18.12.2023 Studien | Tests

Bester Schutz für den Rechtsfall

Von Anwaltsgebühren bis Zeugengeldern – wer sein Recht durchsetzen will, muss mit hohen Kosten rechnen. FOCUS MONEY-Versicherungsprofi hat top Rechtsschutztarife für Familien und Singles einem Vergleich unterzogen.

Wer sein Recht durchsetzen will, braucht in der Regel einen langen Atem und ausreichend finanzielle Mittel. Ein guter Rechtsschutz kann für die nötige Chancengleichheit zwischen den Streitparteien sorgen. (Foto: MasterTux/Pixabay)
Wer sein Recht durchsetzen will, braucht in der Regel einen langen Atem und ausreichend finanzielle Mittel. Ein guter Rechtsschutz kann für die nötige Chancengleichheit zwischen den Streitparteien sorgen.
(Foto: MasterTux/Pixabay)

Rechtsbeistand und Prozess gehen in die Tausende.

Ob Ärger mit dem Nachbarn, Streit mit dem Arbeitgeber oder Zoff mit dem Unfallgegner – in Deutschland gibt es jährlich rund 2,5 Millionen Prozesse vor Zivilgerichten. Die Verfahrenskosten können erheblich sein. Doch eine große Mehrheit von 77 Prozent der Bevölkerung schätzt die finanzielle Belastung durch einen Rechtsstreit zu niedrig ein, so eine Umfrage des Branchenverbands GDV. Mit Beginn des Jahres 2021 ist eine deutliche Erhöhung der Gebührensätze eingetreten. Damit ist es um zehn Prozent teurer geworden, sein Recht einzuklagen. Bei einem Streitwert von 15.000 Euro liegen die eigenen Kosten für Anwalt und Gericht jetzt schon bei 3132 Euro, das sind rund 300 Euro mehr als vor der Gebührenreform. Über zwei Instanzen summiert sich das eigene finanzielle Risiko dann bis auf 11.420 Euro – ohne dass Sachverständige schon berücksichtigt sind. Für den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung gibt es also gute Gründe. Mit einer Verbreitung von 46 Prozent in den Haushalten belegt sie nach Haftpflicht, Kfz und Hausrat immerhin den vierten Rang.

Wofür die Rechtsschutzpolice leistet – und wofür nicht.

Der Leistungsumfang einer Rechtsschutzpolice erstreckt sich in der Regel auf Bereiche wie Privat, Beruf, Verkehr und Wohnen. Allerdings gibt es kein Rundum-Sorglos-Paket, das alle Leistungen enthält und abdeckt. Je nach Konstellation – Single oder Familie – und entsprechenden Bedürfnissen können Versicherte sich ihren Schutz nach einer Art Baukastensystem variabel zusammenstellen. In den vereinbarten Segmenten übernimmt die Versicherung die gesetzlichen Anwaltsgebühren eines vom Versicherten gewählten Rechtsanwalts, die Gerichtskosten, Zeugengelder und gerichtliche Sachverständigenhonorare sowie die Kosten des Gegners, soweit der Versicherte für diese geradestehen muss. In der Regel ausgeschlossen sind unter anderem Auseinandersetzungen in den Bereichen Bauen und Baufinanzierung, Immobilien- und Grundstückseigentum, Urheber-, Marken- und Patentrecht, Kapitalanlagen, Spiel- und Wettverträge sowie Eheschließungen. Rechtsschutz für Mieter und Eigentümer muss extra hinzugebucht werden und ist in den Tarifvergleichen nicht enthalten.

Leistungs-Hürde: ab 150 Punkten im Ranking.

Für den Vergleich von Rechtsschutzversicherungen wurden eine Familie und ein Single gewählt. Das Portal versicherungsvergleiche.de hat die Tarife nach einem Punktesystem bewertet. Berücksichtigt haben wir nur jene, die mindestens 150 Punkte erreichen. Untersucht wurden der Deckungsumfang, die versicherten Kosten und die Leistungen in den einzelnen Feldern Privatrechtsschutz, Berufsrechtsschutz und Verkehrsrechtsschutz sowie Spezial-Straf-Rechtsschutz, der aber nicht in allen Tarifen enthalten ist. Hier sind etwa Strafkautionen mitversichert. Nimmt der Kunde im Ernstfall einen von der Versicherung vorgeschlagenen Anwalt in Anspruch? Dann ist die Selbstbeteiligung (SB) niedriger. Auch schadenfreie Jahre können Einfluss auf die SB haben.

Viele Anbieter unter 300 Euro Jahresbeitrag.

Bei der Familie bleiben sechs Anbieter unter 300 Euro Jahresbeitrag. Gemessen an Preis und Leistung schneidet der Tarif Flex von KS/AUXILIA am besten ab. Er hat mit 237 Euro den günstigsten Preis und erzielt mit 183 Punkten die zweithöchste Wertung. Der wesentliche Unterschied zum Tarif von BavariaDirekt, der die maximale Punktzahl von 192 erreicht, liegt beim Spezial-Straf-Rechtsschutz. Er ist bei KS/AUXILIA nicht mitversichert. Ein Straf-Rechtsschutz-Modul bieten bei der Familienversicherung nur die Tarife von Conceptif, Arag, BavariaDirekt und BGV. Der günstigste Anbieter in dieser Gruppe ist Conceptif. Dass der Tarif nur auf 153 Punkte kommt, liegt an der relativ niedrigen Versicherungssumme.

Gemessen an Preis und Leistung schneidet beim Single-Vergleich der Tarif von Deurag mit 175 Punkten und einer Jahresprämie von 224 Euro am besten ab. Der Top-Tarif der KS/AUXILIA mit 183 Punkten taucht bei den Single-Tarifen nicht auf. Das liegt an der hohen SB von 500 Euro, die nicht ins Auswahlraster passt. Wer das aber akzeptiert, kann den Tarif als Single für 183 Euro im Jahr abschließen. Auch bei Alleinstehenden haben nur einige Tarife einen Spezial-Straf-Rechtsschutz (Conceptif, Arag, Advocard und BavariaDirekt). Fast immer ist der Versicherungsschutz für Singles etwas günstiger, weil nur eine Person versichert ist.

Rechtsschutz für Familien und Singles im Preis-Leistungs-Vergleich

Ein 35-jähriger Familienvater schließt eine Rechtsschutzversicherung für Privatrechtsschutz, Berufsrechtsschutz und Verkehrsrechtsschutz ab. Die Selbstbeteiligung liegt in der Regel bei maximal 300 Euro. Das Ranking richtet sich nach dem Preis, bei Preisgleichheit nach Leistungspunkten. Die Anbieter mussten mindestens 150 Punkte erreichen. Pro Anbieter wurde ein Tarif berücksichtigt.

Ein 35-jähriger Single schließt eine Rechtsschutzversicherung in den Bereichen Privatrechtsschutz, Berufsrechtsschutz und Verkehrsrechtsschutz ab. Die übrigen Bedingungen sind unverändert.


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