19.09.2022 Sparten/Produkte

Cyberrisiken: Industrie greift zur Selbsthilfe

Steigende Schadensvolumina machen Cyberversicherungen für die Assekuranz zunehmend uninteressant. Sie erhöhen steig die Preise und ziehen Kapazitäten zurück. Mehrere große Industriekonzerne haben sich jetzt zusammengetan, um das Risiko selbst zu schultern.

Angriffe auf die Datenintegrität von Unternehmen bergen hohe finanzielle Risiken. (Foto: Pete Linforth/Pixabay )
Angriffe auf die Datenintegrität von Unternehmen bergen hohe finanzielle Risiken.
(Foto: Pete Linforth/Pixabay )

Selbst ist der Versicherer: Das scheint das Motto mehrerer deutscher Industrieunternehmen zu sein, die sich jetzt zusammengeschlossen haben, um die Risiken von Cyberangriffen gemeinschaftlich abzusichern. Wie die „Süddeutsche Zeitung” (SZ) berichtet, haben der Flugzeugbauer Airbus, der Chemieriese BASF, der Reifenhersteller Michelin und der Werkstoffproduzent Solvay einen eigenen Versicherer gegründet, um sich umfassend gegen Cyberrisiken abzusichern.

Lobby begrüßt Eigeninitiative



Die Gesellschaft mit dem Namen „Miris“ soll in Brüssel sitzen und als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit arbeiten. Er gehört mithin seinen Mitgliedern und bietet nur ihnen Versicherungsschutz. Allerdings wollen die Gründungsmitglieder offenbar weitere Teilnehmer für den Verein gewinnen. Die SZ zitiert Alexander Mahnke, CEO Insurance bei der Siemens Financial GmbH. Er begrüßt die Gründung: „Die aktuelle Initiative ist nicht unbedingt die letzte“, sagt er. Mahnke ist auch Vorsitzender des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW), dessen Jahrestagung kürzlich in München stattfand. Dort hagelte es bereits Kritik vonseiten der Industrie in Richtung Assekuranz.


Versicherer auf dem Rückzug

Hintergrund des Schrittes ist, dass die Unternehmen bei Versicherern oft nicht mehr den gewünschten Schutz finden. Besonders schwierig sei laut SZ die Lage in der Managerhaftpflicht (D&O-Versicherung) und der Cyberversicherung, mit der sich die Firmen vor den Folgen von Hackerangriffen und Datenlecks absichern. Nach hohen Schäden hätten die Versicherer die Reißleine gezogen und nicht nur die Preise drastisch erhöht, sondern auch die Kapazitäten heruntergefahren. Viele Unternehmen bekämen auch von mehreren Versicherern nicht mehr den Schutz, den sie suchen - statt 100 Millionen Euro gebe es oft nur 30 Millionen Euro. Der führende Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty etwa lehne drei Viertel aller Anfragen ab.


Risiken und Nebenwirkungen



Abhilfe soll nun der neue Cyberversicherer „Miris“ – ein Kunstwort, das vom lateinischen Adjektiv „mirus” (wunderbar, erstaunlich) abgeleitet sein könnte – bringen. Die Gesellschaft soll nicht gewinnorientiert arbeiten und zunächst jedem Mitglied eine Kapazität von 25 Millionen Euro bereitstellen können. Die SZ weist allerdings darauf hin, dass Gegenseitigkeitsvereine allerdings auch Risiken für die Mitglieder bergen. Bei privatwirtschaftlich organisierten gewinnorientierten Gesellschaften trägt der Versicherer das Risiko, dass die Prämien reichen. Bei Vereinen wie Miris könne es dagegen vorkommen, dass die Kunden als Mitglieder weitere Zahlungen leisten müssen, wenn Schäden und Kosten höher sind als erwartet. Immerhin dürfen die teilnehmenden Unternehmen als recht finanzstark gelten.


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