09.09.2021 Branche

Wie Zurich bis 2050 klimaneutral werden will

Die Zurich Gruppe Deutschland wusste ihr Engagement in Sachen Nachhaltigkeit bisher vor allem öffentlichkeitswirksam zu verkaufen. Doch nun gibt es eine Strategie mit ambitionierten Zielen und vielen konkreten Einzelmaßnahmen.

Um das selbstgesteckte Nachhaltigkeitsziel zu erreichen, investiert Zurich nicht nur in die Optimierung von betrieblichen Abläufen, sondern plant auch, das Produktportfolio bis 2050 klimaneutral zu gestalten. (Foto: © Tinnakorn - stock.adobe.com)
Um das selbstgesteckte Nachhaltigkeitsziel zu erreichen, investiert Zurich nicht nur in die Optimierung von betrieblichen Abläufen, sondern plant auch, das Produktportfolio bis 2050 klimaneutral zu gestalten.
(Foto: © Tinnakorn - stock.adobe.com)

Schon 2020 erklärte der Versicherer Zurich zu einem der nachhaltigsten Unternehmen der Welt werden zu wollen und startete in Deutschland unter anderem die „Zurich Green Week”, um die Mitarbeiter für das Zukunftsthema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Ein Jahr zuvor unterzeichnete man als erster Versicherer die UN-Verpflichtung zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau (UN Global Compact Business Ambition Pledge). Im März dieses Jahres schaltete der Konzern dann im Rahmen der „Earth Hour 2021“ das Licht an den Hauptstandorten in Köln und Frankfurt aus und verkündete damit gemeinsam mit dem WWF Deutschland „ein starkes Zeichen für mehr Klimaschutz und die Zukunft unseres Planeten zu setzen.“

Bisher vor allem Absichten und Symbole

 

Kaum ein Versicherer stellt das Thema Nachhaltigkeit derart ins Schaufenster wie Zurich. Selbst die Umstrukturierung des Speisenangebots in den eigenen Betriebsrestaurants auf mehr vegetarische und vegane Gerichte sowie den vermehrten Einsatz regionaler Lebensmittel verkaufte das Unternehmen als Teil einer Nachhaltigkeitsoffensive, das dem Ziel diene, die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Große globale Ziele in Verbindung mit eher kleinteiligen Einzelmaßnahmen – bisher, so scheint es, war vieles in Sachen Nachhaltigkeit eher Symbolik und gut gemachtes Marketing.

Strategie soll Einzelmaßnahmen ablösen

 

Nun hat die Zurich Gruppe Deutschland eine Nachhaltigkeitsstrategie vorgestellt, die aus den Ambitionen konkretes Handeln machen soll. Das Unternehmen will sich in drei zentralen Handlungsfeldern engagieren: so soll das Vertrauen in eine digitale Gesellschaft gefördert, eine nachhaltige Arbeitswelt geschaffen und ein überproportionaler Beitrag zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels geleistet werden. „Unser Fokus wird insbesondere auf der Einhaltung des 1,5 Grad Ziels liegen. Hier werden wir als Versicherer die größten Hebelwirkungen entfachen können. Deshalb werden wir überproportional wirksam im Rennen gegen den Klimawandel sein. Dieses Rennen müssen wir gewinnen“, sagt Dr. Carsten Schildknecht, Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe Deutschland. 

Starke CO2-Reduktion bis 2030, Klimaneutralität bis 2050

 

Zurich setzt dabei nach eigenen Angaben auf einen ganzheitlichen Ansatz, der die Nachhaltigkeitsziele in alle Geschäftsbereiche und -entscheidungen integriert und auf allen Ebenen organisatorisch verankert. Dabei seien bei allen neuen Maßnahmen die Kohlendioxidemissionen die wichtigste Messgröße. Bis 2050 will das Unternehmen dann in allen Aspekten seines Geschäfts – vom Investment- und Risikomanagement über Versicherungsprodukte und dem Betrieb – klimaneutral sein. Ferner sieht die Planung vor, dass bis zum Jahr 2030 eine Reduzierung von CO2-Emissionen um mehr als 70 Prozent gegenüber dem Vergleichswert von 2019 erreicht werden. Schildknecht: „Bereits bis 2025 werden wir den eigenen CO2-Fußabdruck um 50 Prozent reduzieren und die CO2-Intensität in den Bilanz-Assets und dem Retail-Portfolio um 25 Prozent verringern. Wir machen Tempo.“

Zahlreiche Maßnahmen in vier Handlungsfeldern

 

Bei der Umsetzung seiner Nachhaltigkeitsstrategie will sich der Versicherer auf vier aus seiner Sicht entscheidende Rollen oder Bereiche konzentrieren. Um als Arbeitgeber die CO2-Reduzierungsziele in betrieblichen Abläufen bis 2030 zu erreichen, sollen unter anderem Dienstreisen per Auto oder Flugzeug eingeschränkt werden. Schon ab kommendem Jahr sollen keine Fahrzeuge mit reinem Verbrennungsmotor mehr angeschafft werden. E-Konferenzen und die Möglichkeit zu Homeoffice sollen Dienstreisen und Pendelverkehr minimieren, ohne dass die Kunden- und Beziehungspflege darunter leiden. Außerdem strebe man eine weitere Digitalisierung der Arbeitsprozesse an, um die Emissionen aus bedrucktem Papier drastisch zu verringern.

Auch in seiner Rolle als Investor und Berater zielt das Unternehmen in Sachen Produktportfolio auf Klimaneutralität ab. Bereits bis 2025 soll die CO2-Intensität der Bilanzanlagen um 25 Prozent, bis 2030 um 50 Prozent reduziert werden. Auch als Versicherer und Risikomanager will Zurich das Produkt- und Leistungsspektrum für seine Kunden stärker an Nachhaltigkeitskriterien ausrichten. So habe man bereits im Privatkundensegment eine Mobilitätsgarantie für Elektrofahrzeuge eingeführt und Absicherungsbausteine für Solar- und Photovoltaikanlagen entwickelt. Und im Industriekunden-Segment schließe das Underwriting-Portfolio die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus, die 30 Prozent ihrer Erträge durch die Förderung von Kohle, Ölsanden und Ölschiefer erwirtschafteten, mehr als 20 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr förderten oder die mehr als 30 Prozent ihres Stroms mit Kohle produzierten.

Weiteres Engagement in Klimaschutzprojekten

 

Hinzu komme das Engagement in langfristigen Projekten, lokal wie global. Ziel sei es, bis zum Jahr 2030 eine Spitzenposition bei Nachhaltigkeits-Rankings zu erreichen. Zu den konkreten Maßnahmen der Zurich Gruppe Deutschland zählt beispielsweise die Patenschaft eines Hochmoores im Chiemgau, das nun durch eine Spende des Konzerns renaturiert wird. Mit dem internationalen Projekt „Zurich Forest“ werde die Pflanzung von einer Million Setzlinge unterstützt. Eine weitere Initiative ist die Ausschreibung des „Planet Hero Awards“. Damit will der Versicherer Engagements auszeichnen, die dazu beitragen, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken, Biodiversität zu fördern oder die Ozeane zu schützen. Weltumsegler und Zurich-Partner Boris Herrmann ist Jurymitglied. Mit ihm stelle CEO Dr. Carsten Schildknecht – symbolisch – die neue Nachhaltigkeitsstrategie am Rande der derzeit stattfindenden „Kieler Woche“ vor.


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