28.04.2023 Branche

R+V-Bilanz: In der Zinsfalle

Deutschlands zweitgrößte Versicherungsgruppe ist in die roten Zahlen gerutscht. Ursache sind vor allem die Abschreibungen auf Anleihen infolge des Zinsanstiegs. Nach alter Rechnungslegung lieferten die Genossen einen Gewinn ab.

Die Zahlen für 2022 waren für das Management in der Wiesbadener Zentrale eher ernüchternd. (Foto: R+V)
Die Zahlen für 2022 waren für das Management in der Wiesbadener Zentrale eher ernüchternd.
(Foto: R+V)

Die genossenschaftliche R+V-Versicherungsgruppe hat das vergangene Jahr deutlich im Minus abngeschlossen: Die gebuchten Bruttobeiträge sanken um 3,1 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro und rutschten damit (nach HGB-Rechnungslegung) wieder unter die 20-Milliarden-Euro-Marke. Auf Basis der IFRS-Zahlen betrug das Minus auf Konzernebene 2,7 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro. Während die Kranken- und Lebensparte Bruttobeiträge in Höhe von gut 8,7 Milliarden Euro verbuchte und damit zum Vorjahr 7,2 Prozent einbüßte, konnte die Schaden- und Unfallversicherung um 3,3 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro zulegen. Besonders drastisch brach das Kapitalanlageergebnis ein: Aus den 5,6 Milliarden Euro Plus des Vorjahres wurde ein Minus von 3,6 Milliarden Euro – eine Differenz von rund 9,2 Milliarden Euro. Entsprechend stand konzernweit unter dem Strich ein Vorsteuerergebnis von -258 Millionen Euro, nachdem die Wiesbadener 2021 noch einen Gewinn von 914 Millionen Euro eingefahren hatten. 

Bilanzrechtliche Sonderstellung



Die R+V-Versicherung trifft mit voller Wucht die Zinswende: Die sicheren, aber mager verzinsten Anleihen im über 100 Milliarden schweren Anlagenportfolio haben durch den starken Zinsanstieg stark an Wert eingebüßt – das zeigt sich drastrisch im Kapitalanlageergebnis. Hintergrund für die hohe Volatilität der Ergebnisse der R+V ist eine bilanzielle Besonderheit: Sie bilanziert ihre Kapitalanlagen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum DZ-Bank-Konzern im Gegensatz zum Großteil der Versicherer bereits nach IFRS 9 und damit zu einem relativ hohen Anteil erfolgswirksam. Dies ändert sich nach Konzernangaben ab dem Jahr 2023 mit der Einführung von IFRS 17, was zu einer Stabilisierung der Ergebnisse beiträgt.


Niedrige Verwaltungskosten



Immerhin, so betont das Unternehmen, habe man nach HGB-Rechnungslegung  das Jahr 2022 mit einem Ergebnis von 120 Millionen Euro vor Steuern (2021: 163 Millionen Euro) beendet. Positiv bewertet R+V auch, dass zwar das Geschäft mit Einmalzahlungen in der Lebensparte eingebrochen ist, bei den laufenden Beiträgen aber ein weit über dem Markt liegendes Wachstum erzielt wurde. Im ebenfalls wachsenden Geschäftsfeld Gesundheit strebt man bis 2026 ein Beitragsvolumen von einer Milliarde Euro an. Auch im Geschäftsjahr 2022 lagen die Verwaltungskostenquoten der R+V in allen Segmenten deutlich unter dem Markt: Schaden/Unfall: 11,1 Prozent (Markt: 14,2 Prozent), Leben/Pension: 1,3 Prozent (Markt: 2,1 Prozent), Kranken: 2,0 Prozent (Markt: 2,3 Prozent). Die Zahl der Mitarbeiterinen und Mitarbeiter stieg minimal (+0,7 Prozent)

Fürs laufende Jahr ist Vorstandschef Norbert Rollinger, der auch Präsident des  Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft ist, verhalten optimistisch: „Für das Gesamtjahr 2023 gehen wir im deutschen Erstversicherungsgeschäft davon aus, beim nachhaltigen Geschäft mit laufenden Beiträgen weiterhin oberhalb der Branche zu wachsen.“

 


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