23.07.2021 Branche

Studie: Versicherer investieren verstärkt in Immobilien

Die Immobilienquote der deutschen Versicherer hat ein historisches Hoch erreicht. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens EY.

Priorität. Wohnimmobilien sind besonders in den Fokus der institutionellen Anleger gerückt. (Foto: © Robert Herhold - stock.adobe.com)
Priorität. Wohnimmobilien sind besonders in den Fokus der institutionellen Anleger gerückt.
(Foto: © Robert Herhold - stock.adobe.com)

Versicherungen in Deutschland bauen weiter auf Immobilieninvestments. Die Immobilienquote ihrer Portfolios liegt mit 11,5 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das ist ein Ergebnis des diesjährigen „Trendbarometers Immobilienanlagen der Assekuranz” von EY Real Estate. 63 Prozent der insgesamt 30 befragten Versicherungsunternehmen wollen ihre Immobilienquote weiter steigern, die übrigen 37 Prozent möchten sie konstant halten. Der Trendumkehr einer seit einer Dekade kontinuierlich steigenden Immobilienquote setzt sich damit fort. Trotz Pandemie hat die große Mehrheit der Versicherer (82 Prozent) ihre Anlagestrategie umgesetzt. Mehr als die Hälfte der Versicherungen möchte Immobilienanlagen innerhalb des Gesamtportfolios am stärksten ausbauen. Allerdings streben 77 Prozent der Befragten nun eine breitere Diversifizierung an. 

Attraktive laufende Einnahmen, hohe Preise



„Immobilienanlagen mit stabilem Cashflow sind für die Assekuranz im Niedrigzinsumfeld unabdingbar, um Garantiezinsversprechen weiterhin einhalten zu können“, sagt Dietmar Fischer, Partner bei EY Real Estate und Autor der jährlich durchgeführten Studie. Alle Umfrageteilnehmer gehen denn auch davon aus, dass die Immobilienwirtschaft stabil bleiben wird. Allerdings gaben 86 Prozent an, dass ihnen das hohe Preisniveau zu schaffen macht. 95 Prozent intensivieren ihre Suche nach Rendite. Derzeit wird der Immobilienbestand der Versicherungen zu 60 Prozent direkt, zu 40 Prozent indirekt gehalten. Für den indirekten Teil erwarten die Befragten eine durchschnittliche Rendite von 5,6 Prozent. Wie in den Vorjahren liegt der Wert für direkt gehaltene Bestände mit 4,7 Prozent darunter – allerdings ist hier die Renditeerwartung gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozentpunkte angestiegen.

Geschlossene Immobilienfonds sind die beliebteste Anlageform der Befragungsteilnehmer (82 Prozent). Auch Investitionen in den Direktbestand werden weiterhin als attraktive Anlageform wahrgenommen (67 Prozent), gefolgt von Projektentwicklungen (63 Prozent) sowie offenen Immobilienfonds (55 Prozent).

Verschiebung bei bevorzugten Assets



Bereits im vergangenen Jahr hatten sich Änderungen bei den von der Assekuranz präferierten Nutzungsarten ergeben. So war das einstige Hauptinvestitionsziel, das Büroimmobiliensegment, von Logistik- und Wohnimmobilien überholt worden. Einzelhandels- und Hotelimmobilien hatten bereits massiv an Beliebtheit verloren. Diese Verschiebungen setzen sich fort. Am stärksten in den Investitionsfokus der Versicherungen ist nun das Wohnimmobiliensegment gerückt (96 Prozent). Es löst damit in der Beliebtheit die Assetklasse Logistikimmobilien ab (84 Prozent). Büroimmobilien verlieren weiter (62 Prozent) und fallen sogar hinter Infrastrukturinvestments (79 Prozent) zurück. Während auch Gesundheitsimmobilien (46 Prozent) leidlich beliebt sind, verlieren Hotelimmobilien weiter stark (14 Prozent). Auch Einzelhandelsimmobilien sind weiter abgeschlagen, konnten sich aber etwas stabilisieren (37 Prozent).


Veränderungsfaktor Pandemie



„Mit der ‚Pandemieresistenz‘ ist schlagartig ein neuer Anlageindikator bestimmend geworden, der für risikoaverse und auf stabilen Cashflow abzielende Akteure wie Versicherungen umso relevanter ist“, sagt Fischer. „Die Assekuranz steht vor dem Dilemma, dass es sich bei den pandemieresistentesten Nutzungsarten überwiegend um kleinere Marktsegmente handelt, die aufgrund von Produktknappheit nur vergleichsweise schwer investierbar und illiquide sind.“

Deutschland bleibt unisono der beliebteste Standort für Immobilienanlagen der hiesigen Assekuranz. Weltweit betrachtet liegt Europa in der Gunst der Investoren weit vorn (55 Prozent), allerdings steigt das Interesse an Investments in Nordamerika (29 Prozent) sowie Asien und Ozeanien (19 Prozent) deutlich. Innerhalb Europas bleibt Westeuropa der beliebteste Investitionsstandort (72 Prozent), während insbesondere Nordeuropa in der Gunst der Assekuranz steigt (55 Prozent).

Nachhaltigkeit lohnt sich



Die Nachhaltigkeitsthematik macht auch vor der Assekuranz nicht halt. Für alle Befragten steht die Relevanz von ESG-Kriterien („Environmental“, „Social“ und „Governance“) außer Frage. 95 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen zudem davon aus, dass sich nachhaltige Investments neben den ökologisch und sozial positiven Effekten auch beim Wiederverkauf auszahlen werden. Einigkeit besteht allerdings auch darin, dass fehlende Bewertungsstandards und der Mangel an validen Daten noch eine Hürde darstellen.

Trendbarometer Immobilienanlagen

Das Trendbarometer Immobilienanlagen der Assekuranz wurde 2021 zum 14. Mal erstellt. Im Mai 2021 wurde dafür eine Umfrage unter 30 führenden Unternehmen der hiesigen Assekuranz durchgeführt. An der Befragung beteiligten sich verschiedene Akteure der Versicherungsbranche, etwa Pensionskassen sowie Lebens- und Rückversicherungen.  

EY (früher: Ernst & Young) ist eine der großen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist EY deutscher Marktführer. EY beschäftigt 11.500 Mitarbeiter an 20 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2019/2020 einen Gesamtumsatz von 2,15 Milliarden Euro. 300.000 Mitarbeiter der internationalen EY-Organisation betreuen Mandanten weltweit.


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