06.10.2022 Branche

Nehmen Betrugsversuche bei der Allianz zu?

Die Allianz verzeichnet deutlich mehr aufgedeckte Fälle von Versicherungsbetrug und wertet das als Zunahme von Betrugsaktivitäten. Dabei betont der Versicherer selbst, dass der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Aufklärung helfe.

Beim Versicherungsriesen Allianz entdeckt man immer mehr dubiose Schadensmeldungen. (Foto: © made_by_nana - stock.adobe.com)
Beim Versicherungsriesen Allianz entdeckt man immer mehr dubiose Schadensmeldungen.
(Foto: © made_by_nana - stock.adobe.com)

Rund fünf Milliarden Euro Schaden entsteht der Assekuranz jährlich durch Versicherungsbetrug. Das schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Herbeigeführte Schäden (vorsätzlich oder provoziert), fingierte und frisierte Schäden, zum Beispiel durch Falschangaben zu den Schadenumständen – in der Praxis der Betrugsbekämpfung haben sich diese drei Formen des Versicherungsbetrugs herauskristallisiert.

Deutlich mehr aufgeklärte Fälle

 

Zahlen zur aktuellen Entwicklung liefert nun die Allianz für das eigene Unternehmen. Bei Rückschlüssen zur Branchenentwicklung ist daher Vorsicht geboten. Die Botschaft der Münchener ist indes klar: Die Anzahl der Betrügereien und Betrugsversuche stieg auch 2021 weiterhin deutlich an. „Unsere Betrugsabwehr hat 2021 gegenüber dem Vorjahr rund 20 Prozent mehr Betrugsversuche aufgedeckt“, sagt Jochen Haug, Schadenvorstand der Allianz Versicherungs-AG. „Und auch im ersten Halbjahr 2022 sehen wir bereits, dass sich der Anstieg der Betrugsversuche fortsetzt.“ Leicht rückläufig, aber dennoch auf Platz 1, waren Betrügereien in der Autoversicherung mit 45 Prozent (Vorjahr: 50 Prozent), dicht gefolgt von der Sachversicherung mit 40 Prozent (Vorjahr: 30 Prozent) und der Haftpflicht mit 15 Prozent (Vorjahr: 20 Prozent). Doch in dieser Darstellung liegt eine Unschärfe, da die Allianz die Gesamtanzahl versuchter Betrugsfälle gar nicht kennen kann, sondern eben nur die, die entdeckt wurden. Folglich gab es entweder in der Tat deutlich mehr solch krimineller Aktionen oder die Betrugsabwehr ist schlicht besser geworden.

Insgesamt konnte der Konzern im Jahr 2021 aus seiner Sicht unrechtmäßige Auszahlungen im dreistelligen Millionenbereich verhindern. Das Unternehmen habe den Bereich auch personell auf mittlerweile 150 Mitarbeiter aufgestockt und einen neuen Bereich geschaffen, der sich auf komplexe nationale und internationale Schadenfälle spezialisieren und zudem auch (kriminelle) netzwerkartige Strukturen aufdecken soll.

Die häufigsten Betrugsmaschen in der Sachversicherung

 

Die bevorzugte Betrugsvariante in der Autoversicherung der Allianz waren mit über 50 Prozent angebliche Unfälle im fließenden Verkehr, gefolgt von vorgetäuschten Totaldiebstählen (rund 13 Prozent). In der Sachversicherung seien die Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu spüren gewesen. Waren vermeintliche Einbruchdiebstahlschäden 2020 aufgrund des Lockdowns eher rückläufig, so lagen Betrügereien in diesem Bereich im Jahr 2021 auf Platz 1 (35 Prozent). Mit rund 30 Prozent folgten Schadenmeldungen im Zusammenhang mit angeblich unbeabsichtigt ausgetretenem Leitungswasser (30 Prozent). In der Haftpflichtversicherung wurden am häufigsten betrügerische Schadenfälle im Zusammenhang mit Kfz (40 Prozent) aufgedeckt. Angebliche Schäden an Immobilien (ohne Mietsachschäden) lagen mit 17 Prozent auf Platz 2.

Künstliche Intelligenz für Aufklärung unerlässlich

 

Nach ihrer Darstellung bauen die Münchener die KI-basierte Schadenregulierung kontinuierlich aus. Seit Oktober 2021 würden beispielsweise die Vollkasko-Schadenfälle mit geringer Komplexität vollständig KI-basiert kalkuliert. Haug: „Ein Einsatz der KI auch in der Betrugsabwehr ist daher unerlässlich. Deshalb lassen wir (...) alle Schadenfälle mittels künstlicher Intelligenz nach Vorhersagemodellen, Bilderkennung und Expertenregeln überprüfen.“ Bei Auffälligkeiten, die auf einen Betrugsversuch hindeuteten, würden diese Schadenfälle nochmals gesondert durch den Versicherer geprüft. „Künstliche Intelligenz unterstützt unsere Betrugsabwehr spartenübergreifend, erkennt beispielsweise dubiose Schadenmuster oder Unstimmigkeiten bei Fahrzeugen oder bei eingereichten Fotos“, so Haug. KI könne und solle den Betrugsspezialisten aber nicht ersetzen. Die Ermittlungen und die Entscheidung, ob ein Betrug vorliegt oder nicht, obliege immer dem Menschen.


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