24.03.2021 Branche

Unternehmen müssen sich gegen politische Gewalt wappnen

Das „Allianz Risk Barometer“ sagt eine signifikante Zunahme von Unruhen, Demonstrationen und Vandalismus voraus. Das könne zu erheblichen Verlusten und Versicherungsschäden führen. Wie sich Unternehmen richtig absichern.

Bei Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg entstanden Schäden in Höhe von rund zwölf Millionen Euro. (Foto: Pixabay / Tama66)
Bei Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg entstanden Schäden in Höhe von rund zwölf Millionen Euro.
(Foto: Pixabay / Tama66)

Demonstrationen gegen die Corona-Schutzbestimmungen in Deutschland, „Black Lives Matter”-Proteste in den USA oder Brandanschläge auf Mobilfunktürme in Großbritannien: „Zivile Unruhen haben stark zugenommen, angetrieben durch Proteste zu Themen, die von wirtschaftlicher Not bis hin zu Polizeibrutalität reichen und die Bürger auf der ganzen Welt betroffen haben. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verschlimmern die Situation – da kein Ende des wirtschaftlichen Abschwungs in Sicht ist, wird die Zahl der Proteste wahrscheinlich weiter steigen”, sagt Björn Reusswig, Leiter der Abteilung Global Political Violence and Hostile Environment Solutions bei Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). Für Unternehmen seien gewalttätige Auseinandersetzungen ein ganz konkreter Unsicherheitsfaktor.

Zivile Unruhen als zentrales Geschäftsrisiko

 

Proteste, die Sachschäden, Betriebsunterbrechungen oder Umsatzeinbußen verursachen können, werden im aktuellen Umfeld zu einem immer bedeutenderen Risiko für Unternehmen. Das zeigen die Ergebnisse des Allianz Risk Barometers 2021. In der jährlichen globalen Risikoumfrage kehrten „politische Risiken und Gewalt” zum ersten Mal seit 2018 in die Top 10 der Risiken zurück. Dieser Risikotrend wird durch aktuelle Forschungsergebnisse unterstützt, die eine Zunahme der weltweiten Protestbewegungen in den nächsten zwei Jahren vorhersagen: Verisk Maplecroft, ein auf globale Risikoanalysen spezialisiertes Forschungsunternehmen, geht davon aus, dass 75 Länder bis Ende 2022 einen Anstieg der Proteste erleben werden. In mehr als 30 dieser Länder – vor allem in Europa und Amerika – werde es wahrscheinlich zu erheblichen Aktivitäten kommen. Politische Gewalt verursachte aber auch schon im Jahr 2020 erhebliche Versicherungsschäden. Zwar verliefen die Proteste, die im Frühjahr nach der Tötung von George Floyd durch einen Polizeibeamten in 140 US-Städten stattfanden, größtenteils friedlich. Brandstiftungen, Vandalismus und Plünderungen, die im Zusammenhang mit den Protesten standen, kosteten die Versicherungsbranche laut Axios jedoch mindestens ein bis zwei Milliarden US-Dollar an Schäden. 

Unternehmen müssen nicht direkt Opfer von zivilen Unruhen sein, um finanzielle Verluste zu erleiden. Die Umsätze können leiden, wenn die Umgebung für längere Zeit abgesperrt wird oder während die beschädigte (Verkehrs-)Infrastruktur repariert wird.

Wachsender Bedarf an Business-Continuity-Planung

 

Für Unternehmen ist daher die Vorbereitung auf politische Gewaltrisiken wichtig – insbesondere für exponierte Branchen wie den Einzelhandel. Während der zweitägigen „Black Lives Matter”-Demonstrationen Ende Mai in Chicago wurden fast alle Schaufenster auf der Michigan Avenue, zu der auch das Einkaufsviertel „Magnificent Mile” gehört, beschädigt. Und in Deutschland führten die Ausschreitungen während des G20-Gipfels in Hamburg im Juli 2017 laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zu Schäden von rund zwölf Millionen Euro. Etwa ein Drittel der Summe – rund vier Millionen Euro – entfiel auf beschädigte Autos, der Rest auf Schäden an Wohngebäuden und Geschäften. 

Unternehmen müssen angesichts dieser Entwicklungen ihre Business-Continuity-Planung (BCP) überprüfen, empfehlen die Experten der Allianz. Es sei sehr wichtig, definierte und getestete Verfahren zu haben – diese sollten sich auf Mitarbeiter und Kunden konzentrieren und allgemeine Kommunikations- und Social-Media-Pläne beinhalten. Eine besondere Rolle spielen außerdem die Policen der Unternehmen: Sachversicherungen können in einigen Fällen Ansprüche wegen politischer Gewalt abdecken, aber die Versicherer bieten über den Spezialmarkt auch spezielle Lösungen an, um die Auswirkungen von Streiks, Unruhen und zivilem Aufruhr zu mildern. „Früher wurde diese Deckung von Kunden als 'nice to have' und von Versicherern als 'nichts, worüber man sich übermäßig Sorgen machen müsste' betrachtet. Dies hat sich jedoch seit 2018 geändert, da sowohl Häufigkeit als auch Schwere dieser Ereignisse deutlich zugenommen haben. Wir sehen ein wachsendes Interesse und eine steigende Nachfrage nach Deckungen für politische Gewalt seitens der Unternehmen”, sagt Reusswig.


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