11.03.2020 Vermittlerwelt

Kabinett beschließt BaFin-Aufsicht für Finanzanlagevermittler

Neuregelung soll 2021 in Kraft treten. Massiver Protest der Vermittlervertreter bleibt – AfW spricht von mittelstandsfeindlichem Gesetz.

Hier soll die gewerbliche Aufsicht der Finanzanlagevermittler in Zukunft angesiedelt werden. Die BaFin-Zentrale in Bonn. (Foto: BaFin)
Hier soll die gewerbliche Aufsicht der Finanzanlagevermittler in Zukunft angesiedelt werden. Die BaFin-Zentrale in Bonn.
(Foto: BaFin)

Das Bundeskabinett hat heute beschlossen, die Aufsicht über die rund 38.000 zugelassenen Finanzanlagevermittler in Deutschland ab 2021 bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu bündeln. Banken und Verbraucherschützer begrüßten die geplante einheitliche Aufsicht. Es sei sinnvoll, dass künftig die Finanzaufsicht BaFin Anlagevermittler kontrolliere und nicht mehr Industrie- und Handelskammern oder die Gewerbeämter, erklärten der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sowie die Deutsche Kreditwirtschaft.

AfW und BVK protestieren vehement

 

Ganz anders sehen das die Interessenverbände der Vermittler. Der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW sprach in einer Pressemitteilung davon, die Aufsicht zentralistisch einer Bundesbehörde anzusiedeln. „Zu einer Zeit, in der gerade der Mittelstand voraussichtlich extrem von den Auswirkungen der Corona-Epidemie getroffen wird, halten wir es für ein denkbar falsches Zeichen, dieses mittelstandsfeindliche Gesetz weiter voranzutreiben“, so Norman Wirth, Geschäftsführender Vorstand des AfW. Der Beschluss setze sich über die klare Kritik des Nationalen Normenkontrollrats hinweg. Dieser hatte erklärt, dass die Notwendigkeit der geplanten Aufsichtsübertragung nicht erkennbar sei und die mit dem Vorhaben verbundenen Kosten zum Teil nicht methodengerecht ermittelt und nachvollziehbar dargestellt seien. Positiv äußerte sich der AfW indes zu eine Vorschlag aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Den dort geäußerten Vorschlag – ländereinheitliche IHK-Aufsicht bei einer Art Fachaufsicht seitens der BaFin durch Setzen und Überwachen von Qualitätsstandards – würde der AfW grundsätzlich unterstützen.

Kritik kam auch vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). „Wir kämpfen weiterhin für den Erhalt der langjährig erprobten und praktizierten Aufsicht, da wir überzeugt sind, dass dieser Gesetzentwurf nur Bürokratiekosten für Finanzanlagenvermittler und keinen Mehrwert für Verbraucher bringen wird“, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz. Als praxistaugliche Lösung befürworte man ebenso den Vorschlag der finanzpolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Antje Tillmann, und dem Berichterstatter Dr. Carsten Brodesser.


Weitere Artikel

Listing

18.05.2022 Vermittlerwelt

EU-Richtlinie für Fernabsatzgeschäfte: Vermittler vs. Verbraucher?

Die EU-Kommission hat Pläne für einen verbesserten Verbraucherschutz bei Finanzdienstleistungsgeschäften, die online oder per Telefon abgeschlossen werden, präsentiert. Der BVK befürchtet sogleich verschärfte Regeln für die Vermittler durch die Hintertür.

> weiterlesen
Listing

12.05.2022 Vermittlerwelt

Das Beraterimage auf Social Media – Fake oder ehrliches Spiegelbild?

Am Image in den sozialen Medien zu arbeiten, ist laut Moritz Heilfort der falsche Weg, denn es existiert nicht losgelöst von den eigenen Taten. Vielmehr müsse man an jeder Kundenbeziehung arbeiten und ein relevanter Gesprächspartner sein, erklärt der VP-Experte in seiner monatlichen Kolumne.

> weiterlesen
Listing

06.05.2022 Vermittlerwelt

Provisionsrichtwert: BaFin-Idee sorgt für Vermittlerprotest

Die Aufsichtsbehörde hat das Thema Provisionsbeschränkungen aufgegriffen und plant die Entwicklung eines Richtwertes. Wie verpflichtend dieser sein wird, bleibt unklar. Kritik kommt von Vermittlerverbänden. Doch während der BVK die Maßnahme für das kleinere Übel hält, sieht Votum eine Art Povisionsdeckel durch die Hintertür.

> weiterlesen