13.09.2021 Sparten/Produkte

map-report: Wer macht das Rennen in der PKV?

Franke und Bornberg vergibt in ihrem „Bilanzrating private Krankenversicherung 2020“ vier Mal die Höchstnote. An der Spitze hält sich die Alte Oldenburger. Die Schwergewichte Allianz und Debeka sind nicht in der Spitzengruppe vertreten. Insgesamt driftet der Markt auseinander.

Der „map-report“ will mehr Markttransparenz in der PKV schaffen und Vermittler bei einer unabhängigen und objektiven Beratung unterstützen. (Foto: PhotoDoc/Shotshop/uniVersa)
Der „map-report“ will mehr Markttransparenz in der PKV schaffen und Vermittler bei einer unabhängigen und objektiven Beratung unterstützen.
(Foto: PhotoDoc/Shotshop/uniVersa)

Das Geschäft der privaten Krankenversicherer (PKV) ist stark von äußeren Einflüssen betroffen, die Gesellschaften driften weiter auseinander und unterteilen sich zunehmend in schrumpfende, stagnierende und wachsende Unternehmen. Und: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche sind bisher weitaus geringer als auf andere Wirtschaftszweige. Das sind die zentralen Ergebnisse des aktuellen „map-report 920“ der Rating-Agentur Franke und Bornberg. Zur Einordnung der Ergebnisse wird das Rating durch eine vollständige Bilanzanalyse für die Jahre 2016 bis 2020 ergänzt.

Alte Oldenburger liegt weiterhin an der Spitze

 

Der „map-report“ zeigt: Die Alte Oldenburger hat unter den privaten Krankenversicherern im betrachteten Zeitraum die erfolgreichsten Bilanzkennzahlen. Das Unternehmen aus Vechta verteidigte einmal mehr die Position als bilanzstärkster privater Krankenversicherer im Rating mit 261 (87,0 Prozent) von insgesamt 300 Punkten. Wie im Vorjahresrating zählen auch LVM, R+V und SIGNAL IDUNA zur Spitzengruppe. Sie alle wurden mit der neu eingeführten Bewertungskategorie „mmm+“ für exzellente Leistungen ausgezeichnet. Die hervorragenden Ergebnisse des Vorjahres mit der Bewertung „mmm“ wiederholten auch die VGH Provinzial, uniVersa sowie die Hallesche. Der Münchener Verein führt das Feld der mit „mm“ für sehr gute Leistungen bewerteten Unternehmen an. Daneben gingen noch neun weitere Versicherer mit einem sehr guten Ergebnis aus dem Rennen; darunter auch die Branchengrößen Debeka (71,7 Prozent), Allianz (68,7 Prozent) und Generali (65,0 Prozent).

Krankenvollversicherung verliert Versicherte

 

Sorgenkind der Branche bleibt aus Sicht von Franke und Bornberg die Krankenvollversicherung. Dabei halten die meisten Gesellschaften konkrete Zahlen zur Entwicklung ihres Neugeschäfts in der Vollversicherung noch immer unter Verschluss. Ausnahmen sind unter anderem die Debeka, die für 2020 einen Neuzugang in der Vollversicherung von 84.055 Versicherten aufführt, oder die Allianz mit einem Plus von 10.398 Neukunden. Marktumfassend bleibt aber nur der Umweg über die Bestandsentwicklung, um Rückschlüsse auf das Neugeschäft ziehen zu können. Demnach konnten zwölf der 31 Anbieter mit Vollversicherten in den Büchern die Bestände ausbauen. In absoluten Werten dominierte die Debeka das Feld mit einem Plus von 34.120 Kunden, gefolgt von HanseMerkur (11.058) und ARAG (5790). Den größten Bestandsabrieb mussten wie in den Vorjahren die DKV (-16.469), Allianz (-9258) und Bayerische Beamtenkrankenkasse (-6327) verkraften.

Beitragseinnahmen wieder stärker gestiegen

 

Trotz Corona stiegen im Jahr 2020 die verdienten Bruttobeiträge der privaten Krankenversicherer um 4,5 Prozent (Vorjahr: 3,0 Prozent) auf 42,7 Milliarden Euro. Überdurchschnittliche Zuwächse der Beitragseinnahmen verbuchten Concordia (11,9 Prozent), Nürnberger (10,8 Prozent), ARAG (9,6 Prozent) und VGH (9,3 Prozent). Von den Schwergewichten mit mehr als einer Milliarde Euro Beitragseinnahmen befanden sich vor allem die Bayerische Beamtenkrankenkasse (7,1 Prozent), HanseMerkur (5,78 Prozent), HUK-COBURG (5,7 Prozent), AXA (5,3 Prozent) und Debeka mit 5,1 Prozent auf Wachstumskurs. Neben Kündigungen, Neuabschlüssen und Tarifwechseln innerhalb der privaten Krankenversicherung, wirken sich auch Übertritte zur und von der gesetzlichen Krankenversicherung, Geburten, Todesfälle und die oft im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Prämienanpassungen auf die Entwicklung der Beitragseinnahmen aus. Welche Anteile diese Variablen an den Prämien der einzelnen Versicherer haben, lässt sich den Jahresabschlüssen allerdings nicht entnehmen.

Kostenquoten sinken leicht

 

Insgesamt gab die PKV 925,4 Millionen Euro für Verwaltungskosten aus und bewegt sich damit um 1,8 Prozent über Vorjahresniveau. Die Verwaltungskostenquote ging dabei von 2,22 auf 2,17 Prozent leicht zurück. Die niedrigste Verwaltungskostenquote hatte erneut die HUK-COBURG mit 0,90 Prozent, gefolgt von der Debeka (1,36 Prozent) und der R+V (1,56 Prozent) Werte von unter zwei Prozent wiesen auch Alte Oldenburger, Landeskrankenhilfe, AXA, VRK, HanseMerkur und UKV aus.

Die Abschlusskostenquote ist im Durchschnitt ebenfalls gefallen, von 6,41 auf 6,29 Prozent. Tatsächlich sinkt in einer wachstumsschwachen Phase üblicherweise der Abschlusskostensatz, erläutert Franke und Bornberg. Das war bei der Mehrzahl der Unternehmen, wie beispielsweise SIGNAL IDUNA, Allianz, DKV oder SDK, auch so. Es gibt aber nach wie vor Anbieter, die den Bestandsabrieb trotz steigender Abschlussaufwendungen nicht stoppen konnten. Trotz Deckelung der Abschlusskosten und offenbar schwachem Neugeschäft sind die Aufwendungen für Vertragsabschlüsse in den vergangenen Jahren kaum gesunken.

Bewertungsreserven profitieren weiter vom Zinstief

 

Bei den Bewertungsreserven ging es indes für fast alle Anbieter das zweite Jahr in Folge steil bergauf. Während die Versicherer seit Jahren branchenübergreifend unter dem Zinsniveau leiden, waren es gerade die Niedrigzinsen, die Bewertungsreserven in den Kapitalanlagen weiter ansteigen ließen. 2018 verzeichneten noch sämtliche Anbieter teils dramatische Rückgänge der Bewertungsreservequote. Die höchsten Werte hatten die Hallesche und INTER mit jeweils 27,8 Prozent gefolgt von der Allianz mit 26,1 Prozent. Im Branchendurchschnitt stieg der Anteil der Bewertungsreserven an den gesamten Kapitalanlagen von 17,4 auf 18,9 Prozent.

map-report: Bilanzrating Private Krankenversicherung 2020

Der „map-report Nr. 920 - Bilanzrating Private Krankenversicherung 2020“ bietet auf 129 Seiten eine umfangreiche Marktübersicht über die wichtigsten Finanz- und Bestandskennzahlen der Branche. Mit insgesamt 26 Kennzahlen und Einzelauswertungen für rund 30 Unternehmen wird die Entwicklung der Branche aufbereitet.

Für einen vollständigen Unternehmensvergleich werden neben Bilanzkennkennzahlen weitere Faktoren berücksichtigt, z. B. die Dienstleistungsqualität (Service, Beratung und Betreuung) und Beitragsentwicklung. Hierzu werden in den Geschäftsberichten keine Daten veröffentlicht und deshalb in den Bilanzanalysen auch nicht aufgeführt. Aus diesem Grund erstellt der „map-report“ neben diesem Bilanzrating jedes Jahr ein umfassendes PKV-Rating. Die Neuauflage ist für Ende Oktober vorgesehen.

Interessenten können sich an service@fb-research.de wenden oder den „map-report“ online bestellen.  Eine kostenlose Basisinformation stellt Franke und Bornberg unter diesem Link bereit.


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