25.05.2021 Branche

Fass ohne Boden? Milliardenzuschüsse für die GKV

Um die Sozialversicherungsbeiträge langfristig zu stabislieren, will der Bund zusätzliche Gelder locker machen. Nach „Handelsblatt“-Informationen könnte das auszugleichende Defizit der gesetzlichen Krankenkassen bis 2022 auf mehr als 20 Milliarden Euro anwachsen.

Das Gesundheitssystem muss vom Steuerzahler finanziell verarztet werden. Die Ausgaben drohen aber künftig ein ungesundes Maß zu erreichen. (Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)
Das Gesundheitssystem muss vom Steuerzahler finanziell verarztet werden. Die Ausgaben drohen aber künftig ein ungesundes Maß zu erreichen.
(Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)

Die gesetzlichen Krankenkassen hängen immer stärker am Tropf der Steuerzahler. Laut „Handelsblatt“ plant die Bundesregierung, ihre Finanzhilfen weiter aufzustocken, um höhere Zusatzbeiträge (aktuell 1,3 Prozent) für die Versicherten abzuwenden. So soll der Bundeszuschuss zum Gesundheitsfonds für 2022 von fünf auf sieben Milliarden Euro angehoben werden – darauf haben sich dem Bericht zufolge Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) geeinigt. Falls das nicht reicht, ist nun auch ein „davon abweichender Bundeszuschuss“ angedacht, den Gesundheits- und Finanzminister mit Zustimmung des Bundestags festsetzen können.

Sozialversicherungsbeiträge: 40-Prozent-Limit in Gefahr

 

Bereits in diesem Jahr hat der Bund die Zuschüsse für den Einnahmentopf der gesetzlichen Krankenkassen von 14,5 Milliarden Euro auf 19,5 Milliarden Euro aufgestockt. Mit der nun geplanten Anhebung steigen die zusätzlichen Steuermittel im Jahr 2022 auf mindestens 21,5 Milliarden Euro. Die Maßnahmen sollen nicht zuletzt dazu dienen, die Sozialabgaben auf maximal 40 Prozent zu begrenzen und so eine Belastung von Unternehmen und Arbeitnehmern zu vermeiden. Aktuell liegt die Summe der Sozialversicherungsbeiträge bei 39,95 Prozent. Kommt es zu Beitragserhöhungen, würde auch diese Marke fallen. Ohne Zuschüsse könnten die Beiträge nach Berechnungen des Instituts Prognos bis zum Jahr 2040 dann sogar auf 46 Prozent ansteigen. Ein Grund dafür sei, dass die geburtenstarken Jahrgänge bis dahin das Rentenalter erreicht haben werden. Die demografische Entwicklung führe ohnehin zu höheren Gesundheits- und Pflegeausgaben.

Steuerzahler müssen bis 325 Milliarden Euro zuschießen 

 

Die Kosten für die Stabilisierung der Sozialversicherungsbeiträge haben es laut Prognos-Berechnungen in sich: Sie könnten bis zum Jahr 2040 in heutigen Preisen auf 114 Milliarden Euro wachsen. Addiere man noch die tatsächlich gezahlten Transfers des Staates an die Sozialversicherungen hinzu, stiegen die Gesamtausgaben auf 325 Milliarden Euro oder 14 Prozent der gesamten Staatsausgaben.

 


Weitere Artikel

Listing

11.01.2024 Branche

Kaufkraft der Rente schwankt regional extrem

Senioren und Seniorinnen spüren das deutlich in der Haushaltskasse: Nicht nur die Rentenhöhe ist für den Lebensstandard im Alter entscheidend, sondern auch das Preisniveau am Wohnort. Das Prognos-Institut hat die Rentenkaufkraft nach Regionen im Auftrag des Branchenverbands GDV untersucht.

> weiterlesen
Listing

10.01.2024 Branche

Zuversicht in Krisenzeiten

Mit guten Gedanken ins Jahr 2024: Trotz weltweiter Krisen bleibt die Mehrheit der Bundesbürger zuversichtlich. Ein aktiver Lebensstil, Gespräche und Zeit mit nahestenden Personen gibt vielen Menschen innere Stärke, fand die mhplus Krankenkasse heraus. Auch Haustiere helfen.

> weiterlesen
Listing

06.12.2023 Branche

Generation Z und Altersvorsorge – Studie des Branchenverband GDV widerlegt Klischees

Junge Menschen beschäftigen sich viel stärker mit Fragen zur Altersvorsorge und Geldanlage als gemeinhin unterstellt. Eine Studie des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft räumt mit Vorurteilen auf.

> weiterlesen