05.03.2021 Branche

Corona-Impfung: Versicherer schicken Betriebsärzte ins Rennen

Das Vertrauen in die Bundesregierung schwindet. Nun wollen auch Versicherer wie Allianz und Versicherungskammer die Impfung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst in die Hand nehmen. Die Haftungsfrage muss noch geklärt werden.

Kleiner Pieks, große Wirkung: Die Corona-Impfung ist der Schlüssel zur erfolgreichen Pandemie-Bekämpfung. Zahlreiche Unternehmen wie die Allianz oder die Versicherungskammer wollen ihre Mitarbeit selbst impfen. (Foto: © David Pereiras - stock.adobe.com)
Kleiner Pieks, große Wirkung: Die Corona-Impfung ist der Schlüssel zur erfolgreichen Pandemie-Bekämpfung. Zahlreiche Unternehmen wie die Allianz oder die Versicherungskammer wollen ihre Mitarbeit selbst impfen.
(Foto: © David Pereiras - stock.adobe.com)

Der Corona-Gipfel von Bund und Ländern hat Anfang März nicht die von den Bürgern und der Wirtschaft erhofften Ergebnisse gebracht. Das Urteil über die Öffnungs- und Teststrategie fällt zum Teil verheerend aus: zu bürokratisch, zu kompliziert, zu langsam. Während Test-Kits in Discountern wie Aldi oder Drogerien ab 8. März verkauft werden, entwickelt sich die Schnelltest-Offensive von Jens Spahn (CDU) zu einem erneuten Corona-Fiasko. Weil auf den Bundesgesundheitsminister und seine Versprechungen kein Verlass ist, wollen vor allem große Unternehmen die Sache selbst in die Hand nehmen. Sie bieten an, dass Betriebsärzte die eigenen Beschäftigten impfen.

Betriebsärzte in deutschen Konzernen stehen bereit

 

„Wir stehen zu unserem Angebot, die Impfstrategie durch einen koordinierten Einsatz von Betriebsärzten zu unterstützen“, sagt Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. Aus der Versicherungswirtschaft stehen etwa die Allianz oder die Versicherungskammer an vorderster Front. „Wir bereiten uns aktuell darauf vor, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an allen großen Standorten in Deutschland die Möglichkeit zu einer Corona-Impfung anzubieten", heißt es bei der Allianz in München. „Dafür planen wir bis zu 25 Impfstraßen auf unseren Betriebsgeländen einzurichten.“ In der Chefetage von Europas größtem Versicherer gehen die Überlegungen sogar noch einen Schritt weiter: „Weitergehende Unterstützungen wie zum Beispiel Impfungen von Familienangehörigen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit bei uns in Diskussion“, bestätigt eine Sprecherin.

Mögliche Schadenersatzforderung nach Impfschäden

 

Auf Hochtouren laufen auch die Vorbereitungen bei der Versicherungskammer. Die Belegschaft des öffentlichen Versicherers aus München wurde bereits über die Pläne informiert. „Wir stehen bereit, unsere Betriebsärztinnen und -ärzte in Marsch zu setzen.“ Bevor die Betriebsärzte aktiv werden können, muss allerdings noch die Haftungsfrage bei Schadenersatzforderungen nach möglichen Impfschäden geklärt werden. „Die Haftung für alle im Zusammenhang mit Impfungen möglichen Schäden muss so geregelt sein, dass sie kein Hemmnis gegen eine Impfbeteiligung der Betriebsärzte darstellt", heißt es in einem Papier des Arbeitgeberverbands, über das das „Handelsblatt" berichtete.

Milliardenverluste für die deutsche Wirtschaft

 

Eile beim Impfen ist jedenfalls geboten. Allein durch den im Dezember verhängten Lockdown gehen der deutschen Wirtschaft jede Woche 2,5 Milliarden Euro an Wertschöpfung verloren, errechneten die Wirtschaftsforscher des Münchener ifo-Instituts. Deren Präsident Clemens Fuest warnte erst kürzlich vor den finanziellen Folgen einer dritten Corona-Welle. Dann könnten sich die volkswirtschaftlichen Verluste wöchentlich auf einen zweistelligen Milliardenbetrag erhöhen.


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