29.04.2022 Branche

Munich Re mit turbulenter Hauptversammlung

Rund um die Hauptversammlung der Munich Re ging es hoch her: Drinnen herrschte zwar weitgehend gute Stimmung wegen der attraktiven Dividende, aber es hagelte Kritik an der Wahl des Wirtschaftsprüfers. Draußen gab es viel Aufregung, weil Klimaschützer Kohleinvestments des Rückversicherers geißelten.

Das Munich-Re-Management musste sich den Vorwurf des „Greenwashing” gefallen lassen. (Foto: © Munich Re )
Das Munich-Re-Management musste sich den Vorwurf des „Greenwashing” gefallen lassen.
(Foto: © Munich Re )

Um Kohle im doppelten Sinne ging es auf der Hauptversammlung und vor dem Hauptgebäude des weltgrößten Rückversicherers Munich Re. Mehr davon gibt es für die Aktionäre: Sie bekommen fürs abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von elf Euro je Aktie – 1,20 Euro oder gut zwöf Prozent mehr als im Vorjahr. Um richtige Kohle ging es den Demonstranten von „Extinction Rebellion“. Die Klimaaktivisten protestierten vor der Munich-Re-Zentrale am Englischen Garten gegen die Geschäftspolitik des Konzerns.

Gewinne glänzen

 

Erfolgreich ist die jedenfalls: Trotz Ukraine-Krieg, anhaltender Coronakrise und hoher Inflation hält der Konzern an seinem Ziel fest, die Dividende für 2022 um mindestens fünf Prozent zu steigern. Aktionäre könnten dann also mindestens 11,55 Euro erwarten. Basis ist ein Gewinnanstieg von 2,9 auf 3,3 Milliarden Euro, den Konzernchef Joachim Wenning fürs laufende Jahr in Aussicht stellte.

Doch es war nicht alles eitel Sonnenschein: Kritik von Aktionärsseite gab es an der Entscheidung, erneut Ernst & Young mit der Bilanzprüfung zu beauftragen. Der Prüfkonzern hatte beim Wirecard-Skandal eine unrühmliche Rolle gespielt. Das Munich-Re-Management verwies demgegenüber auf die guten Erfahrungen mit den eingesetzten EY-Teams.

Klimaschützer kritisieren

 

Wasser in den Wein schütteten auch die Demonstranten: Die Munich Re warne seit Jahren vor den Folgen der Klimakrise, schließe selbst aber keine Öl- und Gasprojekte von ihren Geschäften aus. Stattdessen versichere sie sogar weiterhin die polnische Kohleindustrie, während Konkurrenten bereits ausgestiegen seien, schrieben die Aktivisten in einer Pressemitteilung. Munich-Re-Vorstandschef Joachim Wenning warfen sie vor, sich auf wachsende Gewinne durch Klimakatastrophen zu freuen. Er hatte bei der Vorstellung der Jahresbilanz im Februar gesagt, die Versicherung von Naturkatastrophen sei eines der profitabelsten Geschäfte der Munich Re.

Konzern kontert



Beim Rückversicherer Munich Re hält sich die Aufregung nach den Protesten in Grenzen. Mit Blick auf die Kritik an den Geschäftspraktiken der Munich Re verwies ein Sprecher auf die Klimaziele des Rückversicherungskonzerns. Demnach strebt er bis 2050 netto null Emissionen im Öl- und Gasgeschäft an. In der Kapitalanlage habe man die CO2-Emissionen im Vergleich zu 2019, dem Ausgangsjahr des aktuellen Konzernprogramms „Ambition 2025“, bereits um rund 31 Prozent reduziert.


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