„Digitale Fitness”: In vier Schritten zur KI-Readiness
Mehr Tempo, mehr Service, mehr Innovation versus Jobverlust, Datenmissbrauch und Cyber-Kriminalität: Künstliche Intelligenz ist auch in der Assekuranz Top-Thema. In unserer KI-Kolumne PROMPT! beziehen Experten und Entscheider Stellung. Heute: Johannes Oberhofer, Leiter Digital Hub bei der Bayerischen.

(Foto: Die Bayerische)
Die unbequeme Wahrheit haben wir bereits beleuchtet: Künstliche Intelligenz spart uns im Maklerbüro nicht automatisch Zeit. Im Gegenteil: Eine aktuelle Studie belegt, dass KI die Arbeit oft massiv verdichtet, weil wir unbemerkt mit immer mehr Aufgaben gleichzeitig jonglieren und Pausen streichen (s. FOCUS MONEY-Versicherungsprofi 05/2026). Ob KI zum rettenden Hebel gegen Bürokratie oder zum ultimativen Stressor wird, hängt dabei von unserer „digitalen Fitness“ ab. Bevor wir nur in teure KI-Lizenzen investieren, müssen wir also unsere „digitalen Schulden“ abbauen. Denn nur wer bestehende Werkzeuge wie etwa Microsoft 365 energiesparend nutzt, bereitet den Boden für echte Co-Intelligenz. Hier ist Ihr Trainingsplan:
Schritt 1: Fokus statt Multitasking-Illusion
KI verleitet zu parallelen Prozessen. Wir tippen schnell einen Prompt, während wir telefonieren. Das Problem: KI benötigt glasklare Anweisungen. Ein gestresstes Gehirn liefert diese nicht. Die Praxis: Richten Sie „30 Minuten Fokus-Blöcke“ für komplexe Konzepte ein. Telefon auf die Assistenz, E-Mail-Programm zu. Sie schaffen im tiefen Flow mehr als in vier Stunden reaktivem Hamsterrad.
Schritt 2: Energy-Boxing statt Dauerlauf
Mit KI füllen wir plötzlich auch die letzten Lücken im Tag mit Arbeit. Doch unser Gehirn braucht echte Zeiten zum Aufladen. Praxis-Tipp: Nutzen Sie „Energy-Boxing“. Stellen Sie in Outlook ein, dass Beratungen automatisch fünf Minuten früher enden oder blocken Sie im Anschluss an lange Beratungen bewusst 15 Minuten. Nutzen Sie diese Zeit zum Durchatmen oder zur fokussierten Nachbereitung. Das hält Sie frisch für den nächsten Kunden.
Schritt 3: Menschen brauchen Menschen
KI ist ein hervorragendes, aber isolierendes Solo-Werkzeug. Forscherinnen warnen vor dem Verlust der Perspektive, wenn wir nur noch mit Maschinen chatten. Die Praxis: Schützen Sie den echten, menschlichen Kontakt. Planen Sie bewusste Check-ins mit dem Team oder nutzen Sie gewonnene Zeit für Face-to-face Kundenkommunikation. Wahre Empathie und Vertrauen entstehen im sozialen Austausch.
Schritt 4: Abläufe von der KI her denken
Eine KI ist nur so schlau wie die Daten, die sie findet. Wenn Ihre Ablage eine „Zettelwirtschaft“ oder ein digitaler Dschungel ist, wird der beste KI-Assistent halluzinieren. Praxis-Tipp: Digitalisieren und strukturieren Sie Ihre Daten. Betrachten Sie das Aufräumen von Dateien nicht als lästige Pflicht, sondern als essenzielle Trainingseinheit. Ein sauberer Prozess ist das Fundament, auf dem die Maschine später aufbauen kann.
Mein Fazit
Erst die Fitness, dann der Sprint: Wer seine Arbeitsweise jetzt ordnet, entscheidet aktiv darüber, dass Technologie und Künstliche Intelligenz nicht zum Work-load-Treiber werden, sondern zu einem energiegebenden Partner. Ihre Checkliste für nächste Woche: Outlook-Automatik: Termine in den Optionen standardmäßig verkürzen („Pufferzeit“). Fokus-Test: An zwei Tagen je 90 Minuten „stille Zeit“ blocken. Benachrichtigungs-Diät: Alle Push-Nachrichten am Desktop ausschalten.
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