13.05.2019 Tarifvergleich

Kfz-Versicherung für Stromer unter der Lupe

Der Kfz-Versicherungsschutz für Elektro-Autos ist für die Assekuranz noch Neuland. Der Versicherungsprofi hat den Markt eingehend untersucht und günstige Anbieter für vier Modelle ermittelt.

Kfz-Versicherungstarife für Elektrofahrzeuge sind manchmal günstigter als für einen vergleichbaren Verbrenner. (Foto: OpenClipart-Vectors/Pixabay)
Kfz-Versicherungstarife für Elektrofahrzeuge sind manchmal günstigter als für einen vergleichbaren Verbrenner.
(Foto: OpenClipart-Vectors/Pixabay)

Elektrofahrzeuge im Trend.

Die Verbreitung von Elektroautos in Deutschland nimmt Fahrt auf. 2018 stieg die Zahl der Neuzulassungen um 30.000 oder 55 Prozent. An Neujahr 2019 waren 83.175 Stromer registriert. Vor fünf Jahren waren es erst rund 12.000. Doch wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus? Ob Benziner, Diesel oder E-Auto: Ohne Haftpflichtversicherung geht es nicht. Doch dürfen die Kunden bei den Versicherungsprämien für Stromer mit Preisvorteilen rechnen? Das hat Versicherungsprofi-Online eingehend untersucht. Die Vergleichsrechnungen beziehen sich auf einen 35-jährigen Angestellten mit der Schadenfreiheitsklasse 10. Die Neufahrzeuge sind jeweils in Hamburg zugelassen und wurden nicht finanziert. Der Versicherungsschutz ist umfassend und hat mindestens Standard-Niveau, wie die Tarifbezeichnungen Komfort, Auto Plus oder Optimal zeigen. Alle Tarife erfüllen folgende Mindestanforderungen: Die Versicherungssumme beträgt 100 Millionen Euro und es gibt freie Werkstattwahl. Versichert sind die Folgen von Tierbissschäden, grobe Fahrlässigkeit und umfangreiche Sonderausstattungen. Außerdem beinhalten die Policen eine erweiterte Wildschadenklausel. Da es sich um Neuwagen handelt, wird eine Neuwertentschädigung von mindestens zwölf Monaten vorausgesetzt. Der Versicherungsnehmer wählt neben der obligatorischen Haftpflichtversicherung eine Vollkasko mit 300 Euro Selbstbeteiligung inklusive einer Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.

E-Auto gegen Verbrenner.

Für den Tarifvergleich wurden Fahrzeuge ausgewählt, zu denen es vom jeweiligen Hersteller ein Elektro- und ein Benzinmodell mit annähernd vergleichbarer Leistung gibt. Die Elektroautos von Renault, Smart und BMW gehören zu den häufigsten versicherten E-Modellen. Die Berechnungen der jeweils zehn günstigsten Anbieter erfolgten mit der Nafi-Software, wobei jeweils nur ein Tarif eines Anbieters berücksichtigt wurde. Einzig der Versicherungsnehmer fährt die Autos, und zwar 12.000 Kilometer pro Jahr. Die Fahrzeuge sind Erstwagen, sie werden auf ungesicherten Stellplätzen abgestellt. Der Versicherungsnehmer hat kein Wohneigentum, ist aber ADAC-Mitglied.

Bavaria Direkt und Condordia überzeugen.

Noch gibt es kaum besondere Tarife für Elektroautos. In unserem Vegleich weisen lediglich Bavaria Direkt mit dem Tarif Komfort M Elektro und Concordia mit Premium oecodrive solche Policen aus. Concordia kann beim BMW i3 punkten. Die Versicherung gewährt einen Elektro-Bonus von 15 Prozent und der Zusatzbaustein oecodrive enthält umfangreiche Extraleistungen etwa eine Allrisk-Deckung für den Antriebsakku. Die Folgeschäden von Kurzschlüssen sind bis 20.000 Euro abgesichert, was auch für den Tarif Komfort M Elektro von Bavaria Direkt gilt. Mitversichert sind ebenso Ladekabel und die eigene Ladestation. Im Plus-Tarif der R+V, die sich bei allen Elektro-Modellen unter den Top Ten behaupten kann, sind fest montierte Wandladestationen bis 1000 Euro mitversichert. Bei einem Totalschaden des Akkus etwa durch Brand erstattet die Versicherung wie bisher in den ersten 24 Monaten den Neupreis. In der Kaskoversicherung sind Ladekabel (bis 1000 Euro) mit abgedeckt, wenn sie gestohlen werden. 

Die Top-Ten-Tarife für E-Autos und Benziner im Vergleich:

Der 35-jährige Versicherungsnehmer fährt das Fahrzeug allein (SF 10). Die Standardtarife beinhalten Haftpflicht mit Vollkasko (300 Euro SB) und Teilkasko (150 Euro SB) sowie freie Werkstattwahl, Neuwertentschädigung (mind. zwölf Monate) und mindestens 100 Millionen Euro Versicherungssumme.

Höchste Ersparnis beim BMW i3.

Je nach Fahrzeugtyp fällt die Zahl der günstigen Tarife für ein Elektroauto unter den Top Ten unterschiedlich aus. Beim BMW i3 bewegen sich die ersten fünf Tarife in einer Spanne von 578 bis 671 Euro und sind günstiger als die preiswerteste Versicherung für ein vergleichbares Benzinmodell mit 711 Euro Jahresbeitrag. Im günstigsten Fall liegt die Preisersparnis für das E-Modell beim BMW bei 19 Prozent. Beim E-Auto Renault Zoe sind drei Angebote günstiger als der preiswerteste Tarif des Benziners Renault Twingo. Der maximale Preisvorteil beim Renault Zoe liegt bei sechs Prozent. Noch geringer fällt der Preisunterschied beim Smart aus. Er liegt bei maximal drei Prozent, und nur ein Tarif ist günstiger als die preiswerteste Versicherung für den Verbrenner-Smart. Beim E-Golf dagegen gibt es nicht einen einzigen Tarif, der günstiger abschneidet. Während Feuersozietät Berlin und VKB rund 657 Euro für den E-Golf verlangen, kann der Benziner bei HUK24 schon für 530 Euro versichert werden. Positiver für das Elektroauto fällt der Vergleich aus, wenn man die Tarife nicht nur am günstigsten Verbrenner-Tarif misst. So sind beim Renault Zoe die Tarife auf den ersten fünf Plätzen der Top Ten günstiger als auf den ersten fünf Rängen für das Verbrenner-Modell. Beim Elektro-Smart sind es noch zwei Anbieter und beim BMW i3 immerhin neun Anbieter. Nur der Tarif Premium oecodrive der Concordia ist mit 818 Euro teurer als der auf diesem Rang vergleichbare Tarif Go Komfort der Europa mit 783 Euro Jahresprämie. Für alle vier Modelle gilt: Die günstigsten Tarife für Elektrofahrzeuge kommen in unserem Vergleich von den Anbietern Lippische, Feuersozietät Berlin und VKB. Die beiden letztgenannten schneiden dabei noch etwas besser ab als die Lippische, unter anderem weil sie Kurzschlussfolgeschäden bis 20.000 Euro versichern und die Neuwertentschädigung 24 Monate beträgt.

Die Leistungen der besten Tarife* für Elektrofahrzeuge:

Bei den Versicherungen für alle vier untersuchten E-Modelle liegen die Anbieter Lippische, Feuersozietät Berlin und VKB vorn. Was sie leisten, zeigt der Überblick:

Weniger Unfälle, höhere Kosten.

Bisher lehnen sich die Anbieter bei den Tarifkalkulationen an die Erfahrungen mit den kraftstoffgetriebenen Pkws an. Untersuchungen der Allianz zeigen, dass Elektrofahrzeuge ein ähnliches Schadengeschehen aufweisen. Sie sind zwar zu 25 Prozent seltener in Unfälle verwickelt, aber die Schäden bei Elektrofahrzeugen sind entsprechend teurer als bei Verbrenner-Fahrzeugen. Das liegt unter anderem daran, dass längst noch nicht jede Kfz-Werkstatt optimal für die Reparatur ausgerüstet ist und das Know-how noch fehlt. 


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