06.09.2021 Branche

Verbraucherschützer von Finanzwende fordern Aus für Provisionen

Der Verein Bürgerbewegung Finanzwende formuliert in einem Forderungspapier klare Erwartungen an die Politik nach der Bundestagswahl. Im Fokus stehen der Abschied von der Riesterrente, mehr Regulierung und ein Ende der provisionsbasierten Finanzberatung.

Einige Punkte des Positionspapiers sind aus Sicht der Vermittler besonders problematisch. Der Interessenverein will letztlich das bewährte Geschäftsmodell der Branche abschaffen. (Foto: © DOC RABE Media - stock.adobe.com)
Einige Punkte des Positionspapiers sind aus Sicht der Vermittler besonders problematisch. Der Interessenverein will letztlich das bewährte Geschäftsmodell der Branche abschaffen.
(Foto: © DOC RABE Media - stock.adobe.com)

Er hat es schon geschafft, die drei Kanzlerkandidaten alt aussehen zu lassen. Im Mai trat Gerhard Schick, Vorstand des Vereins Bürgerbewegung Finanzwende, öffentlichkeitswirksam mit Unterstützern vor dem Bundeskanzleramt auf. Der Blick richtete sich damals sofort auf drei Großplakate mit gealterten Porträts der Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz. Die Forderung damals: „Stoppt die Riester-Rente – sonst sehen wir alt aus.“

Auch wenn Schick, der 13 Jahre für die Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Bundestag saß und deren finanzpolitisches Gesicht war, mit der Aktion auch seiner Parteifreundin Baerbock ein wenig schmeichelhaftes Antlitz samt ergrauter Haare verpasste, bewegen sich die politischen Positionen von Finanzwende weiterhin nah an den Vorstellungen seiner Partei. Sein Einsatz gilt einer nachhaltigeren Finanzwirtschaft.

Sechs Kernforderungen an die zukünftige Finanzpolitik

 

Die bevorstehende Bundestagswahl am 26. September nahm die sogenannte Bürgerbewegung nun zum Anlass, die eigenen finanzpolitischen Überzeugungen in einem Forderungspapier zusammenzufassen. Darin heißt es: „Es gilt die wichtigen Aufgaben im Finanzbereich entschieden anzugehen, damit sich Skandale wie Wirecard und Co. nicht mehr wiederholen, Menschen besser und nachhaltiger vorsorgen können und es allgemein fairer an den Finanzmärkten zugeht.“ Viele Probleme wie die Instabilität des Finanzsektors seien schon seit der Bankenkrise bekannt, aber nicht gelöst. Nun sei es an der Zeit. Dafür listet das Forderungspapier sechs Schwerpunktthemen auf, unter anderem die Bekämpfung von Finanzkriminalität (z.B. die Aufarbeitung der CumEx-Geschäfte), den Einsatz für nachhaltigere Finanzmärkte oder einen „Lockdown für Dividenden“. 

Ende der provisionsbasierten Finanzberatung gefordert

 

Andere Punkte der Finanzwende-Agenda betreffen direkt die Finanzanlagen- und Versicherungsvermittler. So soll die provisionsbasierte Finanzberatung komplett wegfallen. Aus Sicht von Finanzwende setzt diese falsche Anreize. Berater würden regelmäßig ungeeignete oder überteuerte Finanzprodukte vermitteln. Wie schon bekannt, fordert der Verein, dass die Politik einen klaren Schlussstrich unter die Riester-Rente ziehen soll. Bei Riester-Versicherungen fließe fast jeder vierte eingezahlte Euro in Bürokratie und Provision. Das Konzept habe als zusätzliche Altersvorsorge versagt. Alternativ schlägt Finanzwende ein Altersvorsorgeprodukt nach schwedischem Vorbild vor. Außerdem besteht die Bürgerbewegung darauf, den Vertrieb von Zertifikaten an Privatanleger grundsätzlich zu verbieten. Die Derivate seien für die meisten Menschen nicht transparent genug.

BaFin soll mehr Kompetenzen im Verbraucherschutz bekommen

 

Schick und seine Mitstreiter wünschen sich überdies eine gestärkte BaFin, die bessere Finanzprodukte gewährleistet. Zu diesem Zweck solle das Finanzministerium innerhalb der Behörde einen eigenen Geschäftsbereich für Verbraucherschutz installieren. Ziel sei es, dass schädliche Produkte schneller vom Markt verschwinden. Ohnehin wünschen sich die Verbraucherschützer für Finanzprodukte insgesamt strengere Vorgaben.


Weitere Artikel

Listing

23.09.2021 Branche

Solvency II: Viele Vorschläge, noch keine endgültige Richtung

Die EU-Kommission will viel: die Langzeitversprechen der Lebensversicherer trotz Niedrigzinsen sichern und zugleich Kapital für mehr grüne Investitionen frei machen. Zu diesem Zweck soll das Aufsichtsregime Solvency II grundlegend reformiert werden. Am Gelingen werden bereits Zweifel laut.

> weiterlesen
Listing

21.09.2021 Branche

Kfz-Versicherung: Ältere Fahrzeuge im Norden und Westen Deutschlands

Das Vergleichsportal Check24 hat den deutschen Pkws unter die Motorhaube geschaut. Eine Umfrage ergab, wo die jüngsten und ältesten Autos unterwegs sind.

> weiterlesen
Listing

16.09.2021 Branche

Flutkosten steigen weiter: BaFin befürchtet 8,2 Milliarden Euro

Im Worst-Case-Szenario sehen Deutschlands Erstversicherer laut einer Umfrage der Finanzaufsichtsbehörde noch einmal höhere Schäden als zuletzt vom GDV prognostiziert. Allerdings sei die Branche stabil genug, dies zu bewältigen.

> weiterlesen