09.11.2021 Branche

Riese will Zwerg: HUK-Coburg prüft Neodigital-Beteiligung

Der Marktführer interessiert sich für ein kleines Insurtech. Die Idee einer strategischen Beteiligung der HUK-Coburg an Neodigital zeigt den harten Wettbewerb um die beste Technik in der Kfz-Versicherung und die Sorge vor dem Markteintritt von Unternehmen wie Amazon und Google.

Eine strategische Beteiligung ist eine beherrschende oder kontrollierende Beteiligung von mittel- bis langfristiger Dauer, bei der im Gegensatz zur Finanzbeteiligung die strategischen Motive des Investors überwiegen. (Foto: © Monster Ztudio - stock.adobe.com)
Eine strategische Beteiligung ist eine beherrschende oder kontrollierende Beteiligung von mittel- bis langfristiger Dauer, bei der im Gegensatz zur Finanzbeteiligung die strategischen Motive des Investors überwiegen.
(Foto: © Monster Ztudio - stock.adobe.com)

Deutschlands Marktführer in Sachen Kfz-Versicherung HUK-Coburg verhandelt nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) mit den Eigentümern des Start-ups Neodigital aus dem saarländischen Neunkirchen über eine strategische Beteiligung und die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens. Weder der Chef der Neodigital AG Chef Stephen Voss noch der Versicherer wollten nach SZ-Angaben dazu Stellung nehmen. Eine HUK-Sprecherin sagte demnach: „Wir kommentieren keine Marktgerüchte, sehen uns im Markt aber immer um.“

Neodigital bisher am Markt ein Leichtgewicht

 

Das Insurtech Neodigital ist seit 2017 auf dem Markt und beginnt gerade erst, die Autoversicherung als Sparte anzubieten. 2020 hatte das Unternehmen, hinter dem einige illustre Investoren wie Carsten Maschmeyer stehen, nur 5,6 Millionen Euro Umsatz und fuhr neun Millionen Euro Verlust ein. Dagegen ist die HUK-Coburg mit mehr als 13 Millionen versicherter Fahrzeuge Deutschlands größter Kfz-Versicherer, der Umsatz lag zuletzt bei ca. acht Milliarden Euro. Dennoch soll das Branchenschwergewicht bereit sein, deutlich über 20 Millionen Euro für eine strategische Beteiligung zu investieren, so die SZ. Angeblich will die HUK nach dem Einstieg mit Neodigital ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, das White-Label-Autoversicherungen anbietet, also unter dem Namen von Dritten.

Vorbeugender Deal gegen neue Konkurrenz von Tech-Giganten?

 

In dem Beitrag wird auch über die Hintergründe des möglichen Deals spekuliert. Das Angebot des Großversicherers spiegele den heftigen Wettbewerb in der Kfz-Versicherung wider, bei dem es zunehmend um den Zugriff auf gute Technik gehe. Die Automatisierung des Autofahrens könnte die Versicherer einen großen Teil ihres Geschäfts kosten, denn Fahrzeuge, die keine Unfälle mehr verursachen, brauchen auch weniger Versicherungsschutz. Gleichzeitig hätten traditionelle Anbieter große Sorge, dass Internet-Größen wie Amazon oder Google ihre Präsenz ausbauen.

Neodigital sei in der Branche bekannt für seine fortschrittliche Technik – vor allem die intelligenten Algorithmen. Deshalb nun der Vorstoß der HUK-Coburg, glaubt die SZ. An dem Unternehmen hätten zudem eine Reihe weiterer Versicherer Interesse. Aber auch branchenfremde Konzerne sollen ein Auge auf das junge Unternehmen geworfen haben. „Sollte Amazon Neodigital kaufen, könnten sie mit der Technik den ganzen Markt aufmischen“, sagte ein Kenner des Unternehmens der Zeitung.

Dazu komme, dass Neodigital mit einer Reihe anderer Gesellschaften im Gespräch sei, um für sie als Dienstleister tätig zu sein. Dazu gehöre auch das Angebot, für sie Telematik-Tarife zu verwalten. Dabei wird der Fahrstil gemessen und danach ein Rabatt festgelegt. Die HUK-Coburg ist aktuell der größte Anbieter von Telematik-Tarifen und bewirbt das Thema seit Jahren massiv. Würde die HUK sich bei dem Insurtech beteiligen, könnte sie laut SZ wahrscheinlich verhindern, dass andere Versicherer die Neodigital-Technik für eigene Telematik-Angebote nutzen.


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