24.03.2026 Vermittlerwelt

Nachhaltigkeit in der Beratung: Zwischen Regulierungsfrust und neuem Nachfragepotenzial

Nachhaltige Geldanlagen tun sich im Beratungsalltag vieler Vermittler weiterhin schwer. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Vor allem komplexe Regulierung und mangelndes Kundenwissen bremsen die Nachfrage – eine Reform könnte neue Impulse setzen.

Vermögensaufbau mit gutem Gewissen: Nachhaltige Finanzprodukte fristen bislang ein Schattendasein. Die Gründe sind vielfältig, warum das einstige Trendthema aus der Mode gekommen ist. Nun könnten regulatorische Vereinfachungen der Anlageklasse neues Leben einhauchen. (Foto: Natalia / Adobe Stock)
Vermögensaufbau mit gutem Gewissen: Nachhaltige Finanzprodukte fristen bislang ein Schattendasein. Die Gründe sind vielfältig, warum das einstige Trendthema aus der Mode gekommen ist. Nun könnten regulatorische Vereinfachungen der Anlageklasse neues Leben einhauchen.
(Foto: Natalia / Adobe Stock)

Nachhaltigkeit bleibt in der Finanzberatung ein anspruchsvolles Thema. Trotz politischer Zielsetzungen und regulatorischer Vorgaben hat sich nachhaltiges Investieren bislang nicht flächendeckend im Beratungsalltag durchgesetzt. Das Interesse vieler Kundinnen und Kunden ist begrenzt, und nachhaltige Produkte spielen in Beratungsgesprächen nur eine untergeordnete Rolle. So lauten die zentralen Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage vom AfW Bundesverband Finanzdienstleistungen, Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) und von der Universität Kassel unter 257 Beraterinnen und Beratern. Demnach bewerten jeweils rund ein Drittel der Befragten das Kundeninteresse als gering oder sehr gering. Nur für knapp ein Viertel haben nachhaltige Produkte und Anlagekonzepte aktuell einen eher hohen oder sehr hohen Stellenwert.

Wenig Kenntnisse bei den Kunden, hohe Hürden für Berater

 

Die fehlende substanzielle Nachfrage ist aber nur ein Grund für den niedrigen Stellenwert von Nachhaltigkeit in der Finanzberatung. Knapp 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Verbraucherinnen und Verbraucher nachhaltige Finanzprodukte nur unzureichend verstehen – und deshalb wenig Interesse an dem Thema entwickeln. Ein weiterer Faktor ist die Regulatorik, die 81 Prozent der Vermittlerinnen und Vermittler für nicht angemessen halten. Die bestehenden Anforderungen erweisen sich im Beratungsalltag eher als Hemmnis. Komplexe Vorgaben und ein hoher Dokumentationsaufwand erschweren es, nachhaltige Produkte verständlich zu erklären und effizient zu vermitteln. Damit entsteht ein Spannungsfeld: Die Regulierung soll Orientierung schaffen, führt in der Praxis jedoch häufig zu zusätzlicher Unsicherheit.

Persönliche Werte und gesellschaftliche Nutzen sind wichtige Motive

 

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass nachhaltige Geldanlagen durchaus auf Interesse stoßen können – insbesondere dann, wenn sie an persönliche Werte und konkrete Wirkungen anknüpfen. Für Kundinnen und Kunden, die auf das Thema Nachhaltigkeit setzen, steht nicht allein die Rendite im Vordergrund, sondern die Frage, welchen Beitrag ihre Investition leistet. Entsprechend gefragt sind vor allem nachhaltige Investmentfonds und ETFs, die klare Ausschlusskriterien wie den Verzicht auf Waffen, Kinderarbeit oder Korruption berücksichtigen. In der Beratungspraxis greifen Vermittler bei der Produktauswahl sowohl auf externe Orientierungshilfen als auch auf eigene Expertise zurück. Siegel und Ratings spielen eine wichtige Rolle und werden häufig durch eigene qualitative Bewertungen ergänzt. Nachhaltigkeitsberatung bleibt damit ein anspruchsvoller, individuell geprägter Prozess, der Fachwissen und Einordnung erfordert.

Überarbeitete Regulatorik bietet Potenzial für nachhaltige Finanzprodukte

 

Für die Zukunft richtet sich der Blick vieler Marktteilnehmer auf die geplante Überarbeitung der europäischen Offenlegungsverordnung (SFDR). Insbesondere die neu vorgesehenen Produktkategorien „Nachhaltigkeit“ und „ESG Grundlagen“ werden von zahlreichen Beratern als verständlicher und klarer wahrgenommen als die bisherigen Vorgaben. Eine vereinfachte Struktur könnte bei Kundinnen und Kunden das Verständnis für nachhaltige Finanzprodukte verbessern und das Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten spürbar beleben, so die Hoffnung der Vermittlerinnen und Vermittler.

Nachhaltige Geldanlagen wenig gefragt: Insbesondere die komplizierte Regulatorik erweist sich als Hemmnis (© AfW – Bundesverband Finanzdienstleistungen)
Chance auf mehr Kundeninteresse: Vermittler setzen auf die Einführung der neuen EU-Produktkategorien (© AfW – Bundesverband Finanzdienstleistungen)

Fazit: Vom Pflichtprogramm zur Wachstumskür

Nachhaltigkeit in der Beratung steht an einem Wendepunkt. Die grundsätzliche Bereitschaft ist vorhanden – sowohl auf Seiten der Vermittler als auch bei einem Teil der Kunden. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die bestehenden Hürden abzubauen und Nachhaltigkeit verständlicher und praxisnäher zu gestalten. Gelingt dieser Schritt, könnte sich das Thema vom regulatorischen Pflichtprogramm zu einem echten Wachstumsfeld im Vertrieb entwickeln.


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