09.06.2021 Vermittlerwelt

Ist die BU schon für Auszu­bildende und Studenten sinnvoll?

In seiner neuen Kolumne schreibt VP-Experte Marco Niedermaier, welche Vorteile ein früher Einstieg in das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung bringt. Gesundheits­fragen sind hierbei wichtiger als der Preis.

Marco Niedermaier, Gründer und Inhaber von buXperts, schreibt exklusiv für VP-Online. In seiner monatlichen Kolumne widmet er sich dem wichtigen Thema Arbeitskraftabsicherung in allen Facetten. (Foto: buxperts, rawpixel.com - de.freepik.com)
Marco Niedermaier, Gründer und Inhaber von buXperts, schreibt exklusiv für VP-Online. In seiner monatlichen Kolumne widmet er sich dem wichtigen Thema Arbeitskraftabsicherung in allen Facetten.
(Foto: buxperts, rawpixel.com - de.freepik.com)

Neulich im Impfzentrum: Nachdem meine Impfberechtigung geprüft und ich vollständig aufgeklärt wurde, ging es ans Eingemachte. Die junge Medizinerin im praktischen Jahr, die die Nadel setzte, machte während der Vorbereitungen etwas Smalltalk mit mir. Und so fragte sie vermutlich zum hundertsten Mal an diesem Tag: „Und, was machen Sie so beruflich?“ Ich antwortete nur kurz: „Ich bin Versicherungsmakler.“ Normalerweise kommen hier nicht unbedingt weitere Fragen. Aber die muntere Studentin ging amüsiert darauf ein: „Uih, schon wieder. Vorhin meinte ein anderer Makler, ich solle ganz dringend eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Meinen Sie das auch?“ Ich antwortete, was ich immer auf diese Frage antworte: „Das können Sie sich selbst viel besser beantworten. Sind Sie später auf Ihr Einkommen angewiesen?“ - „Klar.“

Einkommen in jungen Jahren nicht ausschlaggebend

 

So einfach ist das. Wer auf sein Einkommen angewiesen ist, sollte seine Arbeitskraft auch absichern. Der Einwand ließ jedoch nicht lange auf sich warten und so argumentiere die Jungmedizinerin, dass sie doch noch gar keinen echten Beruf habe und dass jeder Praktikant mehr verdiene als angehende Ärzte im praktischen Jahr. Das ist natürlich richtig, aber letztlich nicht ausschlaggebend. Selbst Schüler und Studenten ohne Einkommen können sich bereits absichern, wobei je nach Schulform und Studienfach in der Regel 1000 bis 2000 Euro monatlich abgesichert werden können. Aber wie sinnvoll ist das?

Das fraglos wichtigste Argument: Bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung müssen Angaben zur Gesundheit gemacht werden. Regelmäßig sind Interessenten erstaunt, wie sorgfältig und umfangreich diese Angaben gemacht werden müssen. Ja, auch die Rückenschmerzen von vor vier Jahren müssen angegeben werden, obwohl diese ausgeheilt sind. In der Krankenakte steht etwas von einer chronischen Erkrankung, die keine Beschwerden mehr macht? Auch darum sollte man sich vor Vertragsabschluss kümmern. Beschwerden und Krankheiten werden mit den Jahren in der Regel nicht weniger, sondern es kommen weitere hinzu. Oftmals werden plötzlich Diagnosen gestellt, die einen Abschluss erschweren oder verhindern. Auch wenn sich die Beschwerden für den Betroffenen in Grenzen halten – der Versicherer muss beurteilen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Interessent mit dieser Diagnose in den nächsten 30 bis 40 Jahren berufsunfähig wird und einen sechs- bis siebenstelligen Betrag erhält.

Der Versicherer muss beurteilen: Wie wahrscheinlich ist es, dass der Interessent mit dieser Diagnose in den nächsten 30 bis 40 Jahren berufsunfähig wird und einen sechs- bis siebenstelligen Betrag erhält?

Marco Niedermaier, buXperts

Häufig wird von Vermittlern auch damit argumentiert, dass man sich als Student noch den besonders günstigen Studententarif sichern kann. Dieses Argument greift allerdings nur teilweise. In der Regel hinterlegen die Versicherer bei Studenten das Studienfach. Dieses ist in vielen Fällen bereits mit einem bestimmten Zielberuf verknüpft. Dadurch ist der Beitrag oftmals gleich, wie beim entsprechenden Beruf. Ausnahmen gibt es dennoch: Wenn die hier genannte Medizinstudentin als Assistenzärztin in die Chirurgie geht, wird der spätere Abschluss auf alle Fälle teurer. Der Rechtsanwalt hingegen zahlt den gleichen Beitrag wie der Student der Rechtswissenschaften. Allerdings spielt auch das Eintrittsalter eine Rolle, wodurch der Abschluss ohnehin von Jahr zu Jahr teurer wird.

Früh abschließen, um Risikozuschläge zu vermeiden

 

Auch Hobbys können eine Rolle spielen. Ein Beispiel: Eine Kundin hatte sich kurz vor Abschluss ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung im Urlaub spontan zum Erwerb eine Kitesurf-Lizenz entschieden, die Folge: 25 Prozent Risikozuschlag. Ein anderer Kunde betreibt seit einem Jahr eine Kampfsportart. Den Risikozuschlag von 50 Prozent hätte er sich bei einem Vertragsabschluss ein Jahr früher sparen können.

Fakt ist: Je länger man wartet, desto höher die Herausforderung, eine Absicherung zu erhalten. Oftmals spielt der Beitrag dann nur noch eine untergeordnete Rolle, Interessenten wollen Schutz, bekommen ihn aber nicht mehr wie gewünscht. Aus diesen Gründen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung auch für Schüler und Studenten nicht nur sinnvoll, sondern absolut empfehlenswert.


Weitere Artikel

Listing

01.06.2021 Vermittlerwelt

Provisionsdeckel bloß nicht wieder aufwärmen!

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Der Provisionsdeckel für Lebensversicherungspolicen lauert noch immer in den Schubladen der BaFin. Die nächste Bundesregierung könnte sich des Themas wieder annehmen – mit verheerenden Folgen für die Vermittler. Umso eindringlicher warnen Branchenexperten vor falschen Entscheidungen.

> weiterlesen
Listing

31.05.2021 Vermittlerwelt

Reformen, Regulierungen, Provisionen: BVK führt kontroverse Debatten

Schicksalstage für die Vermittlerbranche? Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute hat fünf Monate vor der Bundestagswahl bei seiner Jahreshauptversammlung noch mal die drängendsten Themen ins Schaufenster gestellt. Deutliche Kritik gibt es an den Riester-Plänen des GDV.

> weiterlesen
Listing

25.05.2021 Vermittlerwelt

AfW: Steuerbefreiungen müssen erhalten bleiben

Der Vermittlerverband AfW sieht Chancen und Risiken in den Reformbemühungen der EU-Kommission zur Umsatzsteuer. Mehrbelastungen seien inakzeptabel, am besten wäre es nach AfW-Ansicht, auch die Beratungsleistung von der Steuer zu befreien.

> weiterlesen