21.04.2021 Branche

Schutzschirm für Lieferketten endet: Wie geht es weiter?

Das Ende war absehbar: Der gemeinsame Schutzschirm von Bund und Warenkreditversicherern endet zum 30. Juni. Die Unternehmen streben eine Rückkehr zur Normalität an. Es soll aber ein enger Austausch aufrechterhalten werden, um notfalls schnell eingreifen zu können.

Der globale Warenverkehr wurde durch die Corona-Krise weniger stark beeinträchtigt als befürchtet. (Foto: CMA CGM)
Der globale Warenverkehr wurde durch die Corona-Krise weniger stark beeinträchtigt als befürchtet.
(Foto: CMA CGM)

Im April 2020 beschloss der Bund gemeinsam mit Kreditversicherern ein Rettungspaket, das Zahlungsausfälle bis 30 Milliarden Euro absicherte, um so die Lieferketten in Deutschland während der Corona-Pandemie aufrechtzuerhalten. Dieser Schutzschirm läuft wie geplant am 30. Juni aus. Als Teil des Deals hatten die Versicherer im ersten Halbjahr 2021 knapp 60 Prozent ihrer Prämieneinnahmen an den Bund abgeführt, 2020 waren es sogar 65 Prozent. Ausfälle gab es jedoch nur wenige, auch dank weiterer staatlicher Unterstützungsmaßnahmen. In den vergangenen Monaten mehrten sich die Stimmen aus der Versicherungswirtschaft, die Maßnahme nicht noch einmal zu verlängern.

Schutzschirm bei aktueller Marktlage nicht mehr erforderlich

 

Dass das richtig ist, darüber scheint nun unter allen Beteiligten Konsens zu herrschen. So schreibt das Bundesfinanzministerium (BMF): „Die Vertragspartner sind sich einig, dass der Schutzschirm ein wichtiger und sehr erfolgreicher Stützpfeiler war, um Ruhe und Stabilität in den Markt zu bringen. Eine erneute Verlängerung ist angesichts der aktuellen Markt- und Datenlage nicht notwendig, zumal das Auslaufen des Schutzschirms durch die Fortführung anderer liquiditätssichernder Maßnahmen des Bundes flankiert bzw. abgefedert wird.“ Diese Position wird auch vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft geteilt, der das Statement unkommentiert auf seiner Website veröffentlicht hat.

Die gesamtwirtschaftlichen Aussichten deuten laut BMF derzeit auf eine Erholung hin. Zudem liefen viele der staatlichen Stützungsmaßnahmen bis zum Ende des Jahres weiter. Diese würden dazu beitragen, den Erholungspfad der deutschen Wirtschaft zu flankieren. „Für die Bundesregierung und die privaten Warenkreditversicherer ist es vor diesem Hintergrund der richtige Zeitpunkt, den Versicherungsschutz wieder auf rein marktwirtschaftlicher Basis zur Verfügung zu stellen und die staatlichen Markteingriffe sukzessive zurückzufahren“, heißt es vonseiten des BMF.

Weiterhin enge Abstimmung zwischen Bund und Kreditversicherern

 

Angekündigt wurde zudem, dass Bundesregierung und Warenkreditversicherer auch über den 30. Juni 2021 hinaus in einem sehr engen Austausch bleiben wollen, um im Fall einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation und einer damit verbundenen Gefährdung der Lieferketten im Rahmen der EU-rechtlichen Möglichkeiten rasch handeln zu können. Hierzu werde es eine enge Abstimmung und Beobachtung der Marktentwicklung geben. Laut BMF sind sich die Kreditversicherer ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung bewusst und werden auch ohne Schutzschirm auf Basis einer fundierten Risikoanalyse Versicherungsschutz zur Verfügung stellen.

Wenig Insolvenzen – Rückkehr zur Normalität

 

Einige der am Schutzschirm beteiligten Unternehmen wie Euler Hermes, Atradius und Zurich meldeten sich parallel zu Wort. Sie lobten trotz des hohen Aufwands einhellig den Erfolg des Schutzschirmes, betonten aber auch, nun zur Normalität zurückkehren zu wollen. So verwies Euler Hermes, Weltmarktführer im Kreditversicherungsgeschäft, darauf, dass die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2020 um 15,5 Prozent gesunken sei –  auf den tiefsten Stand seit 1993 . „Die gesamtwirtschaftlichen Aussichten sind relativ gut und die Insolvenzen bleiben trotz eines leichten Anstiegs um voraussichtlich sechs Prozent auch 2021 auf niedrigem Niveau. Das zeigt, dass es vielen Unternehmen sehr gut gelungen ist, sich auf diese Krise einzustellen“, sagte Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ab 1. Juli kehre man zu normalen Marktmechanismen zurück. „Wir sind schon jetzt im engen Austausch mit unseren Kunden und Partnern und bieten ihnen bereits Lösungen an für die Zeit nach dem Schutzschirm. So schaffen wir Planungssicherheit und die Grundlage für einen möglichst fließenden Übergang“, so van het Hof.


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