19.08.2021 Branche

Flutkatastrophe: Vorschüsse von 700 Millionen Euro

Laut des GDV zahlten die Versicherer bisher im Zuge der Flutkatastrophe einen Vorschuss von 700 Millionen Euro, um eine schnelle finanzielle Teilentlastung zu schaffen. Die versicherten Gesamtschäden belaufen sich jedoch auf 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro.

Schon Ende Juli hatte der Branchenverband GDV seine vorläufige Schadenschätzung nach oben korrigiert. 2021 dürfte das größte Schadenjahr seit dem Jahr 2002 werden. (Foto: kasto - Fotolia)
Schon Ende Juli hatte der Branchenverband GDV seine vorläufige Schadenschätzung nach oben korrigiert. 2021 dürfte das größte Schadenjahr seit dem Jahr 2002 werden.
(Foto: kasto - Fotolia)

Bereits knapp einen Monat nach der Flutkatastrophe in Deutschland haben die Versicherer Vorschüsse im hohen dreistelligen Millionenbereich geleistet. „Die Unternehmen haben bislang Vorschüsse in Höhe von rund 700 Millionen Euro an ihre Kunden ausgezahlt“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen. „Davon entfallen gut 500 Millionen Euro auf Schäden im privaten Bereich wie Wohngebäude, Hausrat und Kraftfahrzeuge sowie knapp 200 Millionen Euro auf gewerbliche Risiken.“

Die Zahlen stammen aus der aktualisierten Schadenschätzung zum Tiefdruckgebiet „Bernd“, das Mitte Juli über weite Teile Deutschlands hinweggezogen war. Durch Starkregen und Hochwasser hatte der Sturm vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch in Bayern und Sachsen schwere Schäden angerichtet.

Versicherter Gesamtschaden zwischen 4,5 Milliarden und 5,5 Milliarden Euro

 

Die deutsche Versicherungswirtschaft geht nach bisheriger Schätzung von einem versicherten Gesamtschaden zwischen 4,5 Milliarden und 5,5 Milliarden Euro aus. „Wir rechnen aber inzwischen damit, dass sich die Schadensumme wohl eher um den oberen Rand unserer Schätzung bewegen wird“, so Asmussen. Zur Umsetzung der Schadenregulierung in den Flutgebieten sagt der GDV-Hauptgeschäftsführer: „Es bleibt weiterhin wichtig, dass den Menschen in den betroffenen Gebieten schnell geholfen wird. Deshalb haben die Schadenaufnahme und schnelle Erstzahlungen im Moment Vorrang.“ Es werde nicht lange nach Rechnungen und Belegen gesucht, stattdessen gäbe es pauschale Vorauszahlungen der Versicherer. Die Höhe des Vorschusses richte sich dabei nach dem Bedarf der Betroffenen und werde aufgrund des Schadenbilds oder der Schadenschilderung ermittelt.

Geschätzt werden beispielsweise Kosten für Erstmaßnahmen oder sonstige Kosten, wie beispielsweise die Hotelunterbringung. „Die Vorschüsse sind bei größeren Schäden daher in der Regel deutlich fünfstellig“, erklärt Asmussen. Darüber hinaus haben zahlreiche Versicherer Hilfsfonds für die Betroffenen eingerichtet, die laut GDV auch neben der materiellen oft auch psychologische Hilfe anbieten.

190.000 Schadenfälle im privaten und gewerblichen Bereich

 

Insgesamt rechnet der Branchenverband für den privaten und gewerblichen Bereich mit etwa 190.000 Schadenfällen. Davon entfielen 160.000 auf den privaten, 30.000 auf den gewerblichen Bereich. Nordrhein-Westfalen war demnach mit rund 135.000 Schadenfällen betroffen, davon 21.000 gewerbliche Risiken. Dort wurden Vorschüsse in Höhe von knapp 400 Millionen Euro geleistet, davon gut 100 Millionen Euro für gewerbliche Risiken. In Rheinland-Pfalz wurden rund 33.000 Schäden gezählt, davon 4000 gewerbliche Risiken. Hier wurden Vorschüsse in Höhe von 275 Millionen Euro geleistet, davon knapp 70 Millionen Euro für gewerbliche Risiken. Die übrigen rund 20.000 Schadenfälle entfielen auf das weitere Bundesgebiet, vor allem auf die Länder Bayern und Sachsen.

Absicherung gegen Naturkatastrophen wird immer wichtiger

 

„Die zeitnah geleistete hohe Summe an Vorschusszahlungen bei dieser großen Zahl an Fällen zeigt die Leistungsfähigkeit privater Versicherungen bei solchen Katastrophen“, so Asmussen. Die Flut habe erneut verdeutlicht, wie wichtig eine Absicherung gegen Naturgefahren wie Starkregen und Überschwemmung ist. Den Versicherungsunternehmen bleibe es vor diesem Hintergrund ein wichtiges Anliegen, die Verbreitung der Naturgefahrenversicherung von bundesweit bislang weniger als 50 Prozent deutlich zu erhöhen. „Es gilt auch jene zu erreichen, die trotz der jüngsten Flutkatastrophe nicht glauben wollen, dass auch sie von Naturgefahren betroffen sein können.“

 


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