29.06.2021 Sparten/Produkte

Pflegezusatz­versicherung per Tarif­vertrag kommt

Über 500.00 Beschäftigte der Chemie- und Pharmaindustrie bekommen ab 1. Juli eine arbeitgeberfinanzierte zusätzliche Pflegeabsicherung. Das Konzept „CareFlex Chemie“ wird mit der R+V und Barmenia über ein Konsortium umgesetzt.

Die private Pflegezusatzversicherung fristet bisher eher ein Schattendasein. Die Ausdehnung auf die Arbeitswelt als tarifvertragliche Leistung könnte ihr einen Schub geben. (Foto: © studio v-zwoelf – stock.adobe.com)
Die private Pflegezusatzversicherung fristet bisher eher ein Schattendasein. Die Ausdehnung auf die Arbeitswelt als tarifvertragliche Leistung könnte ihr einen Schub geben.
(Foto: © studio v-zwoelf – stock.adobe.com)

Novum zum 1. Juli: An diesem Tag startet die bundesweit erste tarifliche Pflegezusatzversicherung für eine ganze Branche. Mit „CareFlex Chemie“ erhalten die Beschäftigten der Chemie- und Pharmaindustrie eine bessere Absicherung gegen die finanziellen Risiken einer Pflegebedürftigkeit. Ausgehandelt haben dies der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Die Versicherungstochter der Hamburger Netfonds Gruppe, die NVS Netfonds Versicherungsservice, wird die Verwaltung übernehmen.

Ausdehnung auf außertariflich Beschäftigte

 

Neben den 450.000 Tarifbeschäftigten aus 1900 Betrieben der chemischen und pharmazeutischen Industrie in Deutschland können die außertariflichen und leitenden Angestellten der Unternehmen zu identischen Konditionen abgesichert werden. Diese Möglichkeit wird zum 1. Juli bereits für etwa 90.000 der 130.000 Angestellten dieser Gruppe genutzt, so dass insgesamt 540.000 von 580.000 Beschäftigten der Branche über „CareFlex“ versichert werden.

Beschäftigte bekommen im Leistungsfall festes Pflegemonatsgeld

 

Wer nach dem 1. Juli 2021 pflegebedürftig wird, erhält zusätzlich zu den Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung ein fest vereinbartes Pflegemonatsgeld von 300 Euro bei ambulanter Pflege oder 1000 Euro bei stationärer Pflege. Durch die Absicherung aller Tarifbeschäftigten der Branche entfällt die individuelle Gesundheitsprüfung. Den monatlichen Beitrag von 33,65 Euro je Beschäftigten trägt der Arbeitgeber. Bei einem Wechsel der Branche oder mit Renteneintritt kann der Arbeitnehmer die Versicherung eigenfinanziert fortsetzen.

„Als erste Branche sichert die Chemie ihre Beschäftigten für den Pflegefall ab“, so BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller. „Damit greifen wir ein Thema auf, das zu oft unter dem Radar fliegt." CareFlex Chemie habe das Zeug, „ein weiteres schlagkräftiges Argument für unsere Branche im Wettbewerb um die besten Köpfe zu werden.“
Ralf Sikorski, stellvertretender Vorsitzender der IG BCE, ergänzt: „Gute Tarifpolitik schützt die Beschäftigten und leistet einen Beitrag zur Lösung gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen. Mit CareFlex Chemie gelingt uns beides. Diese Innovation ist schon am Tag ihres Starts ein Erfolgsmodell: Das zeigt ihre rasante Ausdehnung auf außertarifliche und leitende Beschäftigte – und das große Interesse der Menschen, den Schutz privat auf die eigene Familie zu erweitern.“

Konsortium mit zwei Großversicherern

 

BAVC und IG BCE setzen „CareFlex Chemie“ mit den namhaften Versicherern R+V Krankenversicherung AG und Barmenia Krankenversicherung AG in einem Konsortium um. Ein Pflegebeirat sichert den Sozialpartnern dabei Kontrollrechte. Das Konsortium garantiert den kollektiven Beitrag von 33,65 Euro pro Monat sowie die dargestellten Leistungen bis Ende 2023. Anpassungen des Beitrags oder der Leistungen sind ab 2024 möglich, wenn ein externer Treuhänder dies nach Prüfung objektiver Rahmenbedingungen bestätigt. Für die Tarifpartner ist laut einer gemeinsamen Erklärung entscheidend, dass sich diese Anpassungen nicht automatisch vollziehen und der Zustimmung beider Seiten bedürfen.

Familienmitglieder können befristet mitversichert werden

 

Beschäftigte haben die Möglichkeit, die eigene tarifliche Pflegezusatzversicherung in den Leistungen flexibel und mit verkürzter Gesundheitsprüfung aufzustocken, etwa durch Erhöhung des Pflegemonatsgeldes im ambulanten Bereich oder bei der stationären Pflege („CareFlex Aufstockung“). Ehe- und Lebenspartner sowie Kinder der versicherten Beschäftigten können befristet mit einer verkürzten Gesundheitsprüfung privat abgesichert werden, während Eltern, Schwiegereltern und Enkel ebenfalls befristet mit normaler Gesundheitsprüfung versichert werden können („CareFlex Familie“).


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