04.06.2026 Branche

Signal Iduna setzt auf KI, Vorsorge und Vertriebskraft

Rekordneugeschäft, Milliardenziele und neue Chancen für Vermittler: Bilanz und Ausblick der Signal Iduna Gruppe fallen positiv aus. Der Konzern befindet sich mit seiner Strategie „Momentum 2030“ auf Kurs.

Präsentierte zum ersten Mal die Konzernbilanz: Torsten Uhlig, Vorstandstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe. (Foto: Signal Iduna)
Präsentierte zum ersten Mal die Konzernbilanz: Torsten Uhlig, Vorstandstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe.
(Foto: Signal Iduna)

Die Signal Iduna hat 2025 ihren Wachstumskurs fortgesetzt und zugleich wichtige strategische Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Rekordwerte im Neugeschäft, eine spürbare Verbesserung der Profitabilität in der Schaden- und Unfallversicherung sowie milliardenschwere Investitionen in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz prägen die Bilanz des Versicherers. Für Vermittlerinnen und Vermittler besonders relevant: Mit der anstehenden Reform der privaten Altersvorsorge, dem Ausbau der betrieblichen Krankenversicherung und neuen KI-gestützten Vertriebswerkzeugen eröffnen sich zusätzliche Geschäftschancen.

Deutliche Verbesserung der Profitabilität

 

„In einem unverändert anspruchsvollen Marktumfeld haben wir unseren Wachstumskurs fortgesetzt und gleichzeitig unsere Ergebnisqualität stabilisiert. Besonders erfreulich ist die deutliche Verbesserung der Profitabilität im Kompositgeschäft“, sagte Torsten Uhlig, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe, bei der Bilanzpressekonferenz Anfang Juni. „2025 war ein gutes Geschäftsjahr für die Signal Iduna Gruppe, wir liegen mit der Entwicklung genau im Plan.“
Die Zahlen geben ihm recht. Die gebuchten Bruttobeiträge stiegen um 3,1 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Der Mittelzufluss erhöhte sich ebenfalls um drei Prozent auf 7,4 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert: Im Vertrieb wurde mit einem Neugeschäftsbeitrag von 405 Millionen Euro erstmals die Marke von 400 Millionen Euro überschritten. Damit setzte die Gruppe ihren Wachstumskurs trotz eines wirtschaftlich anspruchsvollen Umfelds fort.

Zehn Milliarden Euro als Zielmarke

 

Die Jahresbilanz 2025 und der Ausblick, den Vorstandschef Uhlig auf das laufende Geschäftsjahr gab, bewegen sich im Rahmen der strategischen Zielsetzung der Signal Iduna. Mit dem Programm „Momentum 2030“ will der Versicherer mit Sitz in Dortmund und Hamburg den jährlichen Mittelzufluss bis zum Ende des Jahrzehnts auf zehn Milliarden Euro steigern. Bereits Ende 2026 sollen rund acht Milliarden Euro erreicht werden. Rund 40 Prozent des Wachstums dürften dabei aus dem Neugeschäft kommen. Parallel dazu arbeitet die Signal Iduna an ihrer Ausgabenseite. Bis 2030 soll die Gesamtkostenquote um zwei Prozentpunkte sinken. Ein konzernweites Produktivitätsprogramm sieht vor, die Kostenbasis gegenüber dem Jahr 2025 um 15 Prozent zu reduzieren.

KI wird zum Produktivitätsmotor

 

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Künstliche Intelligenz. Während viele Versicherer noch über einzelne Pilotprojekte berichten, hat die Signal Iduna KI bereits breit in den Arbeitsalltag integriert. Das konzernweite KI-System „COSI“ wird inzwischen von 94 Prozent der Mitarbeitenden im Innen- und Außendienst genutzt. Mehr als 1,5 Millionen Prompts wurden bereits verarbeitet. Die wöchentliche Aktivitätsrate liegt bei rund 70 Prozent. Besonders eindrucksvoll zeigen sich die Effekte in der Krankenversicherung. Während der umfangreichen Beitragsanpassungen zum Jahreswechsel unterstützte ein KI-basierter Wissensassistent die Vermittler bei Kundenanfragen. Die Nutzung des Systems stieg zeitweise um bis zu 400 Prozent.
Auch im Kundenservice liefert die Technologie messbare Ergebnisse. Durch den Einsatz einer KI-Schnittstelle in der Kunden-App sank die Fehlklassifizierung von Kundenanliegen von über 50 Prozent auf unter zehn Prozent. Gleichzeitig arbeiten konzernweit sogenannte AI-Champions an neuen Anwendungen. Bereits mehr als 200 spezialisierte KI-Agenten wurden entwickelt. Für Vermittler und ihre Kunden bedeutet das: schnellerer Zugriff auf Wissen, kürzere Bearbeitungszeiten und eine stärkere Entlastung bei administrativen Aufgaben.

Krankenversicherung bleibt Wachstumsfeld

 

Trotz der Diskussionen um steigende Gesundheitskosten sieht sich die Signal Iduna in der privaten Krankenversicherung gut positioniert. Die Beitragseinnahmen stiegen auf 3,44 Milliarden Euro. Besonders erfreulich entwickelte sich das Neugeschäft in der Vollversicherung. Der Bestand legte leicht zu, während das Neugeschäft um mehr als 27.000 Personen beziehungsweise 11,4 Prozent wuchs.
Dynamisch entwickelt sich weiterhin die betriebliche Krankenversicherung. Hier erhöhte sich der Bestand um mehr als 31 Prozent. Damit bestätigt sich aus Sicht der Signal Iduna ein Trend, den viele Vermittler bereits beobachten: Arbeitgeber investieren zunehmend in Gesundheitsleistungen, um Fachkräfte zu gewinnen und zu binden.
Gleichzeitig bleibt die Kostenentwicklung eine Herausforderung. Die Leistungsausgaben in der Krankenversicherung steigen seit Jahren deutlich an. Das macht sich auch in den Beitragsanpassungen für die rund 600.000 Vollversicherten und 1,2 Millionen Zusatzversicherten bemerkbar. Im Zwei-Jahres-Durchschnitt ergibt sich für die Krankenvollversicherung ein marktkonformer durchschnittlicher Beitragsanstieg um jährlich zehn Prozent.

Turnaround in der Kraftfahrtversicherung

 

Besonders erfreulich aus Konzernsicht verläuft das Geschäft in der Schaden- und Unfallversicherung. Dort gelang der Signal Iduna ein deutlicher Profitabilitätssprung. Die Combined Ratio im Inland sank von 98,7 auf 91,1 Prozent. Noch beeindruckender fällt die Entwicklung in der Kraftfahrtversicherung aus. Nach mehreren schwierigen Jahren verbesserte sich die Schaden-Kosten-Quote von 102,5 Prozent auf 84,5 Prozent. Der Weg dahin war steinig und erforderte konsequente Sanierungsmaßnahmen, gezielte Bestandsbereinigung und Beitragsanpassungen. Nach Abschluss dieser Sanierungsphase richtet die Signal Iduna ihren Blick nun wieder auf profitables Wachstum.

Altersvorsorgereform eröffnet neue Chancen

 

Aufmerksam verfolgt die Branche die bevorstehende Reform der privaten Altersvorsorge. Die Signal Iduna bereitet sich intensiv auf den Marktstart neuer Produkte zum 1. Januar 2027 vor – und plant, zweigleisig zu fahren. Einerseits sollen standardisierte Depotlösungen ohne Garantien angeboten werden, andererseits klassische Garantieprodukte über die Lebensversicherung. Vermittlerinnen und Vermittler werden damit künftig beide Welten bedienen können. Die erforderlichen vertrieblichen Voraussetzungen wurden bereits geschaffen. Auch die regulatorischen Erlaubnisse für Depotprodukte liegen vor.
Dabei setzt die Signal Iduna bewusst auf persönliche Beratung als Differenzierungsmerkmal gegenüber rein digitalen Anbietern. Gerade bei der Frage, wie bestehende Riester-Verträge, neue Fördermodelle und individuelle Vorsorgestrategien zusammengeführt werden können, sieht der Konzern erhebliche Beratungspotenziale.

Starke Auslandsgesellschaften und robuste Finanztöchter

 

Auch außerhalb des deutschen Versicherungsgeschäfts entwickelte sich die Gruppe positiv. Die Auslandsgesellschaften in Rumänien, Ungarn und Polen steigerten ihre Beitragseinnahmen insgesamt um 22 Prozent auf 360 Millionen Euro. Alle drei Märkte lieferten positive Ergebnisbeiträge. Ebenfalls erfreulich verlief das Geschäft der Finanztöchter. Das Bankhaus Donner & Reuschel erzielte in einem herausfordernden Marktumfeld einen Vorsteuergewinn von 11,5 Millionen Euro. Das verwaltete Vermögen stieg um mehr als zwölf Prozent auf 35,4 Milliarden Euro. Das Bankhaus sei nach schwierigen Zeiten wieder auf Kurs. Die Signal Iduna Asset Management erhöhte ihre „Assets under Management“ auf 44,1 Milliarden Euro und profitierte insbesondere von steigenden Mittelzuflüssen im Fondsgeschäft.
 


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