Krankenhaus: Erste Klasse, bitte!
Mit einer stationären Zusatzpolice erhalten auch Kassenpatienten bei einem Klinikaufenthalt Chefarztbehandlung und Einbettzimmer. FOCUS MONEY-Versicherungsprofi hat erstklassige Policen unter die Lupe genommen.

(Foto: © Kzenon – stock.adobe.com)
Milliarden-Kürzungen bei Krankenhäusern.
Der finanzielle Druck wächst: Im Zuge des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes steht den Krankenhäusern in Deutschland ab 2027 spürbar weniger Geld zur Verfügung. Die Pflegebudgets für die Kliniken werden gedeckelt, die Grundlohnrate, wichtige Größe für Honorar- und Vergütungsverhandlungen mit den Krankenkassen, sinkt. Allein das könnte nach Berechnungen des Wirtschaftsprüfers Curacon bis zu zwei Milliarden Euro Mindereinnahmen für die Kliniken bedeuten. Insgesamt stünden den Krankenhäusern im kommenden Jahr über vier Milliarden Euro weniger Geld zur Verfügung. „Wir gehen davon aus, dass die zusätzliche Belastung für die Krankenhäuser in den Folgejahren ab 2028 noch mal höher ausfallen wird“, sagt Robert Orsag, Senior Manager bei Curacon.
Unzufriedene Patienten: Verschlechterung droht.
Wenig überraschend schlägt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) Alarm. „Die gesamte Branche gerät mit bisher noch nie da gewesenen Verlusten von durchschnittlich sechs Prozent in eine massive Schieflage“, warnt DKG-Chef Gerald Gaß. Fast jeder zweite Klinikstandort sei insolvenzgefährdet. Nicht jeder Klinikbetreiber stimmt in diesen Untergangschor des Cheflobbyisten mit ein. „Wir als Betreiber haben es in der Hand, den Herausforderungen mit guter Führung, Innovationsgeist und Kreativität auf einer tragfähigen Unternehmenskultur zu begegnen“, sagt etwa Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender des Krankenhausträgers Agaplesion.
Doch wer sich heute den Alltag in einem Krankenhaus anschaut, ahnt schon, wer am Ende die Zeche zahlt: die Patientinnen und Patienten. Mit dem sich abzeichnenden Personalmangel dürfte sich die Qualität der Klinikbetreuung weiter verschlechtern. Bereits heute beurteilen nur 50 Prozent der Bundesbürger die stationäre Behandlung hierzulande als gut oder sehr gut, wie das „Healthcare-Barometer 2026“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC offenlegt.
Zwei-Klassen-Medizin mit großen Unterschieden.
Niemand muss hierzulande fürchten, im Krankenhaus nicht nach dem aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse behandelt zu werden. Für gesetzlich Krankenversicherte passt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Leistungskatalog fortlaufend den Fortschritten der Medizin an. Der Unterschied zwischen Privat- und Kassenpatienten bleibt aber eklatant – und dürfte noch größer werden. Chefarztbehandlung, Unterbringung mindestens im Zweibettzimmer und freie Klinikwahl: Wer als GKV-Versicherter darauf nicht verzichten will, sollte eine Krankenhauszusatzversicherung abschließen.
Die Alternative ist, im Ernstfall die gewünschten Leistungen aus eigener Tasche zu zahlen. Und das geht schnell ins Geld: Ein Einbettzimmer kostet durchschnittlich 124 Euro extra pro Tag, für das Zweibettzimmer sind es nach Angaben des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) immerhin 65 Euro. Kassenpatienten, die eine Chefarztbehandlung bevorzugen, müssen ebenfalls ordentlich zuzahlen: Schon ein kleiner Routineeingriff wie eine stationäre Leistenbruch-OP schlagen mit 500 bis 700 Euro zu Buche. Je komplizierter die Operationen und Behandlungen, desto teurer der Klinikaufenthalt.
Was erstklassige Zusatzpolicen leisten.
Leistungsstarke Krankenhauszusatzversicherungen sind nicht billig, aber bezahlbar. Für die besten Angebote im Markt muss ein 40-Jähriger im Durchschnitt mit rund 51 Euro monatlich kalkulieren. Das zeigt der Vergleich, den FOCUS MONEY-Versicherungsprofi jedes Jahr auf Basis von Daten des Vergleichportals Check 24 vornimmt. Die Bandbreite der Prämien für beitragsstabile Policen liegt dabei zwischen rund 38 und knapp 65 Euro. Wer auf das Tarifmerkmal Altersrückstellungen verzichtet, zahlt anfangs sogar noch deutlich weniger.
Um für den Marktvergleich berücksichtigt zu werden, müssen die Tarife Vorgaben erfüllen: mindestens Zweibettzimmer, Chefarztbehandlung, Erstattung höherer Arzthonorare sowie Übernahme der Leistungen bei einer Krankenhauseinweisung unabhängig davon, ob sie als Folge einer Krankheit oder eines Unfalls erfolgt. Außerdem soll der Versicherer höhere Arzthonorare übernehmen und über die 2,3-fachen sowie 3,5-fachen Regelhöchstsätze der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) hinaus leisten. Gut zu wissen: Fast alle in der Tabelle aufgeführten Tarife zahlen auch bei ambulanten Operationen.
Krankenhauszusatzversicherungen im Vergleich
Der Versicherte ist 40 Jahre alt, ihm reicht ein Zweibettzimmer. Er möchte Chefarztbehandlung und die Übernahme hoher Arzthonorare. Die Tarife leisten bei Krankheit und Unfall. Das Ranking erfolgte erst nach Gesamtpunktzahl und dann nach Monatsbeitrag. Pro Gesellschaft wurde ein Tarif berücksichtigt.
Neun Anbieter mit höchster Bewertung.
Das Vergleichsportal Check 24 listet mit einer Marktabdeckung von mehr als 74 Prozent einen Großteil der Anbieter von Krankenhauszusatzversicherungen. Für den Vergleich haben wir pro Versicherer nur einen Tarif zugelassen – den mit der höchsten Punktzahl. Bei Anbietern, die mehr als einen Tarif mit der gleichen Punktzahl am Start haben, fiel die Entscheidung auf den mit den besseren Leistungen. Policen mit Altersrückstellungen wurden gegenüber denen ohne bevorzugt. Check 24 vergibt maximal 100 Punkte. Der Münchener Verein und BavariaDirekt führen das Feld an und erreichen als einzige Anbieter mit der „Höchsten Bewertung“ (mind. 85 Punkte) die Auszeichnung Exzellent. Die Allianz schafft immerhin 90 von 100 Punkten (Hervorragend). Insgesamt erreichten neun Policen die „Höchste Bewertung“. Zwölf weitere Policen dürfen sich über eine „Hohe Bewertung“ (Sehr gut/Gut) freuen.
Die wichtigsten Kriterien unter der Lupe.
Bewertet wurden 13 Teilleistungen in drei Kategorien, die sich in ärztliche Leistung, Unterbringung und allgemeine Kriterien wie Altersrückstellungen, Wartezeit oder Kundenservice aufgliedern. Zur Kategorie ärztliche Leistungen zählen Chefarztbehandlung, Höhe der Arzthonorare und Erstattungen bei ambulanten OPs. Bei der Unterbringung geht es vorrangig um Ein- oder Zweibettzimmer sowie die Kostenübernahme bei Kur und Reha, für die nicht jeder Tarif aufkommt.
Günstiger Start ohne Altersrückstellungen.
Auch an den Krankenhauszusatztarifen ist die Inflation im medizinischen Sektor nicht spurlos verbeigegangen. Sparen können Kundinnen und Kunden bei Vertragsabschluss, wenn sie sich für einen Tarif ohne Altersrückstellungen entscheiden. Allerdings steigen dann je nach Vertragskonstruktion die Beiträge über die Laufzeit zum Teil spürbar. So verdoppelt sich beim Tarif der Bayerischen der Beitrag alle zehn Jahre – hier heißt es Rücklagen bilden. Auch andere Gesellschaften können günstiger – und bieten ihren Top-Tarif alternativ ohne Altersrückstellung an. Bei der LKH starten Versicherte dann mit 17,66 Euro. Ab dem sechsten Jahr erhöht sich der Beitrag einmalig auf 51,95 Euro. Interessant auch das Angebot der leistungsstärkeren Allianz: Hier bleibt der Beitrag fünf Jahre stabil bei 35,02 Euro und steigt anschließend einmalig auf 69,27 Euro.
Gesundheitsfragen gewissenhaft beantworten.
Wer eine Krankenhauszusatzversicherung abschließen möchte, muss über seinen Gesundheitszustand Auskunft geben. Bei einigen Versicherern wie die Bayerische, Barmenia oder Nürnberger fällt der Fragenkatalog weniger umfangreich aus als bei anderen Gesellschaften. Entsprechend höher ist die Annahmequote. Das entbindet aber niemanden davon, die Gesundheitsfragen vollständig und wahrheitsgemäß zu beantworten. Dabei sollte man sich am besten ärztlich unterstützen lassen. Schließlich können fehlende oder falsche Angaben dazu führen, dass ein Versicherer noch drei Jahre nach Vertragsabschluss vom Vertrag zurücktritt oder höhere Beiträge verlangt. Bei Vorsatz beträgt die Frist sogar zehn Jahre.
Urteil der Kunden bei Vertragsabschluss.
Extras wie Gesundheitsservices, Rechtshilfe, aber auch die Aussicht auf Beitragsrückerstattungen können die Kundenzufriedenheit erhöhen. Orientierung können hier Weiterempfehlungsbereitschaft und Kundenbewertung bei Check 24 bieten. Dabei fließt allerdings nur das Urteil der Versicherten direkt nach Vertragsabschluss ein. Ob ein Anbieter sein Leistungsversprechen einhält und sich kundenorientiert verhält, zeigt sich erst im Versicherungsfall.
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