02.12.2021 Studien | Tests

Im Härtetest: LV 1871 Lebens­versicherung

Der Münch­ener Lebensver­sicherer zeichnet sich durch eine außergewöhnlich hohe Solvabilität aus. Außerdem punktet die LV 1871 beim Storno und bei Wachstum im Einmalbeitragsgeschäft. Auch die Rendite überzeugt.

In Zusammenarbeit mit der Rating-Agentur Assekurata unterzieht der FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi Deutschlands Lebensversicherer regelmäßig einem Härtetest.
In Zusammenarbeit mit der Rating-Agentur Assekurata unterzieht der FOCUS-MONEY-Versicherungsprofi Deutschlands Lebensversicherer regelmäßig einem Härtetest.

1Bestandsschwerpunkt beeinflusst Aufsichtsquote stark

Die sehr hohe aufsichtliche Quote ist durch den Schwer­punkt im Risikogeschäft und in der fondsgebundenen Lebensversicherung zu begründen. In diesen Bereichen sind die Kapitalanforderungen nach Solvency II geringer.

2LV 1871 mit überdurch­schnitt­lich guter Krisen­­vorsorge

Auch die Basis-SCR-Quote liegt weit über dem Durchschnitt. Ein direkter Vergleich mit dem Markt ist aber aufgrund der besonderen Bestandsstruktur kaum möglich. Der Rückgang 2019 ist Folge der Zinsentwicklung.

3Nettoverzinsung mit deutlich größerem Abstand zum Markt

Die Münchner speisen ihre Zinszusatzreserve durch stille Reserven – und weisen deshalb hohe Kapitalanlageergebnisse aus. Auch höhere Abgangsgewinne und Wertaufholungen führen zu einem Anstieg der Nettoverzinsung.

4Fondsausschüttungen pushen Durchschnitts­verzinsung

Mit einem Rentenbestand mit sehr guter Bonitäts­struktur lassen sich keine überdurch­schnittlichen laufenden Erträge erwirtschaften. Der geringe Anstieg – zuletzt auf 3,10 Prozent – stammt aus höheren Fondsausschüttungen.

5Maklervertrieb hält Kosten im Griff

Die LV1871 vertreibt viel über Makler – ein vergleichsweise eher teurer Vertriebsweg. Insgesamt ist die Quote (4,54 Prozent) unauffällig, auch wenn sie zuletzt nicht so stark gesunken ist wie im Markt (4,37 Prozent).

6Verwaltungskostenquote strukturell etwas höher

Die Verwaltungskosten (2,43 Prozent) fallen etwas höher aus als bei der Konkurrenz (2,02 Prozent). Als Qualitätsanbieter mit größerem Bestand an Risiko­geschäft muss die LV 1871 eine höhere relative Kostenbelastung stemmen.

7Geschäftsschwerpunkt beeinflusst Margen positiv

Der Anstieg der Umsatzrendite ist auf höhere Zuführungen zur ZZR und das höhere Kapital­anlageergebnis zurückzuführen. Mit Fondspolicen und biometrischen Produkten lassen sich generell höhere Margen erwirtschaften.

8Verkauf stiller Reserven lässt Bestandsrendite steigen

Der im Marktvergleich hohe Wert resultiert aus der speziellen Bestandszusammensetzung. Zuletzt wurde auch noch einiges mehr an stillen Reserven realisiert, als für die Finanzierung der ZZR erforderlich gewesen wäre.

9Vor allem Geschäft gegen Einmalbeitrag wächst stärker

Erfolgreiche Produkte und ein guter Marktzugang über freie Vermittler erklären das Beitragswachs­tum. Es stammt hauptsächlich aus Einmal­beitrags­geschäft, geringfügig auch aus Geschäft gegen laufenden Beitrag.

10Stornoquote entwickelt sich langfristig sehr positiv

Die Stornoquote sinkt seit Jahren kontinuierlich, war mit zuletzt 3,63 Prozent sogar unterdurchschnittlich. Das kön­nte mit dem zunehmenden Biometrie­geschäft zusammenhängen, bei dem das Storno tendenziell seltener ist.

Wie sich der Härtetest zusammensetzt

  • SCR-Quote Aufsicht: SCR-Quote im aufsichtlichen Nachweis ggf. unter Anwendung der Volatilitätsanpassung und/oder einer Übergangsmaßnahme.
  • SCR-Quote Basis: SCR-Quote ohne Anwendung der Volatilitätsanpassung und/oder einer Übergangsmaßnahme.
  • Nettoverzinsung: Kapitalanlageergebnis in Prozent des mittleren Kapitalanlagebestands zu Buchwerten.
  • Lfd. Durchschnittsverzinsung: ordentliches Kapitalanlageergebnis in Prozent des mittleren Kapitalanlagebestands zu Buchwerten.
  • Abschlusskostenquote: Abschlussaufwendungen in Prozent der Beitragssumme Neugeschäft.
  • Verwaltungskostenquote: Verwaltungsaufwendungen in Prozent der gebuchten Bruttoprämien.
  • Umsatzrendite für Kunden inkl. Zuführung zur ZZR (Zinszusatzreserve): gesamter Rohüberschuss vor Zuführung zur ZZR in Prozent der Summe aus gebuchten Bruttoprämien (ohne fondsgebundene Lebensversicherung) und Kapitalanlageergebnis.
  • Bestandsrendite: gesamter Rohüberschuss in Prozent der Bruttodeckungsrückstellung und Ansammlungsguthaben.
  • Zuwachsrate gebuchte Bruttoprämien: Veränderung der gebuchten Bruttobeiträge in Prozent des Vorjahresendbestands.
  • Stornoquote: vorzeitiger Abgang nach laufendem Beitrag in Prozent des mittleren Jahresbestands.

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