12.03.2021 Branche

Studie über Versicherungsbriefe offenbart überraschende Erkenntisse

Bei einer drohenden Beitragserhöhung in der Kfz-Versicherung steigt auch die Wechselbereitschaft der Kunden. Mit einem wissenschaftlich optimierten Anschreiben lässt sich die Loyalität jedoch deutlich erhöhen. Das zeigt eine aktuelle Studie von Sirius Campus.

Wer seine Kfz-Versicherung in Anspruch nimmt, muss am Ende des Jahres mit spürbaren Beitragserhöhungen rechnen. Ob der Kunde dann seinen Vertrag kündigt, hängt auch von der Sprachwahl im Versicherungsschreiben ab. (Foto: © Andrey Popov - stock.adobe.com)
Wer seine Kfz-Versicherung in Anspruch nimmt, muss am Ende des Jahres mit spürbaren Beitragserhöhungen rechnen. Ob der Kunde dann seinen Vertrag kündigt, hängt auch von der Sprachwahl im Versicherungsschreiben ab.
(Foto: © Andrey Popov - stock.adobe.com)

Im Bereich Kfz-Versicherungen ist Kundentreue bekanntermaßen eher gering ausgeprägt. Tatsächlich steigt bei Autobesitzern bereits nach Zusendung bzw. der Erhalt des Jahresbeitragsbriefes die Neigung zur Kündigung. Wird darin eine Prämienerhöhung angekündigt, ist es mit der Loyalität besonders schnell dahin. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Nutzung des Jahresbeitragsbriefes im Kfz-Jahresendgeschäft 2020“ der Kölner Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Sirius Campus. Die Erhebung zeigt aber auch, wie Versicherer die Wechselbereitschaft drücken können.

Trügerische Zufriedenheit

 

Laut Kundenbefragung nehmen 82 Prozent der angeschriebenen Kfz-Versicherten ihren Jahresbeitragsbrief wahr, aber nur 40 Prozent lesen ihn auch wirklich gründlich durch. Vermeintlich wichtiger für die Versicherer: 44 Prozent der Kfz-Versicherungsnehmer bezeichnen ihren Brief als gut oder gar ausgezeichnet. Dennoch löst die Zustellung der neuen Jahrespolice bei einem Drittel von ihnen Wechselgedanken aus. Interessant: Erhalten Kunden ihren Brief bereits bis zum Ende der zweiten Novemberwoche, neigen sie etwas häufiger zur Kündigung als bei einem späteren Briefempfang. Wird im Schreiben eine Beitragserhöhung angekündigt, ist der Wechselwille besonders hoch – vor allem, wenn der Autofahrer wegen eines selbst verschuldeten Schadens in der SF-Klasse hochgestuft wurde.

65 Prozent weniger Wechsler

 

Dabei ließe sich die Absicht zum Wechseln deutlich reduzieren. Das ergab ein experimentelles Setting zur Gestaltung von Jahresbeitragsbriefen, bei dem die Marktforscher von Sirius Campus Erkenntnisse der sogenannten „Behavioral Economics“ angewendet haben. Das Prinzip: Statt die Kunden vor vollendete Vertragstatsachen zu stellen, bot man ihnen im Rahmen einer individuellen Ansprache konkrete Tarifalternativen an. Die Ergebnisse sind verblüffend. Laut Sirius Campus konnte so die Wechselneigung um 65 Prozent reduziert werden. „Das Angebot von unterschiedlichen Alternativen der Beitragsanpassung und die passenden Formulierungen reduzieren den Widerstand gegen die Preiserhöhung", erklärt Sirius Campus-Geschäftsführer Dr. Oliver Gaedeke das Phänomen. „Zum anderen wird Skepsis durch Transparenz und Wahlfreiheit genommen.“   


Weitere Artikel

Listing

24.11.2022 Branche

Gleichbehandlung im Kundenservice: Was Versicherer besser machen können

Johannes Bunk und Adrian Waltenberger vom Fralytics Brancheninstitut kritisieren, dass es bei vielen Kfz-Versicherern an der Gleichbehandlung der Kundenanfragen mangelt. In ihrem Gastbeitrag benennen sie die Probleme und erklären, wie man Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert.

> weiterlesen
Listing

24.11.2022 Branche

Studie: Check24 hat praktisch Monopolstellung

Der Online-Makler Check24 ist laut einer Kunden-Untersuchung von Sirius Campus das mit Abstand am meisten genutzte Vergleichsportal für Versicherungen in Sachen Informationssuche. Der tatsächliche Abschlusserfolg bleibt aber bei direkten Kontakten, auch zu Vermittlern, höher.

> weiterlesen
Listing

21.11.2022 Branche

GDV: Grüne Anlagen werden attraktiver

Die vormals großen Renditeunterschiede zwischen grünen und konventionellen Anleihen im europäischen Markt gehen laut einer GDV-Metastudie mit fortschrei­tender Marktreife zurück. Bei Dark Green Bonds, bei denen Investoren sehr hohe Maßstäbe an die Nachhaltigkeit anlegen, gibt es jedoch weiterhin Renditenachteile.

> weiterlesen