23.08.2021 Produkte

Allianz macht Druck in Sachen Nachhaltigkeit

Die Allianz will ihre Macht als Großanlegerin nutzen, um nachhaltigeres Wirtschaften bei den Unternehmen voranzubringen. Ziel sei es, das Bewusstsein im Management zu schärfen – und nicht, einzelne Titel zu eliminieren.

Grünes Wachstum: Die Allianz setzt Maßstäbe. (Foto: © Dilok - stock.adobe.com)
Grünes Wachstum: Die Allianz setzt Maßstäbe.
(Foto: © Dilok - stock.adobe.com)

„Wir wollen die Transformation zu einer CO2-armen Wirtschaft mit unserer Anlagepolitik aktiv vorantreiben”, sagte der Chefanleger von Allianz Leben und Allianz Private Kranken, Andreas Lindner, der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Freitag veröffentlichten Interview. „Wir wissen, dass wir als großer institutionelle Anleger Einfluss darauf nehmen können, wie Unternehmen produzieren. Es geht uns weniger darum, unser Portfolio zu verändern – vielmehr sollen sich die Unternehmen verändern, in die wir investieren.”

ESG-Kriterien im Vordergrund



Lindner ist allein beim größten deutschen Lebensversicherer für rund 300 Milliarden Euro an Kapitalanlagen verantwortlich und damit für mehr als ein Drittel des Gesamtvolumens, das die Allianz für ihre Versicherungskunden investiert. Die Münchner sind mit ihrer Haltung in bester Gesellschaft: So hatte Blackrock-Chef Larry Fink erst kürzlich in einem Brief an CEOs vor dem Hintergrund des Klimawandels ein rasches Umsteuern gefordert. Die sogenannten ESG-Kriterien – das Kürzel steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – rücken bei Groß-Anlegern angesichts des Klimawandels und einer vernetzten Welt immer mehr in den Fokus. Inzwischen gibt es mehrere Zusammenschlüsse großer Versicherer und anderer Kapitalanleger, um gemeinsam Druck auszuüben – etwa in der „Net Zero Owner Alliance”, hinter der fünf Billionen Euro an Kapitalanlagen stehen.

Die dritte Dimension

 

Nachhaltigkeit sei inzwischen neben Rendite und Risiko die dritte Dimension in der Kapitalanlage, so Lindner. Im Vordergrund stehe aber die Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Erklärtes Ziel: Bis 2025 sollen die Unternehmen, in die der Münchner Versicherungsriese investiert, 25 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen, bis 2050 soll das ganze Portfolio klimaneutral sein.

Basis sind Scoring-Modelle: Wer dort zu den zehn Prozent Schlechtesten gehört, den schaue man sich genau an. Der Aufwand für die Gespräche mit Aktien- und Anleihe-Emittenten zu ESG-Themen ist beträchtlich: „Das ist ein sehr zeitintensiver Prozess – oft geht er über mehrere Jahre. Aber man muss den Unternehmen diese Zeit geben”, sagt Lindner. „Erst wenn wir das Gefühl haben, dass ein Unternehmen den Dialog nicht ernsthaft betreibt, dann desinvestieren wir.” Das sei bisher nur ganz selten der Fall gewesen. Ausnahme: geächtete Waffen oder Geschäftsmodelle auf Kohle-Basis. 

Wirtschaftliche Vernunft und Nachhaltigkeit stünden nicht im Widerspruch, erklärt Lindner. „Früher dachten viele: Nachhaltigkeit muss man sich leisten können, das geht zulasten der Rendite.” Doch das habe sich geändert. „Die Transformation der Wirtschaft braucht enorme Summen – und das bedeutet für uns interessante Anlagemöglichkeiten, gerade im Nullzinsumfeld.” Der technische Fortschritt beim Umbau der Wirtschaft biete Chancen – das werde in Deutschland oft übersehen. „Beim Thema Nachhaltigkeit geht es eben nicht nur um Verzicht.”


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