05.01.2022 Sparten/Produkte

Zusatzbeiträge: Viele Versicherte werden stärker zur Kasse gebeten

Zum Jahreswechsel haben 19 von 97 gesetzlichen Krankenkassen den Zusatzbeitrag erhöht, um ihr Budget zu decken. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Krankenkassen-Chefs erwarten nun von der Politik Lösungsvorschläge.

Der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent und ist für die meisten Krankenkassen nicht kostendeckend. Deshalb dürfen die Krankenkassen seit 2015 einen Zusatzbeitrag erheben. (Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)
Der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent und ist für die meisten Krankenkassen nicht kostendeckend. Deshalb dürfen die Krankenkassen seit 2015 einen Zusatzbeitrag erheben.
(Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)

Mehr als jeder Vierte der 73 Millionen gesetzlich Versicherten muss in diesem Jahr höhere Beiträge an seine Krankenkasse zahlen. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ auf Grundlage einer Auswertung der zu Jahresbeginn vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen veröffentlichten Beitragsliste.

Große Kassen erhöhen Zusatzbeitrag

 

Demnach haben nun 19 von 97 gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) den Zusatzbeitrag für das Jahr 2022 erhöht. Darunter befinden sich neun der insgesamt elf Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK). Allein dort sind knapp 21 Millionen Menschen versichert. Den Beitrag gesenkt haben zum Jahreswechsel lediglich neun sehr viel kleinere Betriebskrankenkassen (BKK). Die teuerste aller gesetzlichen Krankenkassen ist 2022 die bundesweite BKK24 mit einem Satz von 17,1 Prozent, die günstigste die BMW BKK mit 14,9 Prozent. Bei allen Kassen setzt sich der Beitrag aus dem allgemeinen Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 58.050 Euro und einem Zusatzbeitrag zusammen, den jede Kasse für sich festlegen kann. Eine langjährige Übersicht der Zusatzbeiträge mit Darstellung der aktuellen Anpassungen gibt er hier.

Steigende Zuschüsse können steigende Kosten offenbar nicht auffangen

 

Die steigenden Kosten im Gesundheitswesen setzen den Kassen stark zu. Deren Leistungsausgaben sind nach Angaben des GKV-Spitzenverbands zwischen 2016 und 2020 von 210 auf mehr als 248 Milliarden Euro geklettert. Ohne die Corona-Pandemie wäre der Anstieg voraussichtlich sogar noch stärker ausgefallen. Als größte Kostentreiber gelten die Alterung der Gesellschaft und der medizintechnische Fortschritt. Zur Stabilisierung der Beitragssätze leistet der Bund ergänzende Bundeszuschüsse an die GKV. Sie beliefen sich vergangenes Jahr auf knapp 19 Milliarden Euro und klettern 2022 sogar auf rund 29 Milliarden Euro. 

DAK befürchtet „Beitragstsunami“

 

Die Krankenkassen schlagen Alarm und sehen nun die neue Bundesregierung in der Pflicht. Aus ihrer Sicht droht ein rasanter Anstieg der Beiträge. „Wenn die Politik nicht aktiv gegensteuert, wird es 2023 einen Beitragstsunami geben“, sagt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. Der Chef der drittgrößten GKV geht davon aus, dass ohne den zusätzlichen Bundeszuschuss in Höhe von 14 Milliarden Euro die Beiträge schon 2022 im Durchschnitt nicht nur um 0,1 Prozentpunkte, sondern um einen Prozentpunkt gestiegen wären. „Wir brauchen jetzt dringend einen schonungslosen Kassensturz für die Finanzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bis zum Jahr 2025“, sagt Storm. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) müsse mit dem Haushaltsplan, den er Anfang März vorlegt, die Frage beantworten, wie es mit der GKV-Finanzierung weitergeht. 

AOKs sehen sich durch neuen Verteilungsschlüssel zusätzlich belastet

 

Ähnlich pessimistisch äußerte sich Carola Reimann, neue Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, gegenüber der „Welt am Sonntag“: „Die finanzielle Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung GKV hat sich zuletzt verdüstert.“ Drohende Milliardenlöcher in den Jahren 2021 und 2022 hätten nur durch staatliche Sonderzuschüsse und den Rückgriff auf Kassenreserven gestopft werden können. Bei den AOKs sei hinzugekommen, dass ein neuer Verteilungsschlüssel der Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds massiv zu ihren Lasten gegangen sei. Das alles habe Beitragsanpassungen notwendig gemacht. „Und auch für das Jahr 2023 zeichnen sich schon wieder GKV-Defizite in ähnlicher Größenordnung ab“, so Reimann.


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