterlesen
Listing

16.07.2021 Branche

Tief „Bernd“ und die elementaren Lücken

Die aktuelle Unwetterserie verursacht in den betroffenen Regionen menschliches Leid und Schäden in Rekordhöhe. Nach Ansicht von Experten werden sich solche Ereignisse künftig häufen. Gleichzeitig mangelt es vielerorts an ausreichendem Versicherungsschutz.

> weiterlesen