09.03.2022 Digital

Allianz: Telematik-Baustein in der Kfz-Police bekommt digitalen Unfallmelder

Neues System „DriveDot“ soll für einfachere Schadenbearbeitung bei Telematik-Kunden sorgen. Die Einführung ist auch eine Reaktion auf den fortwährenden Kampf um wertvolle Daten mit den Autoherstellern.

Telematik: Sensoren zeichnen während der Fahrt Daten auf, zum Beispiel zu Geschwindigkeit, Beschleunigung sowie Brems- und Lenkverhalten. Über eine App werden diese Daten an den Versicherer übermittelt. (Foto: © metamorworks - stock.adobe.com)
Telematik: Sensoren zeichnen während der Fahrt Daten auf, zum Beispiel zu Geschwindigkeit, Beschleunigung sowie Brems- und Lenkverhalten. Über eine App werden diese Daten an den Versicherer übermittelt.
(Foto: © metamorworks - stock.adobe.com)
Die Allianz integriert in ihren Telematik-Baustein „BonusDrive“ in der Kfz-Versicherung einen digitalen Unfallmelder. Laut Anbieter werden damit Unfälle automatisch erkannt und weitergemeldet. Kern des Systems ist der „DriveDot“ – ein Sensor, der im Fahrzeug befestigt wird. Dieser registriert Unfallsituationen automatisch anhand von Erschütterungen. Über die „BonusDrive“-App wird das erkannte Ereignis an die Allianz übertragen und Kunden erhalten eine erste Push-Nachricht. Zusätzlich nehmen Mitarbeiter der Schadenabteilung telefonisch Kontakt zum Versicherungsnehmer auf. Sie sollen Tipps zum richtigen Verhalten am Unfallort geben, Hilfe anbieten und die ersten Schritte der Schadenregulierung besprechen. Kunden, die nicht erreichbar sind, finden das gleiche Angebot alternativ auch in der App.
 
„Das Besondere am Service der Allianz ist: Der Kunde erhält unmittelbar nach dem Unfall unsere aktive Unterstützung in dieser für ihn stressigen und ungewohnten Situation – ohne sich selbständig melden zu müssen. Unsere Kunden können dann entscheiden, ob und in welchem Umfang sie weitere Hilfe benötigen oder einen Schaden melden wollen“, sagt Jochen Haug, Schaden-Vorstand der Allianz Versicherungs-AG. 

Telematik ist weiterhin kein großer Erfolg beschieden

 
Die Allianz hatte ihren ergänzenden Telematik-Baustein für ihre Kfz-Tarife 2016 auf den Markt gebracht. Das Modell basiert auf der Erfassung, Übermittlung, Verarbeitung und Nutzung von Daten des Fahrzeugs und von verkehrsbezogenen Daten. Idee dahinter: Wer besonders vorsichtig und vorausschauend unterwegs ist, erhält am Ende des Versicherungsjahrs eine Prämienrückzahlung. Bei der Allianz sollen es bis zu 30 Prozent sein. Der große Erfolg blieb den Münchenern mit aktuell 350.000 Kunden bisher aber verwehrt. Diese Erfahrung teilt der Versicherer mit anderen Branchengrößen wie dem Marktführer HUK-Coburg, der ebenfalls stark auf das Thema setzt.
 
Problem: Bei Telematik-Tarifen gibt es immer wieder datenschutzrechtliche Bedenken. Sie sind auch oft teurer als herkömmliche Kfz-Policen, da das Erheben und Auswerten der Daten einen nicht unerheblichen Aufwand bedeutet, auch wenn es weitestgehend digitalisiert erfolgt. An diesen Widrigkeiten wird auch das neue digitale Tool sicherlich nichts ändern können. Dennoch soll der Unfallmelder nach einer im Juli 2021 begonnenen Testphase nun zu einem festen, kostenlosen Serviceangebot für alle Allianz-Autoversicherungskunden mit ‚BonusDrive“ werden.

Eigene Datenbasis als Antwort im Kampf gegen die Hersteller

 

Hinter der Allianz-Innovation steht eine weit größere Debatte: Um die Frage, wer die Daten der Onboard-Meldedienste nutzen darf und wer nicht, wird seit Jahren gestritten. Vor allem die Versicherer hatten gemahnt, dass die wertvollen Informationen nicht allein den Autoherstellern vorbehalten bleiben dürfen. Um einen Gegenpol zum europäischen Auto-Notrufsystem „E-Call“ zu etablieren, hatte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) deshalb bereits im April 2016 ein eigenes automatisches Notruf-System gestartet. Doch dessen Erfolg hält sich bisher in Grenzen. Auch nicht besser steht es um einen Allianz-Vorschlag aus dem Jahr 2018. Damals hatte der Konzern vorgeschlagen, dass ein unabhängiger Treuhänder über diese Daten wachen solle, auch Behörden könnten so Zugriff bekommen. Doch die Automobilbranche will das Treuhänder-Modell nicht mittragen. Es erzeuge zusätzliche Bürokratie und sei vor einem Missbrauch der Daten nicht sicher.

Allianz folgt dem Beispiel Tesla

 

Auch wenn die Versicherer sehr wahrscheinlich keine Daten aus dem „E-Call“-System erhalten, hat die Allianz den Kampf um diese Währung des digitalen Zeitalters offenbar noch nicht aufgegeben. Der Versicherer wird nun wahrscheinlich versuchen sich ähnlich wie der Autobauer Tesla, der vor Kurzem eine eigene Kfz-Versicherung auf Telematik-Basis vorgestellt hat, eine interne Datenbasis aufzubauen. Dabei könnte das Telematik-Angebot der Testballon für den kompletten Bestand werden. Zudem hat die Allianz mit dem internationalen Modulaufbau die Möglichkeit, den Unfallmelder auch außerhalb von Deutschland auszubauen.


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