29.12.2021 Sparten/Produkte

Riester-Bestand sinkt weiter

2022 wird für die Riesterrente ein entscheidendes Jahr. Die Branche wartet auf Reformen. Neueste Zahlen des Bundesarbeitsministeriums zeigen, dass die Bestände mit über 16 Millionen Verträgen weiterhin hoch sind. Statt eines Einbruchs gibt es einen sich verstetigenden Rückgang.

Nach dem Riester-Modell werden private Beiträge zum Aufbau einer zusätzlichen kapitalgedeckten Altersvorsorge seit dem Jahr 2002 durch Zulagen bzw. steuerlich gefördert. (Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)
Nach dem Riester-Modell werden private Beiträge zum Aufbau einer zusätzlichen kapitalgedeckten Altersvorsorge seit dem Jahr 2002 durch Zulagen bzw. steuerlich gefördert.
(Foto: © Coloures-Pic - stock.adobe.com)

Der Bestand an staatlich geförderten Riester-Verträgen ist weiter gesunken. Das geht aus der neuen Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hervor. Demnach bestanden zum Ende des dritten Quartalls 2021 noch 16,212 Millionen Verträge. Das sind 71.000 Verträge weniger als Ende Juni und 158.000 Policen weniger als zu Jahresbeginn. Auch wenn das Produkt mit diesen Zahlen die erfolgreichste freiwillige private Altersvorsorge der Welt bleibt, ist der Trend unübersehbar: Seit 2015 stagnierten die Riester-Bestandszahlen, nun fallen sie sogar. Und der Abstieg dürfte sich fortsetzen, da viele Gesellschaften fürs kommende Jahr ihren Ausstieg aus dem Neugeschäft angekündigt haben. Experten und Politik sind sich seit langem über den Reformbedarf der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge einig, doch passiert ist bisher kaum etwas.

Wohn-Riester aktuell am meisten unter Druck

 

Zurück zur Statistik: Der größte Verlierer bei der vor rund 20 Jahren von SPD-Arbeitsminister Walter Riester erfundenen Zulagenrente ist aktuell der Wohn-Riester (Eigenheimrente). Zwischen Juli und September gingen gleich 27.000 Verträge verloren, nachdem diese Sparte im zweiten Quartal noch um 3000 Verträge zulegen konnte. Hier liegt die Zahl der Verträge nun bei 1,75 Millionen. In den vergangenen Jahren hatten Policen über Versicherungen die größten Einbußen hinnehmen müssen. Zwar bleibt die Assekuranz mit knapp zwei Drittel der Verträge (65,2 Prozent) noch Spitzenreiter über alle Vertragsarten, verliert aber weiter an Boden. Stand Ende des dritten Quartals gab es noch 10,62 Millionen Verträge. Damit gingen in den Monaten Juli bis September 21.000 Verträge verloren. Der Höchststand hatte 2014 bei knapp über elf Millionen Verträgen gelegen.

Nur bedingte Aussagekraft

 

Die Zahlen sind allerdings nur bedingt aussagekräftig. Bei den ausgewiesenen Riester-Verträgen handelt es sich laut Ministerium um den Bestand (bereinigt um stornierte Verträge). Der Anteil der ruhend gestellten Verträge (aktuell keine Beitragsleistungen in der Ansparphase) wird auf gut ein Fünftel geschätzt. In konkreten Zahlen würde dies bedeuten, dass rund 3,25 Millionen Verträge derzeit nicht mit Beiträgen bedient werden. Ohnehin lässt die Zahl der Verträge keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Anzahl der Personen zu, die laufend einen Riester-Vertrag besparen und eine staatliche Förderung erhalten. Dies liegt daran, dass eine Person mehrere Riester-Verträge abschließen kann oder Verträge auch dauerhaft ungefördert bleiben können. Die Bestandszahl dürfte auch deshalb nur bedingt stichhaltig sein, weil eben nur Verträge in der Ansparphase gezählt werden. Inzwischen befinden sich jedoch viele Policen bereits in der Rentenphase. Dazu gibt es allerdings keine Zahlen.


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