Nord-Süd-Verbindung: Ostangler und Schwarzwälder fusionieren
Die Konsolidierung in der Branche geht weiter: Die Ostangler Brandgilde und die Schwarzwälder Versicherung wollen sich noch in diesem Jahr zusammenschließen. Keine große Sache, die Schleswig-Holsteiner sind schon länger dominant.

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Mehr als 900 Kilometer liegen zwischen Kappeln (Schleswig-Holstein) und Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg). Doch das ist kein Hinderungsgrund: Die Ostangler Brandgilde VVaG und die Schwarzwälder Versicherung planen, im Laufe des Jahres zu fusionieren. Ziel sei es, die Kräfte beider Häuser zu bündeln, die Verwaltungsstrukturen zu straffen und die Organisation zukunftssicher zu gestalten. Die Kräfte sind allerdings sehr unterschiedlich verteilt: Die Ostangler kam laut letztem veröffentlichtem Geschäftsbericht 2024 mit 121.500 Mitgliedern auf Beitragseinnahmen von 61,6 Millionen Euro, die Versicherung mit der Kuckucksuhr ist ausweislich des Geschäftsberichts 2023 mit 13.000 Mitgliedern und gebuchten Beiträgen von 156.000 Euro (!) ein Winzling.
Fusion hat keine Auswirkungen für Kunden
Die Schwarzwälder soll als Assekuradeur weiterhin unter der bisherigen Marke agieren. Mitarbeiterstamm und Standort in Villingen-Schwenningen bleiben erhalten und sind nach wie vor operativ tätig. Auch für Versicherungsnehmer ändere sich durch die Fusion nichts: Bestehende Verträge behalten unverändert ihre Gültigkeit. Ein Großteil des Geschäfts läuft ohnehin schon länger über die Ostangler, deren Vorstandschef Jens-Uwe Rohwer die Funktion zeitweise auch im Schwarzwald innehatte. „Zusätzlich beteiligen wir uns an der Risikotragung bei der Schwarzwälder Versicherung VVaG. Dabei fließen uns 80 Prozent der Beitragseinahmen für die Übernahme des Risikos zusätzlich zur Rückversicherung zu.” So steht es bereits im 2024er-Nachhaltigkeitsbericht der Ostangler.
Beide Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit arbeiten bereits seit 15 Jahren eng zusammen, seit 2013 etwa in der Sparte Wohngebäudeversicherung. Künftig werden Controlling, Verwaltung und IT noch stärker aufeinander abgestimmt. Jens-Uwe Rohwer sagt: „Beide Unternehmen sind wirtschaftlich solide aufgestellt. Durch die Fusion bündeln wir unsere Stärken im Versicherungsmarkt und gestalten Prozesse effizienter.“
Gruppe wächst und investiert in IT und KI
Die Ostangler Brandgilde setzt damit ihren Wachstumskurs als Unternehmensgruppe fort, den sie bereits Mitte 2025 mit der Integration der Landesschadenhilfe (Bad Fallingbostel) eingeleitet hat. Unabhängig davon beteiligt sich das Unternehmen gemeinsam mit mehreren kleinen und mittelständischen Versicherern am Erwerb und Ausbau des Kundenverwaltungssystems AGS. Der Kauf und die Weiterentwicklung des Systems erfolgen über die B&M Insurance IT GmbH & Co. KG.
Ziel sei es, Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit der Datenverarbeitung zu gewährleisten – insbesondere vor dem Hintergrund steigender regulatorischer Anforderungen, etwa im Rahmen von DORA, der EU-Verordnung über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (Digital Operational Resilience Act). Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die derzeit im AGS-Bereich tätig sind, werden übernommen. Außerdem will die Ostangler Brandgilde Künstliche Intelligenz schrittweise in Verwaltungsprozesse integrieren. Dafür würden gezielt Personal- und Finanzressourcen bereitgestellt. Der Fokus liegt auf der Automatisierung standardisierter Abläufe, der Verbesserung der Datenqualität und der Entlastung der Fachbereiche.
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