24.09.2019 Lebensversicherung und Altersvorsorge

BdV sieht ein Viertel der Lebensversicherer angezählt

Studie zeigt Verlusterwartung oder zu geringe reine Solvenz bei 21 von 84 Unternehmen.

Der BdV hat wieder umfangreich die Daten der Lebensversicherer analysiert. (Foto: TeroVesalainen/Pixabay)
Der BdV hat wieder umfangreich die Daten der Lebensversicherer analysiert.
(Foto: TeroVesalainen/Pixabay)

Der Bund der Versicherten e. V. (BdV) hat auch dieses Jahr die Solvenzberichte des Vorjahres in Hinblick auf einen breiten Kanon von Kennzahlen untersucht. „Uns besorgt, dass ein Viertel der Versicherungsunternehmen nur durch Übergangsmaßnahmen genügend Solvenz aufweist oder strukturell auf Verlust fährt“, erklärt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV. Die umfangreiche Analyse kann unter https://www.bundderversicherten.de/stellungnahmen/2019 abgerufen werden.

Die Solvenzquoten unterscheiden sich stark darin, ob sogenannte Übergangsmaßnahmen angesetzt werden oder nur die reine Solvenz betrachtet wird. Zwölf Unternehmen hätten ohne Übergangsmaßnahmen keine ausreichende Solvenz. Auffällig ist, dass besonders solche Unternehmen geringe Solvenz aufweisen, die sich in Abwicklung befinden, also im Run-Off. „Offensichtlich sind die Managerinnen und Manager der Run-Off-Unternehmen in Sachen Solvenz sehr risikofreudig“, erklärt Kleinlein. Auch sei zu beobachten, dass branchenweit zwölf Unternehmen zukünftig keine Gewinne erwarten. „Wir sehen solche Unternehmen in ihrer Resilienz, den Schwierigkeiten der Märkte auf Dauer zu trotzen, gefährdet“, analysiert Kleinlein. Bei den Gewinnerwartungen driftet der Markt zunehmend auseinander.

Ein Viertel der Versicherer mit Problemen

 

Bei einer Mehrheit der Unternehmen zeigt sich, dass sich je nachdem Verlusterwartungen oder überzogene Gewinnerwartungen verstärken. Zusammenfassend erwartern 21 der untersuchten 84 Versicherer keine Gewinne oder haben zu geringe reine Solvenzquoten. Besonders auffällig sind die Probleme bei den Versicherern, die kein Neugeschäft mehr schreiben. Betrachtet man die Run-Off-Plattformen für die klassische Lebensversicherung, so zeigen sich noch deutlichere Probleme, da die reine Solvenz hier im Durchschnitt nur 37 Prozent beträgt.

Bereits im August hat der BdV zusammen mit dem Vermittlerverband AfW darauf hingewiesen, dass in Sachen Run-Off dringender Handlungsbedarf besteht. Kleinlein sieht sich nun bestätigt: „Die Untersuchung der Solvenzberichte unterstreicht, dass Run-Off-Unternehmen deutliche Gefahren für die Versicherten bergen.“ Daher müssten die Versicherten im Falle eines Run-Off gestärkt werden.

Foto: Bund der Versicherten

Unterm Strich gibt es kein Unternehmen, bei dem in allen Prüfpunkten Entwarnung gegeben werden kann.

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV

Bund der Versicherten

Der Bund der Versicherten e. V. (BdV) wurde 1982 gegründet und ist mit ca. 50.000 Mitgliedern die nach eigener Angabe einzige Organisation in Deutschland und Europa, die sich ausschließlich und unabhängig für die Rechte der Versicherten einsetzt. Der BdV sieht sich als ein wichtiges politisches Gegengewicht zur Versicherungslobby. Mit Musterprozessen gegen Versicherer will der BdV die Rechte der Verbraucher durchsetzen. Die Mitglieder werden in allen Fragen rund um private Versicherungen beraten und erhalten Versicherungsschutz durch exklusive Gruppenverträge, u. a. im Bereich der
Privathaftpflicht- und Hausratversicherung.


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