Wie KI die Beratung noch persönlicher macht
Mehr Tempo, mehr Service, mehr Innovation versus Jobverlust, Datenmissbrauch und Cyber-Kriminalität: Künstliche Intelligenz ist auch in der Assekuranz Top-Thema. In unserer KI-Kolumne PROMPT! beziehen Experten und Entscheider Stellung. Heute: Johannes Oberhofer, Leiter Digital Hub bei der Bayerischen.

(Foto: Die Bayerische)
Stellen Sie sich Ihren Bestand als volles Stadion vor – Tausende Menschen, von denen Sie viele mit Namen, Geschichte und Lebenslage kennen. Sie wissen, dass Familie Berger gerade baut und Frau Sommer seit dem letzten Termin ein zweites Kind hat. Dieses Wissen ist Ihr eigentliches Kapital – kein Vergleichsportal kann es kopieren. Und trotzdem bleibt vieles ungenutzt, weil es verstreut liegt: im Kopf, in alten E-Mails, in Beratungsdokumentationen.
Eine KI, die an all diese Quellen angebunden ist, führt dieses Wissen verlässlich zusammen – sie vergisst nichts und übersieht keine Lücke. Technisch ist das machbar, aber ein echtes Investment in die Geschäftsentwicklung. Kein Schalter, den Sie morgen umlegen. Die gute Nachricht: Sie müssen nicht warten. Co-Intelligenz – Sie bringen Beziehung und Wissen ein, die KI übernimmt Struktur und Gedächtnis – trägt heute schon und bleibt das Prinzip, auch wenn die Systeme später voll integriert sind.
Etappe 1: die KI als Co-Trainer
Der Anfang funktioniert ohne großes IT-Projekt. Gehen Sie ins nächste Jahresgespräch nicht mit leerem Blatt. Notieren Sie vorab in fünf Minuten, was Sie über den Menschen wissen, und lassen Sie die KI daraus ein strukturiertes Briefing mit klugen Anschlussfragen machen. Genauso hilft sie bei der Ansprache: Zwei junge Familien stehen beide vor dem Hauskauf und brauchen denselben Schutz – die eine eher sicherheitsorientiert, die andere kostenbewusst. Formulieren Sie Ihre Erklärung einmal und lassen Sie sie die KI in die jeweilige Tonlage übersetzen. Die Praxis: Arbeiten Sie in einem sicheren, freigegebenen Werkzeug oder mit anonymisierten Angaben. Die KI ordnet und übersetzt Ihr vorhandenes Wissen – Sie bleiben der Spielmacher auf dem Platz.
Etappe 2: der mittelfristige Sprung
Eine KI, die an Bestandssystem, Mailverläufe und Dokumentation angebunden ist, weiß über den Kunden mehr, als ein Mensch je präsent halten kann. Sie erkennt, wer gerade an einer Lebensschwelle steht – Hauskauf, Nachwuchs, Erbfall – und welche Risiken daraus entstehen. Doch sie entscheidet nicht, sie schlägt vor.
Eine Voraussetzung sollten Sie kennen: Die KI ist nur so gut wie die zugrunde liegenden Daten. Wo Ablage und Dokumentation sauber sind, entsteht Mehrwert. Wo Zettelwirtschaft herrscht, halluziniert auch der beste Assistent. Wie aufwendig die Anbindung wird, hängt von Ihren Systemen ab – gangbar wird sie mit den richtigen Technologiepartnern und sauberem Datenschutz. Dies ist kein Großmakler-Privileg, sondern eine Richtung, die jedes Büro im eigenen Tempo planen kann.
Mein Fazit
KI macht Ihre Beratung nicht persönlicher, indem sie Ihnen die Beziehung abnimmt. Sie hilft, die Risiken der Kunden besser zu verstehen, und schafft Zeit für das, was zählt und was keine Maschine ersetzt: die persönliche Beratung. Die Technik liefert das Wissen, Sie liefern Vertrauen und Entscheidung. Ihre Checkliste für nächste Woche:
- Ton-Test: Eine Standarderklärung von der KI in zwei Kundenansprachen übersetzen lassen – für den schnellsten Aha-Moment.
- Briefing-Routine: Vor jedem Jahresgespräch fünf Minuten Ihr Wissen notieren, die KI strukturiert es.
- Technologie-Check: Mit Ihrem Systempartner klären, wie eine datenschutzkonforme Bestandsanbindung aussehen könnte.
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